Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in der Türkei
Kaum ein Land der Erde vereint auf seinem Territorium so viele Schichten menschlicher Geschichte wie die Türkei. Anatolien war Wiege der Stadtentwicklung — mit Çatalhöyük eine der ältesten stadtähnlichen Siedlungen der Menschheit — und Schauplatz hethitischer, phrygischer, lydischer, griechischer, hellenistischer, römischer, byzantinischer und schließlich osmanischer Hochkulturen. Die Küstenregionen des Ägäis und des Mittelmeers waren mit ionischen, äolischen und dorischen Stadtgründungen übersät, deren Überreste bis heute die Landschaft prägen. Kein Reisender kann auch nur einen Bruchteil dieser Hinterlassenschaften in einer einzigen Reise aufnehmen.
1. Ephesus, Ägäisküste
Ephesus war in der Kaiserzeit die Hauptstadt der römischen Provinz Asia und vermutlich eine der drei oder vier größten Städte des Reiches. Die Überreste sind beeindruckend: die Celsus-Bibliothek mit ihrer restaurierten zweigeschossigen Fassade, das Große Theater mit 25.000 Plätzen, die Hafenstraße (Arcadiane), die Terrassenhäuser mit prachtvollen Fresken und Mosaikböden — alles bezeugt den Wohlstand einer Metropole im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. Die Terraced Houses erfordern eine zusätzliche Eintrittskarte, sind aber für ihr erhaltenes Dekor unbedingt sehenswert. Ephesus ist UNESCO-Welterbe seit 2015; Anreise von Selçuk.
2. Troy, Nordwesttürkei
Troy (Troia) am Eingang des Hellespont ist eine der meistdiskutierten archäologischen Stätten der Welt. Heinrich Schliemanns Ausgrabungen ab 1871 förderten neun übereinanderliegende Stadthorizonte zutage — von einer frühbronzezeitlichen Siedlung um 3000 v. Chr. bis zur hellenistisch-römischen Stadt Ilion. Welches Troy das homerische Troja der Ilias ist, wird nach wie vor debattiert; Schicht Troy VI oder VIIA, beide um 1300 bis 1200 v. Chr., gelten als wahrscheinlichste Kandidaten. Das Freilichtmuseum zeigt rekonstruierte Stadtteile; der hölzerne Touristenpferd-Nachbau versinnbildlicht den Mythos. UNESCO-Welterbe seit 1998.
3. Pergamon, Westküste
Pergamon auf einem steilen Bergkegel über der modernen Stadt Bergama war im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. Hauptstadt des gleichnamigen hellenistischen Königreiches und eine der wichtigsten Metropolen des östlichen Mittelmeers. Das Königreich Pergamon war für seine Bibliothek — Rivalen Alexandria — berühmt, für die Erfindung oder Verbreitung des Pergaments als Schreibmaterial und für seinen kunstvoll angelegten Burgberg. Der Altar des Zeus, weitgehend ins Pergamonmuseum Berlin verbracht, stand ursprünglich hier. Heute sind Akropolis, Athenatempel und das steilste antike Theater der Welt vor Ort zu besichtigen. UNESCO-Welterbe seit 2014.
4. Hierapolis (Pamukkale), Südwesttürkei
Hierapolis liegt unmittelbar über den weißen Kalkterrassen von Pamukkale, die durch mineralhaltiges Quellwasser gebildet wurden. Die griechisch-hellenistische Stadt wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. gegründet und unter römischer Herrschaft zu einem Kurort ausgebaut, der Besucher wegen der heilsamen Quellen anzog. Das Archäologische Museum ist in den antiken Bädern untergebracht; das Theater aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. mit seiner fast intakten Bühnenfront gehört zu den schönsten Kleinasiens. Die Nekropole von Hierapolis ist eine der größten antiken Friedhofanlagen, die je ausgegraben wurden. UNESCO-Welterbe seit 1988.
5. Aphrodisias, Westtürkei
Aphrodisias im Flusstal des Mäanders war das Zentrum des Kultes der Aphrodite und ein bedeutendes Bildhauerhandwerkszentrum, dessen Werkstätten den gesamten Mittelmeerraum mit Marmorwerken belieferten. Der Aphrodite-Tempel, das Stadion (mit Platz für 30.000 Zuschauer und eines der besterhaltenen der Antike), das Tetrapylon-Tor und die Sebasteion — eine Propylaia mit mythologisch-kaiserlichen Reliefs — machen die Stätte zu einem Ausnahmeort. Das vor Ort eingerichtete Museum birgt Meisterwerke der kaiserzeitlichen Plastik. Aphrodisias ist seit 2017 UNESCO-Welterbe. Anreise ab Nazilli oder Karacasu.
