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Die Wiederentdeckung von Pompeii

Der 24. August 79 nach Christus

Um die Mittagsstunde des 24. August 79 nach Christus — oder möglicherweise Mitte Oktober, wenn man einem neueren Inschriftenfund Glauben schenkt — kollabierte die Gipfelzone des Vesuvs. In den folgenden zwei Tagen schleuderte der Vulkan eine Eruptionssäule in über 30 Kilometer Höhe, ließ Bimsstein und Asche auf die umliegenden Städte niederprasseln und schickte mehrere pyroklastische Ströme — glühend heiße Gas-Asche-Gemische — die Flanken des Berges hinab. Pompeii, eine blühende mittelitalische Stadt mit vielleicht 11.000 Einwohnern, verschwand unter einer rund vier bis sechs Meter mächtigen Schicht aus Asche und Bimsstein. Herculaneum, am Westfuß des Vesuvs, wurde von einem pyroplastischen Strom überrollt und in einer bis zu zwanzig Meter tiefen Schicht aus verfestigter vulkanischer Masse begraben.

Die Beschreibung des Ausbruchs durch Plinius den Jüngeren, der ihn von Misenum aus beobachtete und in zwei Briefen an Tacitus festhielt, ist das einzige Augenzeugendokument der Antike zu einem Vulkanausbruch. Plinius selbst entkam; sein Onkel, Plinius der Ältere, versuchte mit dem Schiff zu helfen und kam dabei ums Leben.

Vergessen und Wiedergefunden

In den Jahrzehnten nach dem Ausbruch wurden die versunkenen Städte von Überlebenden zumindest teilweise ausgegraben — man folgte den Straßen im Untergrund und zog Wertgegenstände heraus. Dann verlor das kollektive Gedächtnis den genauen Ort. Die Namen Pompeii und Herculaneum tauchen in antiken Quellen auf, aber ihre Lage war im Mittelalter nicht mehr bekannt. Die Gegend oberhalb hieß 'La Civita' — 'die Stadt' — was darauf hindeutet, dass etwas unter dem Boden geahnt wurde, ohne dass man es wusste.

Im Jahr 1709 stießen Brunnenarbeiter in Herculaneum auf marmorverkleidete Wände. Prinz d'Elboeuf, ein österreichischer General, ließ an der Stelle graben und zog Marmorskulpturen heraus, die er nach Wien schickte. Diese Grabungen, völlig unsystematisch und ausschließlich auf Kunstschätze ausgerichtet, beschädigten die Fundstelle erheblich.

Pompeii wurde 1748 entdeckt, als spanisch-neapolitanische Ingenieure auf der Suche nach Baumaterial auf Mauern und Fresken stießen. Unter König Karl VII. (später Karl III. von Spanien) begannen Ausgrabungen, die jedoch weiterhin primär der Bergung von Objekten für das königliche Museum in Portici dienten. Fundzusammenhänge wurden ignoriert, Strukturen abgerissen, wenn sie nichts Verwertbares enthielten.

Die Entstehung einer wissenschaftlichen Methode

Der erste, der in Pompeii ernsthafte methodische Überlegungen anstellte, war der Schweizer Karl Weber, der in den 1750er Jahren die Villa dei Papiri in Herculaneum ergrub. Weber fertigte Grundrisse und hielt die Fundlage der Objekte fest — für die damalige Zeit außergewöhnlich. Doch er blieb die Ausnahme.

Eine grundlegend neue Haltung brachte erst der Archäologe Giuseppe Fiorelli, der ab 1863 die Ausgrabungen leitete. Fiorelli führte das System der 'Regionen und Insulae' ein — eine systematische Nummerierung von Stadtteilen und Häuserblöcken, die bis heute die archäologische Adressierung in Pompeii bestimmt. Vor allem aber entwickelte er die Technik der Gipsabdrücke: Wenn die Ausgräber auf Hohlräume im Aschezement stießen, ließen sie Gips einlaufen — und erhielten Abgüsse von menschlichen Körpern, Tieren, Möbeln und Türen, die in dem Moment konserviert worden waren, als die pyroklastische Masse erstarrte.

Diese Abgüsse sind das emotionalste Element von Pompeii. Der Mann, der seine Hand schützend über sein Gesicht hält; die Familie, die im Keller eines Hauses Schutz gesucht hat; der Hund, der sich in seinen Ketten verfangen hat — sie verwandeln eine archäologische Ausgrabung in eine unmittelbare Begegnung mit dem Tod realer Menschen.

Pompeii als Spiegel der römischen Alltag

Was die Ausgrabungen in Pompeii einzigartig macht, ist nicht die Monumentalität — es gibt größere römische Städte. Es ist die Vollständigkeit und Intimität des erhaltenen Alltags. Hier ist die Bäckerei mit ihren runden Mühlensteinen aus Lavabasalt und den Brotlaiben, die noch im Ofen standen. Dort ist das Garum-Manufaktur, in dem Fischsauce in großen Töpfen hergestellt wurde. Das Thermopolion, eine Art antike Garküche, bietet eine Theke mit eingelassenen Gefäßen für warme Speisen.

Graffiti an den Wänden — Wahlempfehlungen, Liebesgedichte, Beleidigungen, Werbung für Gladiatorenkämpfe — geben Einblicke in das gesellschaftliche Leben, die kein Geschichtsschreiber liefern könnte. Forscher haben Tausende von Inschriften dokumentiert; sie erzählen von einer lebendigen, vielsprachigen Stadt mit scharfen sozialen Unterschieden.

Das Forum, das Amphitheater (das älteste erhaltene steinerne Amphitheater der Welt, aus dem 1. Jahrhundert vor Christus), die Thermen, die Villa dei Misteri mit ihren bis zu zwei Meter hohen Fresken zum dionysischen Mysterienritual — Pompeii ist eine Stadt, in der man sich verlaufen kann.

Schutz und Zerfall

Pompeii wurde 1997 zusammen mit Herculaneum, Oplontis und Stabiae als UNESCO-Welterbe eingetragen. Doch die Stätte kämpft seit Jahrzehnten mit Problemen: Wasserschäden, biologischem Bewuchs, dem Gewicht der Touristen — jährlich über drei Millionen — und einer langen Geschichte unzureichender Investitionen in Erhaltung.

Im Jahr 2010 kollabierte das Haus der Gladiatoren (Schola Armaturarum), ein gut erhaltenes Gebäude, über Nacht — ein Skandal, der zu verstärkter europäischer Förderung führte. Das 'Große Pompeii Projekt', mit EU-Mitteln finanziert, konservierte zwischen 2012 und 2023 Dutzende von Gebäuden und ermöglichte neue Ausgrabungen im nördlichen Teil der Stadt, die noch nicht vollständig ausgegraben war.

Diese neuen Grabungen, unter Leitung des Parco Archeologico di Pompei, haben seit 2017 spektakuläre Funde geliefert: einen fast vollständig erhaltenen Festwagen mit Holzteilen und Textilresten, ein 'Fast Food'-Restaurant mit noch essbaren Rückständen in den Serviergefäßen, und das Skelett eines Pferdes mit reich verziertem Zaumzeug. Pompeii ist noch nicht auserzählt.

Wer die Stätte und ihre Nachbarn — Herculaneum, die Villa dei Papiri, den Vesuv selbst — erkunden möchte, findet auf der Karte eine Orientierung über die Campania-Region und ihre antiken Hinterlassenschaften.