Die Plünderung von Altertümern
Schaufel und Schwarzmarkt
Jeden Tag, an dem ein archäologischer Befund ungestört im Boden liegt, bietet er der Wissenschaft Informationen über die Vergangenheit. Jeden Tag, an dem Raubgräber ihn mit Spaten und Metallsuchgeräten durchwühlen, verschwindet dieser Informationsgehalt unwiederbringlich. Was bleibt, sind dekontextualisierte Objekte ohne Fundgeschichte — schön vielleicht, aber für die Archäologie weitgehend wertlos.
Der illegale Antikenhandel ist ein globales Phänomen mit langen Wurzeln. Er reicht von peruanischen Huaqueros — lokalen Grabräubern, die präkolumbianische Gräber plündern — bis zu organisierten Netzwerken, die ägyptische Papyri, antike Münzen und griechische Vasen durch eine Kette von Zwischenhändlern in die Verkaufsräume europäischer und amerikanischer Auktionshäuser schleusen. Am Ende des Weges sitzt ein Sammler, der oft gar keine Fragen nach der Herkunft stellt — oder dessen Fragen mit gefälschten Provenienzpapieren beantwortet werden.
Wie die Kette funktioniert
Raubgrabungen finden typischerweise in Ländern statt, die entweder schwache staatliche Kontrolle über ihr archäologisches Erbe haben, sich in Konflikten befinden oder beides. Italien, Griechenland und die Türkei haben alle jahrzehntelange Erfahrung mit organisierten Grabräubern; Ägypten, Peru, Mexiko und Kambodscha sind ebenfalls stark betroffen. In Kriegsgebieten wie dem Irak nach 2003 oder Syrien während des Bürgerkriegs wurden Fundstellen mit Baggern systematisch ausgehoben — teilweise durch bewaffnete Gruppen, die den Verkauf von Altertümern als Einnahmequelle nutzten.
Die geborgenen Objekte wandern über lokale Händler in Transitländer — die Türkei, die Schweiz oder die Vereinigten Arabischen Emirate spielten historisch wichtige Rollen — bevor sie in Westeuropa oder Nordamerika auftauchen. Die Schweiz war bis in die 1990er Jahre besonders attraktiv, weil sie kein Importkontrollgesetz für Kulturgüter kannte und Zollfreilager in Genf und Zürich als diskrete Zwischenlager nutzbar waren.
Auf dem Weg verlieren die Objekte ihre Herkunftsgeschichte und gewinnen eine neue: gefälschte Dokumente, erfundene Familiensammlungen, frei erfundene Exportlizenzen. Die Erschaffung einer 'sauberen' Provenienz ist selbst ein Handwerk.
Der Fall der Euphronios-Krater
Im Jahr 1972 kaufte das Metropolitan Museum of Art in New York einen attischen Krater — ein Mischgefäß für Wein und Wasser — aus der Werkstatt des Töpfers Euxitheos und des Malers Euphronios, der um 515 vor Christus gearbeitet hatte. Das Stück war von außergewöhnlicher Qualität; es zeigte den Tod des Sarpedon aus der Ilias in einer Darstellung, die zu den Meisterwerken der griechischen Vasenmalerei gilt. Das Museum zahlte angeblich rund eine Million Dollar — damals ein Rekordpreis.
Woher der Krater kam, war dem Museum bekannt oder hätte bekannt sein müssen: Er stammte aus einer Raubgrabung in der etruskischen Nekropole von Cerveteri in Mittelitalien. Jahrzehntelange Untersuchungen der italienischen Carabinieri, die sich auf Kulturgüterschutz spezialisiert haben ('Comando TPC'), führten dazu, dass das Met 2008 die Vase an Italien zurückgab — gemeinsam mit zwanzig weiteren Objekten, deren illegale Herkunft nachgewiesen wurde.
Der Euphronios-Krater ist heute im Nationalmuseum von Cerveteri ausgestellt. Sein Fall löste eine weit über das Met hinausgehende Debatte aus, die mehrere große Museen zu Rückgaben zwang.
