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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Portugal

Die iberische Halbinsel ist ein archäologischer Palimpsest: Schicht um Schicht haben Völker und Kulturen ihre Spuren im heutigen Portugal hinterlassen. Megalithische Kulturen errichteten hier vor über 5.000 Jahren Dolmen und Menhire; Phönizier und Griechen gründeten Handelsniederlassungen an der Küste; keltische Stämme bauten befestigte Höhensiedlungen. Dann kamen die Römer, die seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. die Halbinsel Schritt für Schritt erschlossen und Lusitanien zu einer blühenden Provinz formten. Was von all dem geblieben ist, reicht von den vollständigen Stadtanlagen des römischen Conimbriga bis zu den einsam stehenden Megalithen der Alentejo-Hochebene.

1. Conímbriga, Condeixa-a-Nova

Conímbriga, südlich von Coimbra gelegen, ist die besterhaltene römische Stadt auf portugiesischem Boden. Die Siedlung war bereits vor der römischen Eroberung ein bedeutendes Oppidum der keltischen Conímbri; unter Augustus und seinen Nachfolgern wuchs sie zu einem wohlhabenden Municipium mit Forum, Thermen, Amphitheater und aufwendigen Privathäusern. Berühmt sind die Mosaikböden der Casa dos Repuxos, die Fontänen, Gärten und mythologische Szenen in bemerkenswerter Qualität zeigen. Im späten 3. Jahrhundert wurde die Stadt durch eine Stadtmauer geteilt, deren Verlauf teils durch ältere Häuser führte – ein Zeichen der Eile angesichts germanischer Einfälle. Das angegliederte Museum gehört zu den besten archäologischen Museen Portugals. UNESCO-Welterbe wird angestrebt.

2. Römischer Tempel von Évora, Alentejo

Im Herzen der von der UNESCO gelisteten Altstadt von Évora erhebt sich der sogenannte Diana-Tempel – auch wenn die Zuschreibung an Diana nicht gesichert ist. Von einem korinthischen Peripteraltempel aus dem 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr. stehen heute noch 14 Granitsäulen mit ihren Kapitellen aufrecht, ein Bild von außergewöhnlicher Eleganz. Dass die Säulen überhaupt erhalten blieben, verdankt sich einem seltsamen Umstand: Im Mittelalter diente die Struktur als Schlachthaus, was sie vor Steinraub schützte. Der Tempel steht auf dem ehemaligen Forum der Stadt Ebora und ist frei zugänglich; er liegt inmitten der Altstadt, die selbst als UNESCO-Welterbe eingetragen ist.

3. Citânia de Briteiros, Guimarães

Citânia de Briteiros, auf einem Hügel nördlich von Guimarães gelegen, ist die eindrucksvollste keltisch-lusitanische Höhensiedlung (Castro) der Iberischen Halbinsel. Die Siedlung war zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. bewohnt und beherbergte auf mehreren Terrassen hunderte von Rundhütten aus Stein, die mit konzentrischen Schutzmauern umgeben waren. Zwei der Hütten wurden zu Demonstrationszwecken wiederaufgebaut. Die Ausgrabungen im 19. Jahrhundert durch Martins Sarmento legten die Basis der portugiesischen Archäologie; die Funde sind heute im Museu Martins Sarmento in Guimarães ausgestellt. Die weitreichende Sicht über das Minho-Tal macht den Besuch zusätzlich lohnend.

4. Milreu, Estói (Algarve)

Milreu bei Estói in der Algarve ist eine der besterhaltenen römischen Villae rusticae auf der Iberischen Halbinsel. Die Anlage, die zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert n. Chr. genutzt wurde, umfasst ausgedehnte Wohnräume mit Mosaikböden, ein Peristylium, eine Badeanlage und ein ungewöhnliches Heiligtum, das im Laufe der Zeit zur christlichen Kirche umgebaut wurde – eine seltene Kontinuität des Sakralbaus. Fischwassermotive in den Mosaiken deuten auf die wirtschaftliche Bedeutung der nahen Küste hin. Das nahegelegene Dorf Estói mit seinem Rokoko-Palast und das archäologische Ensemble lassen sich gut kombinieren. Milreu liegt wenige Kilometer von Faro entfernt und ist problemlos zu erreichen.

5. Mértola, Baixo Alentejo

Mértola am Ufer des Guadiana hat eine der längsten Besiedlungsgeschichten Portugals: Phönizier, Karthager, Römer, Westgoten und Mauren haben die Stadtanlage nacheinander geprägt. Die sichtbarsten antiken Überreste stammen aus der römischen Myrtilis – ein ausgegrabenes Stadtforum am Flussufer, Reste eines Tempels, Mosaiken und ein gut bestücktes Stadtmuseum. Besonders bemerkenswert ist die gotische Pfarrkirche, die aus einer Moschee umgebaut wurde, unter der wiederum eine westgotische Basilika liegt: drei Sakralbauten in einem. Der Torre de Menagem der mittelalterlichen Burg überragt die kleine Ortschaft. Mértola ist heute UNESCO-Kandidat für seinen außergewöhnlichen Schichtreichtum.

