Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in den Vereinigten Staaten
Nordamerika wird im archäologischen Kontext oft unterschätzt, doch die indigenen Kulturen, die das heutige Gebiet der Vereinigten Staaten bewohnten, hinterließen faszinierende und technisch beeindruckende Bauwerke. Die Ancestral Puebloans des Südwestens bauten mehrstöckige Klippenwohnungen und riesige Zeremonialzentren in Sandsteinplateaus. Die Mississippian-Kulturen errichteten ausgedehnte Erdhügelkomplexe im Mittleren Westen. Weiter im Südwesten deutet ein dichtes Netz von Straßen und Handelsrouten auf ein koordiniertes politisches System hin, das weit über einzelne Siedlungen hinausging.
1. Mesa Verde, Colorado
Mesa Verde ist der Name eines Hochplateaus im Südwesten Colorados, das die bekanntesten Klippenwohnungen der Ancestral Puebloans beherbergt. Cliff Palace — mit mehr als 150 Räumen und 23 Kivas die größte Klippenwohnung Nordamerikas — wurde im späten 13. Jahrhundert n. Chr. errichtet und ist durch seine tiefen Alcoven im Sandsteinfels auf dramatische Weise vor Wind und Regen geschützt. Die Siedler verließen Mesa Verde um 1300 n. Chr., wahrscheinlich aufgrund einer anhaltenden Dürre. Mesa Verde ist seit 1978 UNESCO-Welterbe und liegt im gleichnamigen Nationalpark; geführte Touren zur Cliff Palace sind buchungspflichtig.
2. Chaco Canyon, New Mexico
Chaco Canyon war zwischen etwa 850 und 1150 n. Chr. das kulturelle und religiöse Zentrum der Ancestral Puebloans. Die sogenannten Great Houses — darunter Pueblo Bonito mit über 600 Räumen und bis zu vier Stockwerken — sind aus sorgsam behauenem Sandstein gebaut, mit geometrischer Präzision und auf astronomische Ereignisse ausgerichtet. Ein Straßennetz aus geraden, gepflasterten Wegen verband Chaco mit Satellitenstätten über mehr als 500 Kilometer. UNESCO-Welterbe seit 1987. Die Stätte liegt abgelegen in New Mexico; für astronomische Beobachtungen ist der Park auch als Dark-Sky-Zone ausgewiesen.
3. Cahokia, Illinois
Cahokia liegt in der Nähe des heutigen East St. Louis und war zwischen etwa 1050 und 1350 n. Chr. die größte präkolumbische Siedlung nördlich von Mexiko — Schätzungen gehen von 10.000 bis 20.000 Einwohnern auf dem Höhepunkt aus. Das Zentrum bildet Monks Mound, die größte Erdpyramide in Amerika nördlich von Mexiko, mit einer Grundfläche, die die von Gizeh übertrifft. Um diesen Haupthügel gruppierten sich Dutzende weiterer Hügel, Plätze und Palisaden. Die Mississippian-Kultur, die Cahokia schuf, beherrschte weite Teile des östlichen Nordamerika. UNESCO-Welterbe seit 1982. Eintritt zum Illinois Historic Preservation Agency Visitor Center ist kostenfrei.
4. Bandelier, New Mexico
Bandelier im Jemez-Gebirge New Mexicos bewahrt die Überreste einer Gemeinschaft der Ancestral Puebloans, die zwischen etwa 1150 und 1550 n. Chr. in und an den Tuffsteinfelsen des Frijoles Canyon lebte. In den weichen Tuffstein wurden Wohnhöhlen gegraben — Petroglyphen und Stufenspuren zeugen von der intensiven Nutzung. Die freistehenden Steinhäuser am Talboden, Tyuonyi genannt, umschlossen einen zentralen Platz und enthielten schätzungsweise 400 Räume. Die Stätte gehört zum Bandelier National Monument; Besucherzahlen sind in der Sommerhochsaison durch Shuttlebusse reguliert.
5. Montezuma Castle, Arizona
Montezuma Castle im Verde Valley ist eine der am besten erhaltenen Kliffwohnungen der Vereinigten Staaten. Die missverständliche Benennung nach dem aztekischen Herrscher stammt aus dem 19. Jahrhundert und hat historisch keinen Bezug zur Stätte — errichtet wurde sie von den Sinagua, einem Volk der südwestlichen Übergangszone, zwischen etwa 1100 und 1425 n. Chr. Das fünfstöckige Gebäude mit zwanzig Räumen lehnt sich in eine natürliche Kalksteinöffnung 27 Meter über dem Waldboden. Zugang zum Inneren ist nicht gestattet; ein Pfad führt am Fuß der Klippe vorbei. Nationaldenkmal unter dem National Park Service.
