Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen im Vereinigten Königreich
Die britischen Inseln gehören zu den archäologisch reichsten Gebieten Europas. Auf vergleichsweise engem Raum finden sich megalithische Monumente der Jungsteinzeit, Festungsanlagen der Eisenzeit, die beeindruckenden Hinterlassenschaften der römischen Besatzung und die gewaltigen Abteien und Burgen des Mittelalters, die nach der Reformation und den Bürgerkriegen zu Ruinen wurden. Die Landschaft selbst ist hier ein Archiv: Unter walisischem Moor, schottischem Hochland und englischer Kreide liegen Schichten menschlicher Siedlungsgeschichte, die von der Steinzeit bis in die Neuzeit reichen.
1. Stonehenge, Wiltshire
Stonehenge ist das bekannteste megalithische Monument der Welt. Es entstand in Phasen zwischen etwa 3000 und 1500 v. Chr.: Zunächst ein einfacher Kreisgraben, dann ein hölzernes Bauwerk, schließlich das steinerne Monument, das wir heute sehen. Die blauen Steine (Bluestones) wurden aus den Preseli-Hügeln in Wales — rund 250 Kilometer entfernt — herantransportiert; die mächtigen Sarsen-Sandsteinblöcke stammen aus Marlborough Downs, etwa 25 Kilometer entfernt. Die Ausrichtung auf die Sommer- und Wintersonnenwende deutet auf astronomische Nutzung hin, doch der genaue Verwendungszweck bleibt Gegenstand der Forschung. UNESCO-Welterbe seit 1986. Tickets müssen im Voraus online gebucht werden.
2. Hadriansmauer, Nordengland
Die Hadriansmauer erstreckt sich über 117 Kilometer vom Solway Firth im Westen bis Wallsend an der Tyne im Osten und war das nördliche Grenzwerk des römischen Britannien. Erbaut auf Anordnung Kaiser Hadrians ab 122 n. Chr., umfasste sie Meilenkastelle alle römische Meile, Wachttürme dazwischen und größere Kastelle in regelmäßigen Abständen. Das Kastell Vindolanda hat durch noch andauernde Ausgrabungen Tintentäfelchen geliefert — Privatbriefe, Einkaufslisten, militärische Befehle — die einmaligen Einblick in das Alltagsleben an Roms nördlichster Grenze geben. UNESCO-Welterbe seit 1987; der Hadrian's Wall Path ist ein ausgewiesener Fernwanderweg.
3. Avebury, Wiltshire
Avebury ist der größte prähistorische Steinkreis der Welt, gemessen an der Fläche. Der Komplex aus dem späten 3. Jahrtausend v. Chr. umfasst einen Hauptkreis mit ursprünglich rund 100 aufrecht stehenden Sarsen-Steinen, zwei innere Kreise und zuführende Allee-Steinsetzungen. Teile des Dorfes Avebury liegen heute innerhalb des alten Ringgrabens — eine ungewöhnliche Überlagerung von prähistorischer Anlage und lebender Ortschaft. Im Vergleich zu Stonehenge ist Avebury deutlich weniger besucht und bietet direkten, unmittelbaren Zugang zu den Steinen. UNESCO-Welterbe seit 1986 (gemeinsam mit Stonehenge und den umliegenden Stätten).
4. Tintagel, Cornwall
Tintagel auf einer sturmumtosten Steilküste in Cornwall ist durch die Artus-Legende berühmt, auch wenn der historische Bezug zum König Artus nicht belegt ist. Was archäologisch gesichert ist: Eine eisenzeitliche Siedlung, dann im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. eine bedeutende Post-römische Gemeinschaft, die Importwaren aus dem Mittelmeerraum erhielt, und später eine normannische Burg aus dem 13. Jahrhundert, deren Überreste heute die Felszunge krönen. Ausgrabungen der 1990er Jahre fanden Inschriftensteine und Belege für internationalen Handel. English Heritage betreibt die Stätte; der Zugang erfolgt über einen 2019 eröffneten Brückensteg.
5. Fountains Abbey, North Yorkshire
Fountains Abbey, gegründet 1132 von einer Gruppe benediktinischer Mönche, die sich der strengeren Zisterzienser-Regel anschlossen, wurde nach der Auflösung der Klöster unter Heinrich VIII. im Jahr 1539 aufgegeben. Was bleibt, sind die mächtigen Überreste des Kirchenschiffs, des Querschiffs, des Turms und der ausgedehnten Wirtschaftsgebäude — alles in einem Tal der Skell gelegen, das im 18. Jahrhundert in die malerischen Studley Royal Water Gardens integriert wurde. Der Kontrast zwischen den grauen Ruinenmauern und den barocken Kanalgärten ist denkwürdig schön. UNESCO-Welterbe seit 1986. National Trust-Mitglieder haben freien Zutritt.
