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Die Terrakotta-Armee

Eine Entdeckung unter dem Boden

Im März 1974 bohrten Bauern in der Nähe des Dorfes Xiyang, rund 35 Kilometer östlich von Xi'an in der Provinz Shaanxi, einen Brunnen. In etwa fünf Meter Tiefe stießen sie auf Scherben aus gebranntem Ton, dann auf Bronzepfeile und schließlich auf ein lebensgroßes menschliches Gesicht aus Keramik. Sie hatten das Grab des ersten Kaisers von China angebohrt.

Was folgte, war einer der spektakulärsten Funde der Archäologiegeschichte des 20. Jahrhunderts. In drei Gruben, die im Lauf der folgenden Jahrzehnte freigelegt wurden, fanden sich über 8.000 lebensgroße Terrakotta-Krieger, dazu rund 130 Streitwagen mit 520 Pferden sowie 150 Kavalleristenpferde — allesamt aus Ton, allesamt ursprünglich mit Mineralfarben bemalt, allesamt als Armee für das Jenseits des Kaisers Qin Shi Huang aufgestellt.

Der erste Kaiser und sein Reich

Qin Shi Huang, geboren 259 vor Christus, war König des Staates Qin und vereinte zwischen 230 und 221 vor Christus die sechs rivalisierenden chinesischen Königreiche durch Krieg und Diplomatie unter seiner Herrschaft. Er nannte sich 'Huangdi' — Kaiser — und kombinierte damit zwei Titel, die bisher nur für mythische Herrscher vergeben wurden. Er schuf eine zentralisierte Bürokratie, standardisierte Maße, Gewichte, Schrift und Währung über ganz China, begann den Bau der Großen Mauer und verband sein Reich durch ein Straßennetz.

Sein Reich überlebte ihn nur um wenige Jahre — nach seinem Tod 210 vor Christus brach es in der Rebellion zusammen. Doch die Staatsstruktur, die er geschaffen hatte, blieb prägend für alle nachfolgenden chinesischen Dynastien. In gewissem Sinne ist das China, das wir heute kennen, ein politisches Erbe der Qin-Vereinigung.

Die Anlage des Grabkomplexes

Der Mausoleumshügel des Qin Shi Huang ist mit rund 250.000 Quadratmetern einer der größten Grabkomplexe der Welt und liegt rund 1,5 Kilometer westlich der Terrakotta-Gruben. Nach historischen Berichten, insbesondere dem des Historikers Sima Qian, der rund hundert Jahre nach dem Tod des Kaisers schrieb, soll die Grabkammer im Inneren ein miniaturhaftes Modell des Reiches enthalten: Flüsse und Meere aus fließendem Quecksilber, ein Himmelszelt aus Edelsteinen, automatische Armbrüste zum Schutz vor Eindringlingen.

Der Hügel selbst ist nie geöffnet worden. Bodenproben aus den 1980er und 1990er Jahren zeigten erhöhte Quecksilberkonzentrationen in der Erde — was Sima Qians Bericht ein gewisses Gewicht gibt. Die chinesischen Behörden haben entschieden, die Grabkammer vorerst nicht zu öffnen, solange die Konservierungstechnologie nicht ausreichend entwickelt ist, um die vermuteten organischen Materialien zu erhalten. Was also unter dem Hügel liegt, bleibt das letzte große Rätsel.

Die Krieger im Detail

Die Terrakotta-Krieger sind kein Massenprodukt aus identischen Formen. Jede Figur hat ein individuelles Gesicht — ob dies tatsächliche Porträts realer Soldaten sind, ist wissenschaftlich umstritten, aber die Variationsbreite in Gesichtsform, Frisur, Barttracht und Ausrüstung ist bemerkenswert. Die Figuren wurden in Teilen fabriziert — Rümpfe, Köpfe, Arme und Beine getrennt gefertigt und dann zusammengesetzt — und von verschiedenen Töpferwerkstätten hergestellt, die ihre Stempel in den Ton ritzten.

Die Figuren standen nicht chaotisch, sondern in militärischer Formation: Infanteristen in Reihen, Kavallerie mit Pferden, Bogenschützen in Kniehaltung. In der vordersten Linie stand die Vorhut ohne Rüstung, dahinter schwer bewaffnete Fußsoldaten, an den Flanken die Kavallerie. Die Formation entspricht den militärischen Beschreibungen der Qin-Armee in historischen Texten.

Die Bronzewaffen, die die Figuren einst hielten — Schwerter, Lanzen, Armbrüste — wurden den Soldaten in der Antike fast vollständig gestohlen. Einige erhaltene Bronzeschwerter zeigen eine metallurgische Raffinesse, die Forscher überraschte: eine chromhaltige Schutzschicht auf der Klinge, die Korrosion über mehr als zwei Jahrtausende verhinderte.

Farbe und Vergänglichkeit

In dem Moment, in dem die Terrakotta-Figuren ausgegraben werden und Luft bekommen, beginnen sie ihre Farbe zu verlieren. Die Mineralfarben — Azurit-Blau, Malachitgrün, Zinnobertrot, Weißblei — haften an einer organischen Grundierungsschicht, die auf dem bemalten Ton aufgetragen wurde. Wenn diese Schicht trocknet, blättert sie ab und nimmt die Pigmente mit.

In den ersten Jahrzehnten nach der Entdeckung ging das meiste dieser polychromen Bemalung verloren, bevor geeignete Konservierungsmaßnahmen entwickelt wurden. Heute werden neue Abschnitte erst freigelegt, wenn Methoden bereitstehen, die Farbschicht zu stabilisieren. Einige neuere Funde zeigen noch gut erhaltene Farbreste — Krieger mit roten Gesichtern, grünen Rüstungen, schwarzen Schuhen.

Die Gruben und ihre Bedeutung

Grube 1, die größte, ist rund 230 Meter lang und 62 Meter breit und enthält schätzungsweise 6.000 Figuren, von denen rund 2.000 ausgegraben sind. Sie ist heute überdacht und als Museum zugänglich. Grube 2 enthält gemischte Einheiten — Infanterie, Kavallerie und Streitwagen — und gilt als militärisch komplexer. Grube 3, die kleinste, enthält rund 68 Figuren in einer Anordnung, die als Hauptquartier mit Kommandanten interpretiert wird. Eine vierte Grube wurde gefunden, blieb aber leer — möglicherweise starb der Kaiser, bevor sie fertiggestellt werden konnte.

Das Museum Mausoleum der Ersten Qin-Kaiser ist seit 1987 UNESCO-Welterbe und empfängt jährlich mehrere Millionen Besucher. Die laufenden Ausgrabungen, koordiniert vom Shaanxi Provincial Institute of Archaeology, liefern regelmäßig neue Funde. Zuletzt wurden in einem Seitenarm der Grabanlage Knochen von exotischen Tieren gefunden — möglicherweise ein Teil eines Zoos, der dem Kaiser im Jenseits dienen sollte.

Wer die Terrakotta-Armee und weitere Stätten der chinesischen Altertumskunde erkunden möchte, findet auf der Karte einen Überblick über die archäologischen Fundorte Chinas — von Jiaohe bis zur Großen Mauer und den Grabkomplexen der Han-Periode.