Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Griechenland
Griechenland ist das archäologische Herzland Europas. Kein anderes Land hat das westliche Denken — Philosophie, Demokratie, Theaterdrama, Stadtplanung, Skulptur, Mathematik — so fundamental geprägt, und kaum irgendwo ist die physische Hinterlassenschaft dieser Kulturen so dicht und so zugänglich wie hier. Von den mykenischen Burgfestungen des zweiten Jahrtausends v. Chr. über die klassischen Tempel des 5. Jahrhunderts bis zu den hellenistischen Städten, die Alexander und seine Nachfolger aufbauten — Griechenlands Ruinen sind keine musealen Kulissen, sondern lebendige Begegnungsorte mit der Ursprungsgeschichte unserer Gegenwart.
1. Akropolis von Athen, Attika
Kein Monument der westlichen Welt ist so bekannt und trotzdem so überwältigend im Original wie die Akropolis. Der Partenon, errichtet zwischen 447 und 432 v. Chr. auf Befehl des Perikles, nach Entwürfen von Iktinos und Kallikrates unter der Aufsicht von Pheidias, ist das vollkommenste Beispiel des dorischen Tempelbaus. Seine optischen Korrekturen — leicht gebogene Stylobatfläche, verjüngte Säulen — sind bis heute in der Architektur zitiert. Daneben stehen das Erechtheion mit seiner Karyatidenhalle, die Propyläen und der Tempel der Athena Nike. Die Akropolis ist UNESCO-Welterbe seit 1987. Das neue Akropolis-Museum am Hangfuß bewahrt die Originalfriese.
2. Delphi, Phokis
Delphi galt in der Antike als Nabel der Welt — der Omphalos, ein kegelförmiger Stein, markierte den kosmischen Mittelpunkt. Das Orakel der Pythia zog Könige, Strategen und Stadtstaaten an, die hier ihre wichtigsten Entscheidungen absicherten. Die Ausgrabungsstätte am Südhang des Parnass zeigt den Tempel des Apollon, das Theater, das Stadion, den Schatzhaus-Terrassenbereich mit dem Schatzhaus der Athener sowie die Heilige Straße. Das Museum von Delphi besitzt den Wagenlenker von Delphi, eine der bedeutendsten griechischen Bronzeskulpturen. UNESCO-Welterbe seit 1987.
3. Antikes Olympia, Elis
Olympia war kein Stadtgebilde, sondern ein Heiligtum — das Heiligtum des Zeus, dem alle vier Jahre die Panhellenen zu den Olympischen Spielen zusammenkamen. Die Ausgrabungsfelder zeigen den Zeustempel mit den Schachtfundamenten des ältesten bekannten Chryselephantin-Kultbilds, das Heraion (Heratempel), das Philippeion, die Werkstatt des Pheidias und die Palästra. Das Stadion mit seiner originalen Start- und Ziellinie ist zu Fuß erreichbar. Das Museum bewahrt die Skulpturen des Zeustempels und den Hermes des Praxiteles. UNESCO-Welterbe seit 1989.
4. Knossos, Kreta
Der minoische Palastkomplex von Knossos war das administrative und religiöse Zentrum der Ägäis-Hochkultur, die zwischen etwa 2000 und 1450 v. Chr. auf Kreta blühte und deren Einfluss bis nach Ägypten und in die Levante reichte. Arthur Evans, der britische Archäologe, der die Ausgrabungen ab 1900 leitete, ließ erhebliche Teile des Palastes — oft stark interpretativ — rekonstruieren: die sogenannten 'Fresken', roten Säulen und das Throne Room-Ensemble. Diese Rekonstruktionen sind heute umstritten, geben dem Besucher aber eine Vorstellung von der Pracht der Anlage. Das Archäologische Museum Heraklion zeigt die Originalfunde.
5. Mykene, Argolis
Mykene gab einer gesamten Zivilisationsstufe ihren Namen. Zwischen etwa 1600 und 1100 v. Chr. dominierte das mykenische Griechenland die Ägäis, und Mykene war sein mächtigster Ort. Das Löwentor — das berühmte Relieftor mit den zwei Löwen über dem Schlussstein — ist das älteste monumentale Skulpturenwerk des europäischen Kontinents. Dahinter liegen die Ruinen des Palastes, die Schachtgräber des Grabkreises A (aus denen Schliemann die Goldmaske des Agamemnon barg), und unterirdische Kuppelgräber — Tholoi — wie das Schatzhaus des Atreus mit seiner perfekt gemauerten Kuppelkammer. UNESCO-Welterbe seit 1999.
