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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen Omans

Oman besitzt eines der faszinierendsten und am wenigsten bekannten archäologischen Profile der arabischen Halbinsel. Die Lage am Arabischen Meer, nahe den Meerengen des Persischen Golfs, machte das Land von der Vorgeschichte bis ins Mittelalter zu einem unverzichtbaren Knotenpunkt des Seehandels zwischen Mesopotamien, Indien und Ostafrika. Kupfer aus den Bergen des Hajar-Gebirges war ein begehrtes Exportgut bereits im dritten Jahrtausend vor Christus; Weihrauch aus der Dhofar-Region war das 'Schwarze Gold' des antiken Orienthandels. Die vier UNESCO-Welterbestätten Omans spiegeln diese Handelsgeschichte wider, und ihre Erhaltung in der Wüstentrockenheit ist außergewöhnlich.

1. Bat-Gräber und Steinturm-Nekropole, Al Dhahirah

Die Nekropole von Bat, zusammen mit benachbarten Stätten Al Khutm und Al Ayn, bildet das bedeutendste archäologische Ensemble der Kupfersteinzeit und frühen Bronzezeit auf der Arabischen Halbinsel. Die Bienenstock-Gräber (Beehive Tombs) aus dem dritten Jahrtausend v. Chr. – runde Steintürme, die als Gemeinschaftsgräber dienten – stehen in beeindruckender Zahl auf den Felshängen und in der Ebene darunter. Die Stätte belegt eine organisierte Gemeinschaft, die Kupferhandel mit Mesopotamien betrieb und eine eigenständige Begräbnisarchitektur entwickelte. UNESCO-Welterbe seit 1988; der Besuch ist frei möglich, und die Landschaft der Turmgräber bei Sonnenuntergang ist unvergesslich.

2. Qalhat, Al Sharqiyah

Qalhat war im 13. und 14. Jahrhundert einer der bedeutendsten Handelshäfen des Indischen Ozeans und Sitz eines eigenständigen Sultanats, das Oman kontrollierte, bevor es von den Herrschern von Hormuz unterworfen wurde. Der venezianische Reisende Marco Polo und der Marokkaner Ibn Battuta besuchten und beschrieben die Stadt; letzterer lobte ihre Pracht. Die Ruinen umfassen die Bii Bibi-Moschee – deren glasierten Kacheln im Stil persischer Fayencen noch teilweise erhalten sind –, Stadtmauern, Zisternen und Grundrisse von Wohnhäusern. Qalhat wurde nach einem verheerenden Angriff portugiesischer Truppen um 1508 und einem Erdbeben endgültig aufgegeben. UNESCO-Welterbe seit 2018.

3. Bahla-Fort, Ad Dakhiliyah

Bahla-Fort im Landesinneren ist das imposanteste erhaltene Lehmziegelfort der Arabischen Halbinsel und das einzige omanische Welterbe, das allein ein einzelnes Bauwerk repräsentiert. Die Anlage wurde vom Nebajt-Stamm errichtet und zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert zu ihrer heutigen Ausdehnung ausgebaut; das Fort überragt eine weitausgedehnte Festungsstadt, deren Lehmmauern und Türme die umgebende Palmenoase in mehrere Kilometer Länge einschließen. Nach langen Restaurierungsarbeiten ist das Fort heute wieder zugänglich. In der angrenzenden Stadt Bahla ist das Handwerk der Töpferei noch lebendig – eine Tradition, die in die vorislamische Zeit zurückreicht. UNESCO-Welterbe seit 1987.

4. Sumhuram (Khor Rori), Salalah

Sumhuram bei Salalah in der Dhofar-Region war ein antiker Hafen- und Handelskomplex, der im ersten Jahrhundert v. Chr. erbaut wurde und bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. florierte. Die Stadt war ein zentraler Umschlagplatz für Weihrauch aus dem Dhofar-Hinterland, der von hier aus nach Arabien, in den Mittelmeerraum und nach Indien verschifft wurde. Die erhaltenen Mauern, Tempel, Wohnhäuser und das Stadttor sind aus Kalkstein errichtet und außergewöhnlich gut konserviert. Inschriften in der südarabischen Sabäischen Schrift belegen Handelsbeziehungen und religiöse Institutionen. Sumhuram ist Teil der UNESCO-Welterbestätte 'Weihrauchstraße – Kulturlandschaft Oman'.

5. Al Baleed (Zafar), Salalah

Al Baleed bei Salalah war im Mittelalter (12.–15. Jahrhundert) die bedeutendste Stadt der Dhofar-Region und ein Hauptexporthafen für Weihrauch, Pferde und indische Gewürze. Die Ruinen umfassen eine Freitagsmoschee mit prachtvollen Stucksäulen, Wohnviertel, ein Süßwasserreservoir und Schiffbau-Anlagen. Der omanische Sultan Saladin – nicht identisch mit dem bekannteren gleichnamigen ägyptischen Herrscher – residierte hier im 12. Jahrhundert. Die Stätte gehört zur UNESCO-Welterbeliste 'Weihrauchstraße'; das Museum für Omanische Weihrauch in unmittelbarer Nähe erklärt den Kontext ausführlich. Gut erreichbar von der modernen Stadt Salalah.