6. Whitby Abbey, North Yorkshire
Whitby Abbey steht auf einem Kliff über der Hafenstadt Whitby und ist in ihrer Silhouette eine der dramatischsten Klosterruinen Englands. Gegründet um 657 n. Chr. von Oswy, König von Northumbria, war die ursprüngliche angelsächsische Doppelgemeinde (für Männer und Frauen) der Schauplatz der Synode von Whitby 664 n. Chr., die die Berechnung des Osterdatums in der englischen Kirche festlegte. Die heutigen Ruinen stammen vom normannischen und frühenglischen Neubau des 13. Jahrhunderts und wurden bei einem deutschen Marinebeschuss 1914 erneut beschädigt. English Heritage-Eintrittskarte. Das nahe Bram-Stoker-Museum erinnert an den Roman-Hintergrund.
7. Römische Bäder, Bath
Die Römischen Bäder (Roman Baths) in Bath sind das am besten erhaltene Beispiel einer römischen Badeanlage in Nordeuropa. Die Stätte entwickelte sich um eine heiße Quelle, die die Römer der Göttin Sulis Minerva weihten und Aquae Sulis nannten. Das Heiligtum und die Badekomplexe wurden ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. erbaut und im Laufe der folgenden Jahrhunderte ständig erweitert. Das grüne, mineralreiche Wasser der Hauptbäder ist noch heute heiß. Die georgianische Kursaal-Architektur der Stadt Bath umrahmt die Anlage; das Museum zeigt Votivobjekte und die vergoldete Bronzestatue der Göttin. UNESCO-Welterbe (als Teil der Stadt Bath) seit 1987.
8. Skara Brae, Orkney (Schottland)
Skara Brae auf den Orkney-Inseln ist die besterhaltene jungsteinzeitliche Dorfsiedlung Nordeuropas. Die acht miteinander verbundenen Steinhütten wurden zwischen etwa 3180 und 2500 v. Chr. bewohnt und durch eine Sanddüne konserviert, die sie erst 1850 nach einem Sturm freigab. In manchen Häusern sind steinerne Regale, Betten und Herdfeuerstellen noch an Ort und Stelle. Die Parallelen zur Anlage von Stonehenge — beide entstanden im gleichen Zeitraum — geben Anlass für faszinierende Spekulationen über prähistorische Verbindungen innerhalb Britanniens. UNESCO-Welterbe seit 1999 (Herz von Neolithik-Orkney). Fähre von Scrabster oder Flugzeug nach Kirkwall.
9. Chysauster Ancient Village, Cornwall
Chysauster ist eine eisenzeitliche Dorfsiedlung aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. im westlichen Cornwall und eine der am besten erhaltenen prähistorischen Siedlungen Englands. Die Häuser folgen einem ungewöhnlichen ovalen Grundriss mit einem offenen Innenhof, um den Wohn- und Wirtschaftsräume angeordnet sind — ein Haustyp, der fast nur in West-Cornwall vorkommt. Gärten und Felder in der Umgebung lassen sich aus der Luft als Muster von Feldgrenzen (field systems) erkennen. Der Komplex liegt unweit von Penzance und ist bei English Heritage registriert.
10. Caerleon, Wales
Caerleon (das römische Isca Augusta) war ab etwa 75 n. Chr. Standlager der Legio II Augusta und zählt zu den am besten erhaltenen Legionslagern Nordwesteuropas. Das Amphitheater ist nahezu vollständig ausgegraben und bot rund 6.000 Zuschauern Platz — viele Male die Größe der stationierten Legion. Teile der Garnisonsthermen und Barackenblöcke sind ebenfalls freigelegt. Im nahe gelegenen Nationalen Römermuseum Wales werden Funde aus zwei Jahrhunderten Ausgrabungsgeschichte präsentiert. Caerleon liegt unmittelbar neben der Stadt Newport und ist per Zug und Bus gut erreichbar.
Das Vereinigte Königreich bietet eine außergewöhnliche Dichte archäologischer Stätten auf vergleichsweise kurzem Reiseweg. Die meisten Stätten von English Heritage und Historic Environment Scotland sind das ganze Jahr zugänglich; Öffnungszeiten können in den Wintermonaten kürzer sein. Viele UNESCO-Stätten liegen an ausgeschilderten Wanderwegen. Die vollständige Übersicht über Standorte im Land finden Sie auf der interaktiven Karte: Karte öffnen.