Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen des Römischen Reiches
Auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung erstreckte sich das Römische Reich vom schottischen Hochland bis in die mesopotamische Wüste, von der marokkanischen Atlantikküste bis zum Kaukasus. Diese geographische Weite erklärt, warum sein architektonisches Erbe auf drei Kontinenten erhalten geblieben ist — in Form von Amphitheatern, Aquädukten, Tempeln, Befestigungsanlagen und Städten, die das Bild heutiger Metropolen und Landschaften noch immer prägen. Die folgende Auswahl umfasst Ruinen, die in ihrer Erhaltung, historischen Bedeutung oder dramatischen Lage herausragen und gemeinsam die Bandbreite römischer Baukunst und Zivilisationsleistung veranschaulichen.
1. Kolosseum, Rom (Italien)
Das Kolosseum, offiziell Amphitheatrum Flavium, wurde zwischen 70 und 80 n. Chr. unter den Kaisern Vespasian und Titus erbaut und fasste schätzungsweise 50.000 bis 80.000 Zuschauer. Es war der Schauplatz von Gladiatorenkämpfen, Tierhetzen (venationes) und gelegentlich inszenierten Seeschlachten. Trotz der Plünderungen des Mittelalters und mehrerer Erdbeben steht heute noch etwa ein Drittel der ursprünglichen Außenmauer. Das Bogen-und-Pfeiler-System aus Travertin, Tuff und Ziegelmauerwerk gilt als Grundlage der europäischen Stadionarchitektur. Tickets sollte man lange im Voraus buchen; der Andrang ist das ganze Jahr über erheblich.
2. Pompeji, Kampanien (Italien)
Als der Vesuv am 24. August 79 n. Chr. ausbrach, begrub eine bis zu sechs Meter hohe Asche- und Bimsschicht die blühende Stadt Pompeji und konservierte dabei Straßen, Fresken, Geschäfte, Thermen und sogar Speisereste. Keine andere Stätte gibt so unmittelbaren Einblick in den Alltag einer mittelgroßen römischen Stadt des 1. Jahrhunderts n. Chr. Die Via dell'Abbondanza, das Forum, das Theater, die Villa dei Misteri mit ihren rätselhaften Initiationsfreskos — all das ist in einem Umfang erhalten, der seinesgleichen sucht. UNESCO-Welterbe seit 1997. Anreise per Circumvesuviana-Bahn von Neapel.
3. Leptis Magna, Libyen
Leptis Magna an der libyschen Küste war die Geburtsstadt des Kaisers Septimius Severus (193–211 n. Chr.) und erlebte unter ihm eine gewaltige Neugestaltung: ein neues Forum, eine Basilika, ein Triumphbogen und ein erweiterter Hafen machten die Stadt zu einem der prächtigsten Urbanizationsprojekte des späten Kaiserreichs. Heute zählen die nahezu intakten Säulenreihen der Severischen Basilika, das Amphitheater direkt am Meer und die gut erhaltenen Hafenstrukturen zu den eindrucksvollsten römischen Überresten überhaupt. UNESCO-Welterbe seit 1982. Aufgrund der politischen Lage in Libyen ist der Zugang gegenwärtig eingeschränkt.
4. Ephesus, Türkei
Ephesus an der ägäischen Küste der heutigen Türkei war in der Kaiserzeit die Hauptstadt der Provinz Asia und eine der größten Städte des Reiches mit vielleicht 250.000 Einwohnern. Die Celsus-Bibliothek, deren zweigeschossige Fassade zu großen Teilen wiederaufgebaut wurde, das Große Theater mit 25.000 Plätzen und die gepflasterte Marmorstraße vermitteln noch heute den Maßstab der Stadt. Die Ruinen des Artemis-Tempels, einst eines der Sieben Weltwunder der Antike, liegen in unmittelbarer Nähe. Ephesus ist UNESCO-Welterbe seit 2015 und von Selçuk in wenigen Minuten erreichbar.
5. Palmyra, Syrien
Palmyra in der syrischen Wüste verdankte seinen Reichtum dem Transithandel zwischen dem Mittelmeer und dem Partherreich. Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. entstand eine der glänzendsten Städte des Ostens: ein Tempel des Bel, eine kilometerlange Kolonnadenstraße, ein gut erhaltenes Theater und ein imposantes Grabmonument-Tal. Palmyra war kurzzeitig Kern des Palmyrenischen Reiches unter Königin Zenobia, bevor Kaiser Aurelian die Stadt 273 n. Chr. zurückeroberte. ISIS verursachte 2015 schwere Schäden an zahlreichen Strukturen; UNESCO-Welterbe seit 1980, gegenwärtig nicht sicher zugänglich.
