Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen Saudi-Arabiens
Saudi-Arabien öffnet sich seit etwa 2019 für internationalen Tourismus, und dieser Schritt erlaubt erstmals einem breiten Publikum den Zugang zu einer archäologischen Landschaft von außergewöhnlichem Reichtum. Die arabische Halbinsel war keineswegs die leere Wüste, die westliche Vorstellungen oft suggerieren: Hier verlief die antike Weihrauchstraße von den Küstenwäldern Dhofars nach Gaza; hier schufen die Nabataeer eine Zivilisation, deren in Fels geschnittene Metropole Hegra die Schönheit von Petra übertrifft; hier florierten in vorislamischer Zeit Königreiche von Lihyan bis Kindah. Die UNESCO-Einstufungen der letzten Jahre und die saudi-arabische Vision 2030 haben die Erschließung und den Schutz dieser Stätten erheblich beschleunigt.
1. Hegra (Mada'in Salih), Al-Ula
Hegra ist die südlichste und am besten erhaltene Stadt der Nabataeer – des arabischen Handelsvolkes, das Petra in Jordanien baute – und gilt heute als Saudis erstes UNESCO-Welterbe (seit 2008). Im Gegensatz zum überfüllten Petra ist Hegra weitgehend unberührt und zeigt mehr als hundert monumentale Felsengräber aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 1. Jahrhundert n. Chr. mit detaillierten Inschriften und Adlerfriesen. Die Grabhügel erhoben sich vor einer Kulisse aus roten Sandsteinfelsen, die in der Abendlicht leuchten. Das Nabataeer-Reich kontrollierte den Weihrauch- und Gewürzhandel von Arabien bis Rom; Hegra war ein Vorposten dieses Handelsimperiums. Reguläre Touren ab dem Al-Ula-Besucherzentrum.
2. Dadan und Al-Ula, Al-Ula-Region
Das antike Dadan, nahe dem modernen Al-Ula gelegen, war die Hauptstadt des Königreichs Lihyan, das zwischen dem 5. und 2. Jahrhundert v. Chr. die nordwestarabische Region beherrschte. Die Lihyaner, wenig bekannt außerhalb der Facharchäologie, waren aufgeklärte Händler, die Schriften in einer eigenen Variante der altnordarabischen Alphabetschrift hinterließen. Die Ruinen von Dadan zeigen Tempelterrassen, Inschriften und die berühmten Löwenstatuen aus dem Fels gehauen. Die überlagernde islamische Altstadt Al-Ula mit ihren gestapelten Lehmhäusern ist ebenso bedeutsam. Dadan und Al-Ula werden derzeit zu einem weitreichenden Tourismusdestinationsprojekt ausgebaut.
3. Diriyah, Riad
Diriyah, am Stadtrand von Riad, war die Hauptstadt des ersten saudi-arabischen Staates und Sitz der Saud-Dynastie im 18. Jahrhundert, bevor es 1818 von osmanisch-ägyptischen Truppen zerstört wurde. Die Ruinenstadt besteht aus charakteristischen Najdi-Lehmziegelbauten im Wadi Hanifah – der traditionellen Architektur des Najd mit gestuften Mauern und Zinnen aus Lehmziegel. Die Kernzone At-Turaif ist UNESCO-Welterbe seit 2010. Derzeit wird Diriyah zu einem massiven Kulturtourismusprojekt entwickelt; die UNESCO-Zone At-Turaif ist zugänglich, während neue Infrastruktur um sie herum entsteht. Die Stätte liegt unmittelbar bei Riad und ist leicht erreichbar.
4. Qaryat al-Faw, Ar-Rub' al-Khali-Rand
Qaryat al-Faw am nördlichen Rand des Rub' al-Khali (Leeres Viertel) war eine Karawanen-Metropole des vorislamischen arabischen Königreichs Kindah, die vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. florierte. Die Ausgrabungen der King Saud University seit den 1970er-Jahren haben ein stadtartiges Ensemble freigelegt: Straßen, Tempel, Wohnhäuser, Geschäftsräume und eine umfangreiche Nekropole. Die Funde – Wandmalereien, Bronzestatuen, Münzen – zeigen intensive Handelskontakte mit dem Römerreich und dem sassanidischen Iran. Qaryat al-Faw ist abgelegen und erfordert eine Expedition; es ist wohl die am wenigsten zugängliche Stätte dieser Liste, aber archäologisch eine der bedeutendsten.
5. Jubbah-Felszeichnungen, Ha'il-Region
Die Felszeichnungen von Jubbah am Rande des Nefud-Wüstengebiets sind Teil des größten bekannten Petroglyph-Komplexes der arabischen Halbinsel und wurden 2015 zusammen mit Schuwaimis als UNESCO-Welterbe eingetragen. Die Bilder zeigen Menschen, Kamele, Pferde, Rinder, Hunde und Jagdszenen aus einem Zeitraum von etwa 10.000 Jahren – von der Jungsteinzeit bis in die islamische Periode. Besonders faszinierend sind Darstellungen von Rindern in einer Landschaft, die heute tiefe Wüste ist: ein Beweis dafür, dass das Klima der Region in prähistorischen Feuchtphasen ganz anders war. Die Felszeichnungen sind in der Nähe von Jubbah Stadt zugänglich und teilweise mit Stegen erschlossen.
