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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen Russlands

Das Territorium des heutigen Russland erstreckt sich über ein Elftel der bewohnbaren Erdoberfläche und umfasst archäologische Kulturen von erstaunlicher Vielfalt. In der eurasischen Steppe breiteten sich Reitervölker vom Kaspischen Meer bis zur Mandschurei aus; am Schwarzen Meer gründeten griechische Kolonisten Städte, die mit der Athener Demokratie handelten; im Südural entstand im zweiten Jahrtausend v. Chr. eine rätselhafte Siedlungskultur, die Archäologen das 'Land der Städte' nennen. Die Geschichte des eurasischen Nordens ist tief in den Böden verankert, und russische Archäologie hat in den letzten Jahrzehnten spektakuläre Ergebnisse geliefert – auch wenn vieles davon in der Weltöffentlichkeit wenig bekannt ist.

1. Tanais, Don-Delta, Rostow

Tanais, an der Mündung des Don (des antiken Tanais) an der nördlichen Küste des Asowschen Meeres, war eine der nordöstlichsten griechischen Kolonien der Antike und ein zentraler Handelsknotenpunkt zwischen der griechischen Mittelmeerkultur und den skythischen Nomaden des Hinterlands. Die Stadt wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. gegründet und bis in spätrömische Zeit bewohnt. Ausgrabungen seit dem 19. Jahrhundert haben das Stadtgebiet, Nekropolen und bemerkenswerte Inschriften freigelegt, die griechisch-barbarische Bilingualität und Mischkulturen belegen. Das Archäologische Reservat Tanais ist als Freilichtmuseum zugänglich; das zugehörige Museum zeigt Keramik, Münzen und Inschriftenstelen.

2. Phanagoria, Taman-Halbinsel, Krasnodar

Phanagoria war die größte griechische Stadt in der nördlichen Schwarzmeerregion und zwischen dem 5. Jahrhundert v. Chr. und dem 10. Jahrhundert n. Chr. nahezu ununterbrochen besiedelt. Es war Hauptstadt des bosporanischen Reiches, jener halbautonomen griechisch-skythischen Monarchie, die über Jahrhunderte Getreide an Athen lieferte. Die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte haben Stadtgebäude, Nekropolen, Schiffswracks im Flachwasser vor der Küste und zahlreiche Inschriften freigelegt. Besonders bedeutsam ist ein königlicher Grabhügel mit Dromos-Grabkammer. Der Standort liegt auf der Taman-Halbinsel und ist für Fachinteressierte ausgeschildert; das Museum Taman in der Nähe ergänzt die Stätte.

3. Derbent, Dagestan

Derbent an der Westküste des Kaspischen Meeres besitzt die älteste kontinuierlich bewohnte Stadtanlage Russlands und ist UNESCO-Welterbe seit 2003. Die Zitadelle Naryn-Kala wurde von den Sassaniden im 6. Jahrhundert n. Chr. als Teil eines Grenzwalls errichtet, der die Kaspische Pforte sperren sollte – eine strategische Engstelle zwischen dem Kaukasus und dem Meer. Die sasanidischen Mauern, die sich von der Zitadelle bis ans Meeresufer und weiter auf den Meeresgrund erstrecken, sind außergewöhnlich gut erhalten. Unter der mittelalterlichen islamischen Stadt liegen Schichten, die bis in die frühe Bronzezeit zurückreichen. Derbent war ein Kreuzungspunkt von Reisenden der Seidenstraße, und seine kulturelle Überlieferung ist mehrsprachig und multireligiös.

4. Arkaim, Tscheljabinsk Oblast

Arkaim auf den süduralischen Steppen ist die bekannteste und am besten untersuchte Stätte des sogenannten 'Sintashta-Kulturkomplexes' oder 'Landes der Städte' – eines Ensembles von etwa zwanzig Befestigungssiedlungen aus der frühen Bronzezeit (etwa 2100–1800 v. Chr.). Diese konzentrisch angelegten runden oder ovalen Siedlungen mit Wall, Graben und Wohnhäusern nach einem einheitlichen Bauplan geben Rätsel auf: Wer waren ihre Bewohner? Sie werden mit frühen indoiranischen Sprachgruppen und dem Ursprung der vedischen Kultur in Verbindung gebracht, obwohl dies umstritten bleibt. Das Reservat Arkaim ist zugänglich; ein Museum erklärt die Befunde. Die Lage in der Steppeneinsamkeit ist eindrücklich.

5. Staraya Ladoga, Leningrad Oblast

Staraya Ladoga ('Alt-Ladoga') an der Flußmündung des Volkhov gilt als die älteste städtische Siedlung Russlands und war im 8. und 9. Jahrhundert ein nordeuropäisches Handelszentrum ersten Ranges. Hier, an der Verbindungsachse zwischen Skandinavien und dem Kaspischen Meer, entstand der erste 'Rus'-Fürstensitz, und der Legende nach rief hier Rurik ein, um die Herrschaft der Waräger über die lokalen Slawenstämme zu begründen. Archäologisch belegt sind Handwerkszonen der Wikingerzeit, arabische Münzen aus dem osteuropäischen Fernhandel und eine gut erhaltene steinerne Festung des 9. Jahrhunderts. Das örtliche Museum erklärt den historischen Kontext; die Festung ist zugänglich.