6. Baalbek, Libanon
Baalbek im Bekaa-Tal beherbergt den am besten erhaltenen Jupitertempel der römischen Welt. Sein Podium aus drei Kolossalsteinen — dem Trilithon — trägt Blöcke von bis zu 800 Tonnen Gewicht, was die Frage aufwirft, wie die Römer diese Steinmassen bewegten. Der kleinere Bacchustempel daneben gilt als einer der am vollständigsten erhaltenen römischen Tempel überhaupt, mit fast intakten Kassettendecken im Inneren. Der Tempelbezirk war ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. über Jahrhunderte im Bau und wurde mehrfach erweitert. Baalbek ist UNESCO-Welterbe seit 1984 und von Beirut per Taxi oder Bus erreichbar.
7. Pont du Gard, Frankreich
Der Pont du Gard in der Provence ist das am besten erhaltene Aquäduktbauwerk der Römer und spannt drei Ebenen Arkaden über den Fluss Gardon. Er war Teil eines 50 Kilometer langen Aquädukts, das die Stadt Nîmes (Nemausus) mit Wasser versorgte, und wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. erbaut. Das Meisterstück römischer Hydraulik überwindet einen Höhenunterschied von lediglich 12 Metern auf der gesamten Strecke — mit einer Präzision, die moderne Ingenieure immer noch in Staunen versetzt. Seit 1985 UNESCO-Welterbe; ein ausgezeichnetes Museum erklärt Bau und Funktion. Anreise von Nîmes per Bus oder Auto.
8. Hadriansmauer, Nordengland
Die Hadriansmauer erstreckt sich über 117 Kilometer von Wallsend an der Tyne bis Bowness-on-Solway an der irischen See und markiert den nördlichsten Verteidigungsring des römischen Britannien. Kaiser Hadrian ordnete ihren Bau ab 122 n. Chr. an; Legionssoldaten errichteten Steinmauer, Gräben, Meilenkastelle und sechzehn größere Kastelle in wenigen Jahren. Vindolanda — ein Kastell südlich der Mauer — hat durch Ausgrabungen Holztäfelchen mit Alltagsbriefen geliefert, die zu den wertvollsten Quellen des römischen Alltags gehören. UNESCO-Welterbe seit 1987. Der National Trail entlang der Mauer führt durch offene, windige Moorlandschaften.
9. Segovia-Aquädukt, Spanien
Das Aquädukt von Segovia in der kastilischen Hochebene ist das spektakulärste erhaltene Beispiel römischer Wasserbaukunst auf der Iberischen Halbinsel. Über 800 Meter lang und an der höchsten Stelle knapp 29 Meter hoch, besteht es aus rund 20.000 unbehauenen Granitblöcken, die ohne Mörtel aufeinander gestapelt wurden. Es wurde vermutlich im 1. Jahrhundert n. Chr. errichtet und transportierte Wasser vom Fluss Frío in die Stadtbehälter. Bis ins 20. Jahrhundert blieb es in Betrieb. Es liegt mitten in der Altstadt, die seit 1985 als UNESCO-Welterbe eingetragen ist.
10. Volubilis, Marokko
Volubilis in der Nähe der modernen Stadt Meknès war die südlichste bedeutende Stadtgründung des Weströmischen Reiches und blühte zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert n. Chr. Die Stätte bewahrt ungewöhnlich vollständige Mosaikböden in situ: Darstellungen des Herkules, des Orpheus und mythologischer Szenen zieren ehemalige Stadthäuser. Triumphaltor, Forum, Kapitoltempel und Basilika sind deutlich erkennbar. Nach dem Rückzug Roms blühte die Stadt unter Berber-Herrschaft weiter. UNESCO-Welterbe seit 1997; von Meknès per Taxi oder geführter Tour in etwa einer Stunde erreichbar.
Die Überreste des Römischen Reiches liegen verstreut über ein Gebiet von mehr als fünf Millionen Quadratkilometern. Viele dieser Stätten sind hervorragend erschlossen und verfügen über Museen, geführte Touren und Online-Tickets. Die beste Reisezeit richtet sich nach der Region: In Nordafrika und dem Nahen Osten empfehlen sich die Monate Oktober bis April, in Nordeuropa der Sommer. Alle Standorte lassen sich auf der interaktiven Karte erkunden — Karte öffnen.