6. Tayma (Tema), Tabuk-Region
Tayma, eine Oase in Nordwestarabien, ist seit der Bronzezeit besiedelt und in assyrischen Quellen des 8. Jahrhunderts v. Chr. erwähnt. Der babylonische König Nabonid residierte hier zehn Jahre lang (etwa 553–543 v. Chr.) – ein historisches Rätsel, das erst durch die Entdeckung von Keiltafelinschriften in Tayma ein Stück erhellt wurde. Die Stätte zeigt einen riesigen alten Stadtwallring (Haddaj-Mauer), mehrere Heiligtümer und eine aramaische Inschrift, die zu den wichtigsten epigraphischen Funden Arabiens zählt. Tayma wird aktiv von saudi-arabischen und deutschen Archäologen ausgegraben; ein kleines Museum zeigt Funde vor Ort.
7. Hima-Felszeichnungen, Najran-Region
Das Felszeichnungsgebiet von Hima in der Najran-Region ist das zweite Saudi-arabische Welterbe für Petroglyphen, zusammen mit Jubbah/Schuwaimis eingetragen. Hima zeigt Inschriften in sabäischen, lihyanischen und aramäischen Schriften sowie figürliche Darstellungen, die mehrere Jahrtausende umspannen. Die geografische Lage an einer alten Karawanenroute von Jemen nach Nordarabien erklärt die Dichte von Inschriften: Reisende hielten hier an Wasserstellen und hinterließen ihre Namen und Botschaften in den Fels gemeißelt. Die Stätten sind ab Najran City erreichbar; das neue Besucherzentrum bietet Führungen.
8. Marib-Region und sabäische Ruinen (Grenzgebiet)
Obwohl das Kerngebiet der sabäischen Zivilisation in Jemen liegt, reichten sabäische Einflüsse bis in das heutige Südwestsaudi-Arabien. In der Najran-Region finden sich Überreste von sabäischen Tempeln und Bewässerungsanlagen aus dem ersten Jahrtausend v. Chr. Das Königreich Saba – das biblische 'Sheba' – kontrollierte den Weihrauchhandel von Südarabien und hinterließ monumentale Tempelbauten, Staudammreste und Stadtmauern, die in Teilen saudisches Territorium berühren. Das Awam-Tempel-Komplex im jemenitischen Marib ist der berühmteste, aber saudische Surveys dokumentieren verwandte Stätten diesseits der Grenze.
9. Thaj (antike Gerrhä?), Östliche Provinz
Thaj in der Östlichen Provinz ist eine spätantike befestigte Handelsstadt, die möglicherweise mit dem in griechischen Quellen erwähnten Gerrhä identisch ist – einem legendär reichen arabischen Handelsemporium des 4.–2. Jahrhunderts v. Chr. am Persischen Golf. Ausgrabungen haben eine Stadtanlage mit regelmäßigem Grundriss, Tempel, Wohnhäuser und eine reiche Grabausstattung freigelegt, darunter Goldschmuck und importierte Keramik aus dem Seleukidischen Reich. Die Funde belegen intensive Handelskontakte zwischen der Arabischen Halbinsel, dem griechisch-hellenistischen Ostmittelmeer und Indien. Thaj liegt abseits der touristischen Infrastruktur; Zugang ist mit Erlaubnis möglich.
10. Rijal Alma, Asir-Region
Rijal Alma ist kein antikes Archäologieziel im engeren Sinn, zeigt aber eine traditionelle Bergarchitektur im Asir-Hochland, die auf vorislamische Bautraditionen zurückgeht und Kontinuität mit der prähistorischen Gebirgskultur Südwestarabiens demonstriert. Die turmartigen Häuser aus Schieferstein, teils mit farbig bemalten Fenstersimsen, bilden ein einzigartiges Ensemble. Das örtliche Kulturerbemuseum zeigt vorislamische Objekte aus der Region. Für ein Verständnis der longue durée arabischer Gebirgsbesiedlung ist Rijal Alma ein wertvoller Kontrapunkt zu den spektakuläreren Stätten im Norden.
Praktische Hinweise
Saudi-Arabien hat seit 2019 Touristenvisa für Besucher aus den meisten westlichen Ländern eingeführt. Internationale Flüge nach Riad, Jeddah und Medina stellen die wichtigsten Zugangspunkte dar. Al-Ula mit Hegra und Dadan verfügt über ein gut ausgebautes Besucherzentrum und ist per Charter-Flug oder Land-Transfer zu erreichen. Die beste Reisezeit ist von November bis März. Alle Stätten auf der Karte erkunden.