6. Nizwa-Fort und Altstadt, Ad Dakhiliyah

Nizwa war die erste Hauptstadt des omanischen Imamat-Staates und bleibt eine der bedeutendsten historischen Städte des Landes. Das Nizwa-Fort aus dem 17. Jahrhundert mit seinem riesigen runden Hauptturm ist das meistbesuchte Kulturdenkmal Omans; die Stärke seiner Mauern und sein komplexes Verteidigungssystem machten es zeitgenössisch uneinnehmbar. Die Altstadt mit ihrem Suq (traditioneller Markt), alten Lehmhäusern und dem Freitagsgebet in der historischen Moschee bietet ein lebendiges Bild omanischer Stadtkultur. Die Kupferarbeiten und die Dattelsammelkultur der Region gehen auf vorislamische Handwerkstraditionen zurück.

7. Salut, Ad Dakhiliyah

Salut ist eine eisenzeitliche Stätte nahe Bisya, deren Ausgrabungen durch ein deutsch-omanisches Team seit den 2000er-Jahren eine Besiedlung vom zweiten Jahrtausend v. Chr. bis in die islamische Zeit freigelegt haben. Besonders bedeutsam sind Wohnhäuser, Befestigungsanlagen und Grabkammern aus der Eisenzeit (etwa 1200–600 v. Chr.) sowie Inschriften in der südarabischen Schrift. Die Stätte wird manchmal als Kandidat für das antike Oasenregion Magan diskutiert, das in mesopotamischen Quellen als Kupferlieferant erwähnt wird. Salut bietet aufgrund seiner Abgelegenheit und mangelnden touristischen Infrastruktur einen echten archäologischen Eindruck.

8. Al Ayn-Bienenstock-Gräber, Al Dhahirah

Die Bienenstock-Gräber von Al Ayn, nahe Bat gelegen und Teil desselben UNESCO-Welterbes, sind wegen ihrer dramatischeren Lage auf einem Felsgrat über der Ebene besonders fotografisch beeindruckend. Neun turmförmige Grabanlagen aus dem dritten Jahrtausend v. Chr. stehen in einer Reihe mit dem Hajar-Gebirge als Hintergrund. Die Türme haben Durchmesser von bis zu neun Metern und waren ursprünglich weit höher als heute; die oberen Schichten wurden in der Antike für den Bau anderer Strukturen abgetragen. Ausgrabungen zeigen, dass die Gräber über Generationen hinweg wiederholt benutzt wurden – als kollektive Begräbnisstätten von Clans oder Dorfgemeinschaften.

9. Khor Milkh und Qumayrah-Felszeichnungen, Al Hajar-Gebirge

Im Hajar-Gebirge Nordwestomans, nahe der emiratischen Grenze, finden sich zahlreiche Felszeichnungen, die bronzezeitliche Tiere, Krieger, Kamele und Schiffe zeigen. Ähnliche Petroglyphen-Komplexe sind in der gesamten Region verstreut; besonders reichhaltige Ensembles liegen bei Jubbah und Bir Hima in der benachbarten Grenzregion zu Saudi-Arabien. In Oman selbst sind die Felszeichnungen in Wadi Bani Khalid und anderen abgelegenen Wadis bekannt. Diese Bilder, grob über mehrere Jahrtausende entstanden, verbinden Oman mit den Felzeichnungstraditionen der gesamten arabischen Halbinsel.

10. Ubar (Shisr), Dhofar

Ubar – in der arabischen Überlieferung als die legendäre 'Atlantis der Sande' bekannt – wurde 1992 durch Satelliten-Bildauswertung und anschließende Ausgrabungen als historische Siedlung bei Shisr in Dhofar identifiziert. Die Stätte ist ein Karawanenknotenpunkt auf der Weihrauchstraße, bewohnt vom dritten Jahrtausend v. Chr. bis etwa zum 4. Jahrhundert n. Chr., als die zentrale Zisterne einbrach und die Stadt in einen Hohlraum absackte – ein Ereignis, das zur Legendenbildung beitrug. Das erhaltene Festungsmauerwerk und die exponierten Schichten im eingestürzten Zisternenbecken sind direkt zugänglich. Shisr liegt tief im Dhofar-Hinterland und erfordert ein Geländefahrzeug.

Praktische Hinweise

Die beste Reisezeit für archäologische Besuche in Oman ist von Oktober bis März, wenn die Temperaturen moderat sind; Salalah und Dhofar profitieren im Sommer vom Khareef-Monsun. Muscat ist der wichtigste Einreiseflughafen; Mietwagen sind für die meisten Stätten außerhalb der Städte erforderlich. Das Nationalmuseum Maskat und das Bait Al Zubair-Museum bieten hervorragende Einführungen. Alle Stätten auf der Karte erkunden.