Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen des römischen Britannien
Die römische Herrschaft über Britannien dauerte von der Invasion unter Claudius im Jahr 43 n. Chr. bis zum frühen 5. Jahrhundert, als die kaiserliche Zentralgewalt zusammenbrach und die Truppen abgezogen wurden. In diesen rund dreieinhalb Jahrhunderten verwandelten die Römer eine Insel keltischer Stämme in eine Provinz mit Städten, Straßen, Thermen, Amphitheatern und einer Verwaltungsbürokratie nach mediterranem Vorbild. Die Überreste dieser Herrschaft – von der Nordseeküste bis zur Grenzmauer im Norden, von Küstenpalastes bis zu unterirdischen Tempeln – sind über die gesamte englische, walisische und schottische Landschaft verteilt und zählen zu den am besten erschlossenen archäologischen Stätten Europas.
1. Hadrianswall, Nordengland
Der Hadrianswall, auf Befehl Kaiser Hadrians ab 122 n. Chr. errichtet, erstreckt sich in einer Länge von rund 118 Kilometern quer über Nordengland von Wallsend bei Newcastle bis Bowness-on-Solway an der Westküste. Er war keine bloße Grenzmauer, sondern ein komplexes militärisches System mit Meilenkastellen, Zwischentürmen, Forts, einem Graben nördlich und einem weiteren Graben-Wall-System südlich (Vallum). Erhaltene Mauerabschnitte, insbesondere bei Housesteads und Cawfields, stehen mehrere Meter hoch und vermitteln einen unmittelbaren Eindruck der Monumentalität. Der Wall und seine Bauwerke sind UNESCO-Welterbe als Teil der 'Grenzen des Römischen Reiches'. Wanderwege folgen dem Wall auf seiner gesamten Länge.
2. Bath (Aquae Sulis), Somerset
Bath war das einzige vollständig entwickelte Kur- und Thermenzentrum der römischen Provinz Britannia, errichtet um die heilige Thermalquelle der Göttin Sulis-Minerva. Die Römer fassten die Quellen in ein aufwendiges Badegebäude ein, das neben dem Tempel der Sulis-Minerva das städtische Herzstück bildete. Die erhaltenen Strukturen – Badebassin, Hypocaust-Heizsystem, Abwassertunnel und Tempelterrasse – gehören zu den besterhaltenen Thermalanlagen nördlich der Alpen. Besonders bemerkenswert ist die Fundlage: Tausende von Fluchtäfelchen aus Blei, in die Quelle geworfen als Bitten an die Göttin, wurden hier geborgen. UNESCO-Welterbe; täglich geöffnet.
3. Fishbourne Palace, West Sussex
Fishbourne ist der größte bekannte Palastkomplex der römischen Welt nördlich der Alpen und wurde kurz nach der Claudischen Invasion errichtet, möglicherweise für Cogidubnus, einen mit Rom verbündeten britischen Klientelkönig. Der Bau von um 75 n. Chr. zeigt vier Flügel um einen formalen Garten, Mosaiken von hoher Qualität (darunter das berühmte 'Cupid on a Dolphin'-Mosaik) und eine Gartenanlage, die durch botanische Ausgrabungen rekonstruiert werden konnte. Das Museum vor Ort zeigt die umfangreichen Funde in situ und in Vitrinen; ein Teil der originalen Mosaikböden ist sichtbar. Fishbourne liegt bei Chichester; ganzjährig geöffnet.
4. Vindolanda, Northumberland
Vindolanda, ein Kastell südlich des Hadrianswall, ist berühmt als Fundort der Vindolanda-Schreibtäfelchen – dünner Holztafeln mit Tinte beschrieben, die in den wassergesättigten Böden des Forts außergewöhnlich gut erhalten blieben. Diese Täfelchen aus dem späten 1. und frühen 2. Jahrhundert n. Chr. geben den direktesten Einblick in das Alltagsleben der römischen Armee in Britannien: Einladungsbriefe, Beschwerdeschreiben, Truppenlisten, Einkaufszettel. Das Fort zählt zu den aktivsten laufenden Ausgrabungsstätten Großbritanniens; Besucher können den Ausgrabungsteams bei der Arbeit zusehen. Das Freilichtmuseum mit rekonstruierten Mauerabschnitten und Tempeln ist von Anfang Februar bis November geöffnet.