Die UNESCO-Konvention und ihre Grenzen
Das wichtigste internationale Rechtsinstrument im Kampf gegen den illegalen Antikenhandel ist die UNESCO-Konvention von 1970, die den Import und Export von Kulturgütern regelt, die nach dem 1. Januar 1970 ihrem Herkunftsland illegal entzogen wurden. Die Konvention setzte ein Datum und einen Standard: Was vor 1970 legal exportiert worden war, galt als 'alt'; was danach den Weg über illegale Kanäle genommen hatte, war rückgabepflichtig.
Das Problem liegt in der Praxis. Die Konvention ist nur so stark wie die nationale Gesetzgebung, die sie umsetzt. Manche Länder haben sie gar nicht ratifiziert, andere nur halbherzig. Die Definition von 'Herkunftsland' ist bei manchen Objekten — etwa römischen Münzen, die in der Antike über das gesamte Reich verbreitet waren — alles andere als eindeutig. Und gefälschte Provenienzpapiere, die eine Herkunft vor 1970 vortäuschen, sind ein bekanntes Mittel zur Umgehung.
Seit 1970 haben sich einige Standards verschärft: Das UNIDROIT-Übereinkommen von 1995 ergänzte die UNESCO-Konvention, und mehrere große Museen verpflichteten sich, keine Objekte ohne dokumentierte Provenienz vor 1970 mehr zu kaufen. Doch der Markt für undokumentierte Altertümer existiert weiter, nicht zuletzt weil der Wert archäologischer Objekte auf dem freien Markt erheblich sein kann.
Krieg als Gelegenheit
Die jüngste und vielleicht erschreckendste Dimension des Antikenraubes ist seine Verbindung mit bewaffneten Konflikten. Nach der US-amerikanischen Invasion im Irak 2003 wurden das Nationalmuseum von Bagdad und zahllose archäologische Fundstellen geplündert. Schätzungen zufolge verschwanden zehntausende Objekte — darunter Stücke aus dem dritten Jahrtausend vor Christus aus Ur, Uruk und Lagasch. Viele tauchten auf westlichen Märkten auf; ein Teil wurde zurückgegeben, ein Teil blieb verschollen.
In Syrien nach 2011 nutzten verschiedene Konfliktparteien, darunter der Islamische Staat, Raubgrabungen systematisch zur Finanzierung. Palmyra, Apamea, Dura-Europos — Stätten, die Jahrhunderte überdauert hatten — wurden mit schwerem Gerät durchgraben. Satellitenbilder zeigten Tausende von Grabungslöchern in Arealen, die kurz zuvor noch unberührt gewesen waren.
Repatriierung: Fortschritte und Widerstände
Die Rückgabe geraubter Kulturgüter hat in den letzten zwanzig Jahren an Fahrt gewonnen. Deutschland gab türkische Objekte zurück; die Niederlande repatriierten Stücke an Indonesien; Frankreich übergab 26 Benin-Bronzen an Benin. Das British Museum, das die Elgin Marbles bis heute behält, steht zunehmend unter Druck.
Die Argumente der Gegner sind bekannt: Weltmuseen schützten Objekte vor lokaler Instabilität; der Zugang für internationale Wissenschaft sei leichter; Rückgaben könnten eine Flut weiterer Forderungen auslösen. Die Argumente für Rückgaben sind mindestens ebenso stark: Kulturgüter gehören in den Kontext, dem sie entstammen; lokale Museen sind oft perfekt in der Lage, Objekte zu bewahren und auszustellen; und die Entscheidung, was 'sicher' und was 'zugänglich' ist, sollte nicht allein von den Besitzern getroffen werden.
Schutz durch Sichtbarkeit
Eine unterschätzte Strategie im Kampf gegen Raubgrabungen ist die Dokumentation. Fundstellen, die kartiert, fotografiert und öffentlich bekannt sind, sind schwerer zu plündern als unbekannte Orte. Projekte wie das Arachne-Portal des Deutschen Archäologischen Instituts, die Datenbank des Archäologischen Instituts der Universität Köln, und natürlich Initiativen wie ruinsworldmap.com, die archäologische Stätten öffentlich kartieren, tragen dazu bei, das Bewusstsein für das zu erhöhen, was es zu schützen gibt. Die Karte öffnen und selbst sehen, was noch vorhanden ist — und was schützenswert bleibt.