Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Syrien
Syrien liegt im Herzen des Fruchtbaren Halbmonds, und seine Geschichte ist die Geschichte der ältesten Städte der Menschheit. Hier entwickelten sich im 4. und 3. Jahrtausend v. Chr. einige der frühesten Stadtstaaten der Welt; hier verlief die zentrale Route des Fernhandels zwischen Mesopotamien und dem Mittelmeerraum; hier herrschten Assyrer, Babylonier, Perser, Alexander der Große, die Seleukiden, die Römer, die Byzantiner und schließlich die arabisch-islamischen Dynastien. Das Resultat ist eine archäologische Dichte, die mit keiner anderen Region der Welt verglichen werden kann. Viele Stätten haben durch den Bürgerkrieg seit 2011 schwere Schäden erlitten; Palmyra und andere wurden gezielt zerstört. Was geblieben ist, trägt eine zusätzliche historische Schicht aus Verlust und Resilienz.
1. Palmyra (Tadmur), Homs-Gouvernement
Palmyra war eine der grandiosesten Städte der antiken Welt – eine Karawanenmetropole in der syrischen Wüste, die im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. zu einem Machtzentrum mit eigenem Königreich unter Königin Zenobia wurde. Die kolossale Kolonnadenstraße, der Tempel des Bel, das Baalshamin-Heiligtum, das Theater, die Nekropole mit Turmbräbern – alles zusammen bildete ein Ensemble, das zu den eindrucksvollsten des Nahen Ostens gehörte. Der Islamische Staat ließ 2015 den Tempel des Bel und des Baalshamin sprengen und richtete schwere Schäden an. Teile der Kolonnaden und das Amphitheater stehen noch; Restaurierungsarbeiten laufen. Palmyra bleibt ein Ort von welthistorischer Bedeutung, der trotz der Zerstörungen besucht werden kann.
2. Apamea, Hama-Gouvernement
Apamea am Orontes war eine der größten Städte des Seleukidenreichs und eine bedeutende Stadt der römischen Provinz Syria. Die Kolonnadenstraße von Apamea – der Cardo Maximus – ist mit fast 2 Kilometern Länge und 37 Meter Breite eine der breitesten und längsten der antiken Welt. Gestufte Säulensockel mit Inschriften, Nischen für Götterstatuen und ein Tetrapylon strukturierten die monumentale Achse. Das byzantinische Atrium-Mosaik aus dem 5. Jahrhundert n. Chr., das eine der frühesten Darstellungen von Jagdszenen in Großformat enthielt, wurde im Bürgerkrieg geraubt. Das moderne Dorf Qal'at al-Madiq liegt auf der Akropolis; der Zugang ist möglich.
3. Bosra, Dar'a-Gouvernement
Bosra im Hauran war die Hauptstadt der Provinz Arabia Petraea und ein bedeutender Knotenpunkt auf der Pilgerroute nach Mekka. Das römische Theater von Bosra gehört zu den besterhaltenen Theatern der Antike: ein vollständiger Zuschauerbau mit einer gut erhaltenen Bühnenfront, in einem mittelalterlichen Kastell eingeschlossen, das es jahrhundertelang vor Steinraub schützte. Das Ensemble ist UNESCO-Welterbe. Darüber hinaus besitzt Bosra ein frühchristliches Kathedralgebäude (Kathedral-Basilika von Bosra, 6. Jahrhundert), eine Moschee aus der Frühzeit des Islam und ausgedehnte Basaltbauwerke, die der schwarzen Vulkanlandschaft des Hauran entspringen. Die Stätte hat den Bürgerkrieg relativ gut überstanden.
4. Krak des Chevaliers, Homs-Gouvernement
Krak des Chevaliers gilt als besterhaltene Kreuzfahrerburg der Welt. Die Johanniterburg auf einem Bergsporn über dem Horns Gap wurde im 12. und 13. Jahrhundert ausgebaut und war für die Kreuzfahrer ein strategisch unverzichtbarer Kontrolpunkt der Verbindung zwischen dem Mittelmeer und dem syrischen Hinterland. Die doppelte Mauerring-Architektur, die Kapelle, die gotischen Innenräume und die Wasservorräte machten die Burg nahezu uneinnehmbar. Saladin griff sie 1188 an – ohne Erfolg. UNESCO-Welterbe. Im Bürgerkrieg wurde die Burg beschädigt; Restaurierungsarbeiten sind im Gange. Der Blick vom Gipfel über die syrischen Ebenen ist unvergesslich.
5. Ugarit (Ras Shamra), Latakia-Gouvernement
Ugarit auf einem Hügel nahe der Mittelmeerküste war zwischen etwa 1450 und 1185 v. Chr. eine der bedeutendsten Hafenstädte der Bronzezeit und der Knotenpunkt internationaler Handelsnetzwerke, die Zypern, Ägypten, die Ägäis und Mesopotamien verbanden. Die Ausgrabungen seit 1929 haben Paläste, Tempel, Wohnhäuser und – am folgenreichsten – Tontafeln in der Ugaritischen Schrift freigelegt: dem ältesten belegten alphabetischen Schriftsystem der Welt, mit 30 keilschriftartigen Zeichen. Ugarit verschwand abrupt um 1185 v. Chr., vermutlich durch die Seevölker; ein letzter Brief bat um Hilfe und wurde nie gesendet. Einer der eindringlichsten Momente, die die Archäologie je festgehalten hat.