5. Caerleon (Isca Augusta), Wales
Caerleon war das Standlager der Legio II Augusta, der bedeutendsten regulären Truppe Roms in Wales, und zählt zu den besterhaltenen Legionslagern nördlich der Alpen. Die Anlage zeigt ein großes Amphitheater (vollständig freigelegt), Kasernenblöcke, Thermen und die markante Umrissform des ursprünglichen Lagers, die in der Gartenanlage heute noch erkennbar ist. Das Caerleon National Roman Legionary Museum des Nationalmuseums von Wales beherbergt eine herausragende Sammlung von Inschriften, Skulpturen und Alltagsgegenständen. Caerleon liegt unmittelbar bei Newport und ist gut öffentlich erreichbar. Der Eintritt ist kostenlos.
6. Verulamium (St Albans), Hertfordshire
Verulamium war die drittgrößte Stadt des römischen Britannien und besitzt das größte sichtbare Stück römischer Stadtmauer Englands – über fünfhundert Meter lang und streckenweise noch mehrere Meter hoch. In einem nahegelegenen Park sind Grundrisse eines Hauses mit Mosaik und Hypocaust-Heizung unter einem Schutzdach in situ zugänglich. Das Verulamium Museum am Stadtrand ist eines der besten Regionalmuseen für römische Archäologie in England und zeigt Mosaikböden, Wandmalereien und Alltagsgegenstände. St Albans liegt nördlich von London und ist mit dem Zug in unter 30 Minuten erreichbar.
7. Portus Adurni (Portchester Castle), Hampshire
Portchester Castle kombiniert ein gut erhaltenes römisches Kastell der späten 'Sachsenküstenverteidigung' (3.–4. Jahrhundert n. Chr.) mit einer normannischen Burg im Inneren – ein seltenes Beispiel für Kontinuität der Nutzung über Jahrtausende. Die Außenmauern des Kastells stehen fast vollständig; die Bastionen der südöstlichen Ecke gehören zu den höchsten erhaltenen Beispielen spätantiker Militärarchitektur in Nordeuropa. Das Kastell liegt direkt an der Küste bei Portsmouth; der Blick von den Mauern über den Hafen ist eindrücklich. English Heritage; ganzjährig geöffnet.
8. Chedworth Villa, Gloucestershire
Chedworth ist eine der größten und besterhaltenen römischen Villen Britanniens, tief in einem bewaldeten Tal in den Cotswolds gelegen. Die Villa aus dem 2.–4. Jahrhundert zeigt Mosaikböden von hoher Qualität, darunter Darstellungen der Jahreszeiten und von Wassernymphen, Thermen, ein Nymphaeum (Quellheiligtum) und ausgedehnte Wohnflügel. Das National Trust-Museum vor Ort erklärt den Kontext der ländlichen Romanisierung in den Cotswolds. Chedworth liegt nahe Cirencester (dem antiken Corinium) und lässt sich gut mit dem dortigen Museum kombinieren.
9. Caerwent (Venta Silurum), Wales
Caerwent, das antike Venta Silurum, war die Hauptstadt des Stammes der Silurer und eine der am vollständigsten erhaltenen römischen Kleinstädte Britanniens. Die Stadtmauern aus dem späten 3. Jahrhundert stehen in großen Abschnitten noch bis zu mehreren Metern Höhe und umschließen das gesamte Stadtgebiet, das heute ein ländliches Dorf ist. Im Inneren sind Tempelgrundlagen, ein Gebäudekomplex (möglicherweise das Forum-Basilika-Ensemble) und die Fußböden mehrerer Stadthäuser ausgegraben und zugänglich. Caerwent liegt nahe Chepstow und ist kostenlos zugänglich.
10. Eboracum (York), Yorkshire
York war die Hauptstadt der Provinz Britannia Inferior und der Stützpunkt, von dem aus Kaiser Septimius Severus seinen Scottlandfeldzug leitete; er starb hier 211 n. Chr. Unter der mittelalterlichen Stadt liegen umfangreiche römische Strukturen, von denen einige im Yorkshire Museum – mit einer außergewöhnlichen Kollektion von Inschriften, Skulpturen und Mosaiken – und im Multangular Tower sichtbar sind. In der Undercroft der York Minster befindet sich die Basis einer Säule des römischen Legionslagers. Die 'York's Roman Quarter' Spazierwege verbinden verschiedene Fundorte; die aktive Archäologie unter der Stadt liefert laufend neue Erkenntnisse.
Praktische Hinweise
Das römische Britannien ist eines der touristisch besterschlossensten archäologischen Landschaften Europas. English Heritage und der National Trust betreiben viele der wichtigsten Stätten; Mitgliedschaften in diesen Organisationen bieten freien Eintritt bei wiederholten Besuchen. Der Hadrianswall-Weg bietet eine mehrtägige Wanderung entlang des Wall-Verlaufs mit Übernachtungen in anliegenden Ortschaften. Alle Stätten auf der Karte erkunden.