6. Chersonesos Taurica, Sewastopol

Chersonesos, auf der Halbinsel Krim gelegen, war eine der bedeutendsten griechischen Kolonien am Schwarzen Meer – gegründet im 5. Jahrhundert v. Chr. und bis ins byzantinische Mittelalter bewohnt. Die Stätte zeigt eine ungewöhnlich vollständige Stadtanlage: Stadtmauer, rechtwinkligem Straßenraster, Theater, Basiliken und ein ausgedehntes Nekropolengebiet. Hier wurde der Kiewer Großfürst Wladimir im späten 10. Jahrhundert getauft, bevor er das Christentum zur Staatsreligion der Rus machte – ein Ereignis von enormer historischer Bedeutung für die orthodoxe Welt. UNESCO-Welterbe seit 2013; die Stätte liegt im Kriegsgebiet und war zuletzt für internationale Besucher praktisch nicht erreichbar.

7. Scythische Grabhügel (Kurgan) der Nordpontischen Steppe

Die Kurgan-Grabhügel der skythischen und später sarmatischen Nomaden ziehen sich über die südrussische Steppe von der Ukraine bis zum Altai. Die berühmtesten russischen Fundorte liegen im Krasnodar Krai und Kalmykien; die Ausgrabungen des Kostromskoy-Kurgans (8. Jahrhundert v. Chr.) und des Kul-Oba-Kurgans auf der Krim haben Goldarbeiten von außerordentlicher Qualität geliefert – jetzt teils in der Eremitage, teils im Historischen Museum Moskau. Skythische Kunst zeigt ein unverwechselbares Tier-Stilrepertoire; die technische Perfektion der Goldschmiede ist heute noch faszinierend.

8. Kostjonki-Borschevo, Voronezh Oblast

Die Fundstätten von Kostjonki und Borschevo am Don gelten als eine der bedeutendsten Konzentration altsteinzeitlicher Fundorte der Welt. Hier wurden rund 60 paläolithische Siedlungsschichten dokumentiert, die von etwa 45.000 bis 10.000 Jahren vor heute reichen. Die berühmten Venusfigurinen von Kostjonki – stilisierte Frauenstatuetten aus Elfenbein und Kalkstein – gehören zu den frühesten bildenden Kunstwerken der Menschheit. Das Freilichtmuseum zeigt eine konservierte Wohnstruktur aus Mammutknoch aus dem Pleistozän in situ. Die Stätte liegt bei Voronezh und ist relativ leicht erreichbar.

9. Bulgar (Bolghar), Tatarstan

Bulgar war die Hauptstadt der Wolga-Bulgaren und eine der bedeutendsten Städte des mittelalterlichen Osteuropas. Im 10. Jahrhundert empfing der Bulgaren-Khan ibn Fadlan, den Gesandten des Abbasidischen Kalifen; die Übernahme des Islam durch das Wolga-Bulgarenreich ist in dessen berühmtem Reisebericht dokumentiert. Die Ruinen – Mauern, Minarett, Karawanserei und mehrere Moscheen aus dem 13.–14. Jahrhundert – zeigen den Reichtum dieser Handelsmetropole. UNESCO-Welterbe seit 2014 unter dem Namen 'Historisch-archäologische Stätte der Alten Stadt Bulgar'. Die Stätte liegt im modernen Bolghar am Wolgaufer und ist per Schiff oder Auto erreichbar.

10. Magas (Magasdorf) und Alanen-Archäologie, Nordkaukasus

Im Nordkaukasus, insbesondere im heutigen Nordossetien und Inguschetien, finden sich Überreste der alanischen Kultur – jenes iranischsprachigen Volkes, das zwischen dem 1. und 13. Jahrhundert n. Chr. eine bedeutende Macht im Kaukasus war und später von den Mongolen dezimiert wurde. Die Dargawsky 'Stadt der Toten' in Nordossetien ist ein beeindruckendes Ensemble mittelalterlicher Steintürme und Grabkammern aus dem 17.–18. Jahrhundert, die aber auf älteren alanischen Traditionen beruhen. Ältere alanische Städte wie Magas und archäologische Stätten im Inguschetien-Hochland zeigen die Zivilisationshöhe dieser wenig bekannten kaukasischen Hochkultur.

Praktische Hinweise

Russland ist ein riesiges Land mit sehr unterschiedlicher touristischer Infrastruktur. Derbent und Tanais sind mit dem Zug oder Auto gut erreichbar; Arkaim erfordert eine mehrstündige Fahrt von Tscheljabinsk. Viele Stätten haben russischsprachige Museen und erfordern einen Reiseführer für den vollen Kontext. Aufgrund der geopolitischen Situation sind internationale Reisen nach Russland derzeit stark eingeschränkt; aktuelle Reiseinformationen sollten vor einer Planung eingeholt werden. Alle Stätten auf der Karte erkunden.