6. Göbekli Tepe, Südosttürkei
Göbekli Tepe nahe Şanlıurfa hat seit seiner Entdeckung in den 1990er Jahren und den Ausgrabungen unter Klaus Schmidt das Bild der prähistorischen Menschheitsgeschichte grundlegend verändert. Die T-förmigen Kalksteinpfeiler mit Tierreliefs wurden um 9600 bis 8200 v. Chr. aufgerichtet — rund 6.000 Jahre vor Stonehenge — von einer Gesellschaft, die noch nicht sesshaft und nicht ackerbauend war. Die rituell-zeremonielle Funktion der Anlage gilt als gesichert; die Organisation einer so monumentalen Bauleistung ohne städtische Strukturen bleibt rätselhaft. UNESCO-Welterbe seit 2018. Ein Schutzdach und ein Besucherzentrum ermöglichen ganzjährigen Zugang.
7. Aspendos, Südtürkei
Das Theater von Aspendos in der Pamphylia-Region gilt als das am besten erhaltene antike Theater der Welt. Erbaut im 2. Jahrhundert n. Chr. unter Kaiser Marcus Aurelius von einem einheimischen Architekten namens Zenon, ist die Bühnengebäudefront (scaenae frons) nahezu vollständig erhalten — einschließlich ihrer Pilaster, Bögen und Nischen. Tausende Zuschauer finden noch heute im Cavea Platz; das Theater wird bis heute für Festivals und Aufführungen genutzt. Das seldschukische Wasserleitungssystem, das die Stadt versorgte, ist als Bogenreihe in der Landschaft erkennbar. Anreise von Antalya in etwa 45 Minuten.
8. Hattusa, Zentralanatolien
Hattusa war vom 17. bis 12. Jahrhundert v. Chr. die Hauptstadt des Hethitischen Reiches, einer der großen Mächte der bronzezeitlichen Welt. Im 14. Jahrhundert v. Chr. war das Hethitische Reich ebenbürtig mit Ägypten — die Korrespondenz zwischen den beiden Reichen ist in den Amarna-Briefen überliefert. Hattusa liegt bei dem Dorf Boğazkale; die Ruinen umfassen Stadtmauerreste mit dem Löwentor und dem Sphinxtor, den großen Tempelbezirk, das Felsbild-Heiligtum Yazılıkaya in unmittelbarer Nähe und Magazine mit tausenden Tontafeln. UNESCO-Welterbe seit 1986. Besichtigung per Auto oder organisierter Tour empfohlen.
9. Perge, Südtürkei
Perge in Pamphylien war eine der bedeutendsten Städte der späthellenistischen und römischen Zeit in Kleinasien. Die Stätte nahe dem modernen Antalya bewahrt ein bemerkenswertes Stadtbild: eine Säulenstraße mit Kanalrinne, die Prachtstraße (Kolonnadenstraße), Thermen, ein gut erhaltenes Theater und eines der schönsten Stadttore der Antike. Die Ausgrabungen haben auch bedeutende Skulpturen geliefert, die heute zum Teil im Antalya-Museum ausgestellt sind. Perge blühte besonders im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. und war Geburtsort des Mathematikers Apollonius von Perge. Tagesausflug von Antalya.
10. Xanthos, Südwesttürkei
Xanthos war die Hauptstadt des lykischen Bundes und ist besonders für seine einzigartigen Grabmonumente bekannt — turmförmige Felsgräber und Sarkophage auf hohen Sockeln, die in der Gebirgslandschaft der Lykischen Riviera noch heute aufragen. Historisch dramatisch sind zwei Belagerungen: 540 v. Chr. verbrannten die Bürger lieber ihre eigene Stadt, als sich den Persern zu ergeben; 42 v. Chr. wiederholte sich fast dasselbe Szenario mit Brutus. Das benachbarte Letoon-Heiligtum, mit Tempeln für Leto, Artemis und Apollo, bildet gemeinsam mit Xanthos ein UNESCO-Welterbe seit 1988. Die Stätte liegt nahe Kinik, von Fethiye aus erreichbar.
Die Türkei bietet eine außergewöhnliche Dichte antiker Stätten, die sich gut in mehrtägige Routenreisen integrieren lassen. Mietwagen sind an den meisten Stätten die praktischste Lösung; Ephesus und Pergamon sind auch per Bahn oder Bus bequem erreichbar. Die beste Reisezeit ist Frühling (April/Mai) oder Herbst (September/Oktober) — der Sommer ist an den Küstenstätten sehr heiß und touristenreich. Eine Museumskarte (Müzekart) spart bei mehreren Besuchen erheblich. Alle Standorte auf der interaktiven Karte: Karte öffnen.