6. Dura-Europos, Deir ez-Zor-Gouvernement
Dura-Europos am mittleren Euphrat war eine Grenzfestung, die unter seleukidischer, parthischer und schließlich römischer Kontrolle stand, bevor die Sassaniden sie 256–257 n. Chr. nach einer Belagerung einnahmen und verließen. Die Konservierung unter Wüstensand war außergewöhnlich: Wandmalereien in der frühchristlichen Hauskirche, in der jüdischen Synagoge (mit biblischen Szenen, den ältesten ihrer Art) und in einem Mithräum wurden perfekt erhalten. Die Synagoge von Dura-Europos gehört zu den bedeutendsten Befunden der Religionsgeschichte des 3. Jahrhunderts n. Chr. Viele der Fresken befinden sich heute im Nationalmuseum Damaskus; die Stätte selbst wurde während des Bürgerkriegs massiv durch illegale Grabungen geschädigt.
7. Ebla (Tell Mardikh), Idlib-Gouvernement
Ebla war eines der mächtigsten Stadtstaaten der frühen Bronzezeit auf der syrischen Hochebene und beherrschte um 2400–2300 v. Chr. ein Netzwerk von Handels- und Tributbeziehungen. Die 1974 entdeckten Tontafelarchive – über 17.000 Tafeln in sumerischer und einer eigenen Schrift (Eblaïtisch) – revolutionierten das Wissen über die Welt des 3. Jahrtausends v. Chr. Die Ausgrabungen des Italienischen Archäologischen Instituts legten Paläste, Tempel und Stadtmauern frei. Ebla ist für einen archäologischen Laien wenig spektakulär – ein großer Tell ohne aufragende Bauwerke – aber von immenser wissenschaftlicher Bedeutung. Die Stätte liegt in einer Region, die während des Bürgerkriegs stark umkämpft war.
8. Mari (Tell Hariri), Deir ez-Zor-Gouvernement
Mari am mittleren Euphrat war eine der reichsten Stadtstaaten des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. und Knotenpunkt des Fernhandels zwischen Mesopotamien und dem Mittelmeer. Die Ausgrabungen des Franzosen André Parrot seit 1933 legten einen Königspalast mit über 300 Räumen und etwa 25.000 Keilschrifttafeln frei – ein Archiv, das das internationale Diplomatensystem der altorientalischen Welt detailliert dokumentiert. Mari wurde um 1759 v. Chr. von Hammurabi von Babylon zerstört. Der Ausgrabungshügel ist wenig anschaulich; der Inhalt der Archive war bahnbrechend für die altorientalische Forschung.
9. Cyrrhus (Nebi Huri), Aleppo-Gouvernement
Cyrrhus, gegründet von Seleukos I. um 300 v. Chr., war eine bedeutende Garnisonstadt im Norden Syriens und besaß in byzantinischer Zeit ein bekanntes Pilgerzentrum um das Grab des Heiligen Simeon Stylites den Jüngeren. Die erhaltenen Reste umfassen ein gut erhaltenes Theater, Reste von Stadtmauern und zwei Mausoleen aus der Römerzeit, die auf einem Hügel über der Ebene stehen. Cyrrhus ist wenig besucht und schwer zugänglich, bietet aber authentische Stille. Das nahe gelegene Qal'at Najm, eine arabische Burg am Euphrat, kann den Besuch der Region sinnvoll ergänzen.
10. Tell Brak, Hasakah-Gouvernement
Tell Brak im nordöstlichen Syrien, an der Khabur-Ebene gelegen, ist eine der archäologisch bedeutsamsten Stätten des gesamten Nahen Ostens: eine Besiedlung, die von etwa 6000 v. Chr. bis in islamische Zeit reicht und damit zu den langlebigsten Stadtstandorten der Menschheitsgeschichte gehört. Besonders bedeutend ist der 'Auge-Tempel' aus dem späten 4. Jahrtausend v. Chr. – ein früher Tempelkomplex, der tausende von stilisierten Augen-Idolen enthielt. Tell Brak ist archäologisch von welthistorischer Bedeutung für das Verständnis der frühstädtischen Gesellschaften des 4. Jahrtausends; touristisch ist er kaum erschlossen. Die Region ist seit 2011 von Konflikten betroffen.
Praktische Hinweise
Syrien ist derzeit für unabhängige internationale Reisende aufgrund des anhaltenden Konflikts und der politischen Instabilität weitgehend unzugänglich. Reisende, die Interesse an syrischen Stätten haben, sollten aktuelle Sicherheitshinweise und Reisewarnungen konsultieren. In ruhigeren Zeiten war Syrien über Damaskus erreichbar; die meisten Stätten im Norden und Osten des Landes erforderten eigene Fahrzeuge. Das syrische Kulturerbe hat durch den Bürgerkrieg und systematische Plünderungen schwere, teils irreversible Verluste erlitten – eine Tragödie für die Menschheitsgeschichte. Verfügbare Stätten sind auf der Karte eingetragen – Karte öffnen.