6. Troia (Cetóbriga), Setúbal

Auf der gleichnamigen Halbinsel gegenüber Setúbal liegen die Ruinen der römischen Fischkonservenfabrik Cetóbriga, einer der größten industriellen Fischereianlagen des Weströmischen Reiches. Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. produzierten hier zahlreiche Becken Garum – die allgegenwärtige Fischsauce der Römer – und gesalzenen Fisch für den Export ins gesamte Reich. Die Salzbecken, Speicher und Wohngebäude sind im Freien zugänglich; ein geplantes Museum bündelt die Funde. Die Halbinsel ist per Fähre von Setúbal erreichbar, was den Besuch mit einem Ausflug an einen der ruhigsten Atlantikstrände Portugals verbinden lässt.

7. Ammaia, São Salvador de Aramenha

Im abgelegenen Alto Alentejo, nahe der spanischen Grenze, schlummert Ammaia – eine römische Kleinstadt, die nach dem Ende der Antike vollständig aufgegeben wurde und deshalb archäologisch kaum gestört ist. Ausgrabungen der jüngsten Jahrzehnte legten Forum, Basilika, Thermen, eine Stadtmauer und Straßenzüge frei. Ammaia wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. als Municipium gegründet und war ein bedeutender Knotenpunkt auf der Straße zwischen Emerita Augusta (Mérida) und Olisipo (Lissabon). Das Museo da Cidade Romana in einem nahen Landsitz präsentiert die Funde in einem ungewöhnlich ansprechenden Rahmen. Die Stätte ist ruhig, wenig besucht und bietet ein eindringliches Bild einer vergessenen Stadt.

8. Conimbriga (Stadtmauer und Nordtor), Condeixa-a-Nova

Ergänzend zum bereits genannten Ensemble ist das Nordtor von Conimbriga mit dem anschließenden Abschnitt der spätantiken Stadtmauer besonders aufschlussreich: Hier ist zu sehen, wie eilig errichtete Defensivmauern im 3. Jahrhundert n. Chr. durch das Häusergewebe der Stadt gezogen wurden – Mauern, die bestehende Insulae und Straßenabschnitte schlicht überbauten. Das dramatisiert das Bild einer Gesellschaft unter Druck: Sicherheit wurde wichtiger als städtischer Komfort. Die Grabungen zeigen Häuser, deren Vorderräume jenseits der Mauer lagen, während die Hinterzimmer innerhalb des Schutzes verblieben. Dieser Befund ist im europäischen Maßstab selten so klar ablesbar.

9. Bracara Augusta (Braga), Minho

Unter der modernen Erzbischofsstadt Braga liegt Bracara Augusta, die Hauptstadt der römischen Provinz Gallaecia. Ausgrabungen in der Altstadt und ein städtisches archäologisches Museum bieten Einblicke in eine der bedeutendsten Städte des nordweströmischen Spaniens. Erhalten sind Abschnitte einer Stadtmauer, Thermengebäude, ein Odeion und zahlreiche Mosaiken. Die Grabungen unter dem städtischen Untergrund gehen kontinuierlich weiter; einige Befunde sind in situ unter Glaspflastern im Gehweg sichtbar gemacht worden. Braga ist gut mit dem Zug von Porto erreichbar und lässt sich mit einem Besuch in Citânia de Briteiros kombinieren.

10. Necrópole de Alcalar, Portimão

Die Megalith-Nekropole von Alcalar im Hinterland der Algarve umfasst rund 20 Megalith-Grabkammern aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. – einer Zeit, als Kupfer-zeitliche Gemeinschaften die Küstenregion der Iberischen Halbinsel besiedelten. Das beeindruckendste Monument ist das Kollektiv-Grab Tholos 7, eine Kuppelkammer mit einem langen Zugangsgang aus aufrecht stehenden Steinplatten. Die Bestattungsanlage war über Generationen hinweg genutzt worden und enthielt bei seiner Entdeckung Überreste von Dutzenden Menschen sowie Keramik, Elfenbein und Kupferobjekte. Ein kleines Besucherzentrum vor Ort erklärt den Kontext der kupferzeitlichen Gesellschaft, die diese aufwendigen Grabbauten schuf.

Praktische Hinweise

Portugal ist das ganze Jahr über bereisbar; die Alentejo-Region und die Algarve sind im Sommer sehr heiß, weshalb Frühjahr und Herbst für Stätten wie Milreu oder Alcalar ideal sind. Conímbriga und Évora sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar; für abgelegenere Stätten wie Ammaia und Citânia de Briteiros ist ein Mietwagen empfehlenswert. Die Eintrittspreise portugiesischer Ausgrabungsstätten sind im europäischen Vergleich moderat. Eine Übersicht aller verzeichneten Stätten bietet die interaktive Karte – Karte öffnen und das archäologische Erbe Portugals entdecken.