6. Hovenweep, Utah/Colorado
Hovenweep erstreckt sich entlang der Grenze zwischen Utah und Colorado und umfasst mehrere Klustergruppenruinen mit charakteristischen Rundtürmen, Quadrattürmen und D-förmigen Bauten auf Felsspornen und in Talschluchten. Die Ancestral Puebloans nutzten die Türme zwischen etwa 1200 und 1300 n. Chr.; ihre genaue Funktion — Vorratsspeicher, Beobachtungsposten, Zeremonialräume oder astronomische Messinstrumente — ist noch nicht abschließend geklärt. Einige Türme sind auf die Sonnenwenden ausgerichtet. Die abgeschiedene Lage abseits der großen Touristenrouten macht Hovenweep zu einem der ruhigsten archäologischen Besuchsziele des amerikanischen Südwestens.
7. Wupatki, Arizona
Wupatki liegt nördlich von Flagstaff inmitten einer kargen, windgepeitschten Landschaft aus rotem Sandstein und schwarzer Vulkanasche. Die gleichnamige Ruine ist mit über 100 Räumen die größte freistehende Pueblo-Anlage der Region und wurde im frühen 12. Jahrhundert n. Chr. von Sinagua-Nachfolgekulturen erbaut, die nach dem Ausbruch des Sunset Crater Volcano um 1085 n. Chr. die fruchtbareren Ascheböden besiedelten. Ein Ballspielfeld und eine kreisförmige Amphitheater-Anlage deuten auf weitreichende Handelskontakte mit Mesoamerika hin. Nationaldenkmal; der Besucherweg führt durch mehrere Ruinenkomplexe.
8. Canyon de Chelly, Arizona
Canyon de Chelly im Navajo-Territorium in Arizona enthält eine außerordentliche Dichte an Überresten — von 4.000 Jahre alten Felsmalereien über Anasazi-Kliffwohnungen aus dem 11. bis 13. Jahrhundert n. Chr. bis zu Hogan-Gebäuden der Navajo-Gegenwart. White House Ruin ist die bekannteste Kliffwohnung und ist über einen steilen Selbstführungspfad erreichbar; alle anderen Bereiche des Canyons dürfen nur mit Navajo-Führern betreten werden. Die hohe rote Sandsteinschlucht verleiht den Ruinen einen dramatischen Rahmen. Canyon de Chelly ist ein Nationaldenkmal und liegt auf Stammesland; Respekt gegenüber den lebenden Bewohnern ist Pflicht.
9. Poverty Point, Louisiana
Poverty Point im Nordosten Louisianas ist eine der ältesten und ungewöhnlichsten archäologischen Stätten Nordamerikas. Zwischen etwa 1700 und 1100 v. Chr. errichtete eine noch nicht vollständig verstandene Kultur ohne Keramik oder Landwirtschaft ein riesiges Ensemble aus konzentrischen halbkreisförmigen Erdrücken, Plattformen und dem Bird Mound — einer Erdpyramide, die etwa 23 Meter hoch und 200 Meter breit ist. Dass dieses monumentale Bauprogramm von einer überwiegend jagd- und sammlungsbasierten Gesellschaft durchgeführt wurde, widerlegt frühere Annahmen über die Voraussetzungen megalithischen Bauens. UNESCO-Welterbe seit 2014.
10. Aztec Ruins, New Mexico
Trotz des Namens haben die Aztec Ruins im nördlichen New Mexico nichts mit den Azteken Mesoamerikas zu tun — benannt wurden sie von Siedlern des 19. Jahrhunderts, die die Herkunft der Anlage falsch einschätzten. Die Ruinen stammen von Ancestral Puebloans und entstanden zwischen etwa 1100 und 1300 n. Chr. Die West Ruin ist die größte und besterhaltene, mit einem vollständig rekonstruierten Great Kiva — einem unterirdischen Zeremonialraum von 14 Metern Durchmesser — der als einziger dieser Art in Nordamerika vollständig restauriert wurde. Nationaldenkmal; das Besucherzentrum liegt direkt am Stätten-eingang.
Die archäologischen Stätten der Vereinigten Staaten liegen vorwiegend im Südwesten und Mittleren Westen und sind am besten per Mietwagen erschlossen, da öffentliche Verkehrsverbindungen oft fehlen. National-Park-Jahreskarten (America the Beautiful) bieten kostenlosen Eintritt in alle Federal-Stätten und rentieren sich bei mehreren Besuchen. Frühling und Herbst sind die beste Reisezeit für den Südwesten; Sommerhitze über 40 Grad und Wintereis können den Besuch einschränken. Alle Standorte sind auf der interaktiven Karte eingetragen: Karte öffnen.