6. Epidaurus, Argolis
Das Heiligtum von Epidaurus war der bedeutendste Kult- und Heilungsort des Asklepios, des Gottes der Medizin, und zog Kranke aus der gesamten griechischen Welt an. Das Theater von Epidaurus, aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., gilt als das akustisch vollkommenste antike Theater: Eine am Orchesterring angeschlagene Münze ist noch auf den obersten Rängen — über 14.000 Plätze — zu hören. Auch heute finden hier im Sommer reguläre Theateraufführungen statt. Neben dem Theater liegen das Tholos-Rundbauwerk, Tempelreste und die Inkubationshallen des Heilungsbetriebs. UNESCO-Welterbe seit 1988.
7. Delos, Kykladen
Delos — eine kleine, heute unbewohnte Insel in der Mitte der Kykladen — war im Altertum eines der bedeutendsten religiösen und kommerziellen Zentren der griechischen Welt: Geburtsort des Apollon und der Artemis laut Mythos, Sitz des Delischen Bundes und im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. der geschäftigste Handelshafen des östlichen Mittelmeerraums. Die Ausgrabungen bedecken fast die gesamte Insel: Apollon-Heiligtum, Terasse der Löwen, ägyptische Götterheiligtümer, luxuriöse Wohnhäuser mit Mosaiken. Delos ist nur per Tagesausflug von Mykonos erreichbar; Übernachtung ist nicht erlaubt. UNESCO-Welterbe seit 1990.
8. Antikes Korinth, Korinthia
Korinth kontrollierte die Landenge zwischen Mittelgriechenland und dem Peloponnes und war eine der reichsten und mächtigsten Städte der antiken Welt. Die Römer zerstörten die Stadt 146 v. Chr. vollständig und gründeten sie 44 v. Chr. neu — was die heutigen Ruinen im Wesentlichen römischen Ursprungs macht, mit Resten griechischer Vorgänger darunter. Der archaische Apollon-Tempel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. mit seinen sieben monolithischen Säulen ist das Beeindruckendste. Das Forum, die Apsis der Glauke-Brunnenanlage und das Theater sind freigelegt. Das Museum zeigt Funde beider Epochen.
9. Vergina — Aigai, Makedonien
Vergina im nordgriechischen Makedonien war Aigai, die erste Hauptstadt des makedonischen Königreichs. Hier wurde Philipp II., der Vater Alexanders des Großen, im Jahr 336 v. Chr. ermordet. Die hier entdeckten Königsgräber — mit vergoldeten Totenmasken, Bronzerüstungen und elfenbeinverzierten Klinen — sind die bedeutendste archäologische Entdeckung Griechenlands des 20. Jahrhunderts, gemacht 1977 von Manolis Andronikos. Das unterirdische Museum bewahrt die Funde in situ; das Grab Philipps II. ist für Besucher zugänglich. UNESCO-Welterbe seit 1996.
10. Akrotiri, Santorin
Akrotiri auf der Insel Thira (Santorin) ist eine minoisch geprägte bronzezeitliche Stadt, die um rund 1620 v. Chr. durch einen der größten Vulkanausbrüche der Erdgeschichte unter Bimsstein begraben wurde — ähnlich wie Pompeii, nur rund 1600 Jahre früher. Die mehrstöckigen Gebäude, Straßen, Wasserversorgungssysteme und die Wandfresken (im Nationalmuseum Athen) sind bemerkenswert gut erhalten. Menschliche Überreste wurden hier kaum gefunden — die Bewohner hatten offenbar Zeit zur Flucht. Eine moderne Überdachungskonstruktion schützt die gesamte Grabungsfläche.
Praktische Hinweise
Die Hauptsaison in Griechenland dauert von April bis Oktober; die Akropolis und Knossos sind ganzjährig geöffnet, werden aber im Juli und August nachmittags sehr heiß. Frühaufsteher werden belohnt — Delphi und Olympia wirken in der Morgenstille vor dem Ansturm der Reisegruppen am eindrücklichsten. Kombinierte Eintrittskarten für die Athener Ausgrabungsstätten sind empfehlenswert. Alle griechischen Stätten auf der Karte entdecken.