Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen im Iran
Das heutige Iran war das Herzland dreier der mächtigsten Reiche der Antike: des Achämenidenreiches, das von Griechenland bis Zentralindien reichte; des Partherreiches, das Rom Jahrhunderte lang in Schach hielt; und des Sassanidenreiches, das bis zur arabischen Invasion im 7. Jahrhundert n. Chr. als ebenbürtige Weltmacht galt. Davor liegt die Geschichte des alten Elam und der Uruk-Periode am Rande Mesopotamiens. Das Plateau des Iran ist ein der archäologisch reichsten Regionen der Welt — und eine der am wenigsten bereisten von westeuropäischen Besuchern.
1. Persepolis, Fars
Persepolis — altpersisch Pârsa — war die Zeremonialhauptstadt des Achämenidenreiches, errichtet ab 518 v. Chr. unter Darius I. und weiter ausgebaut unter Xerxes und Artaxerxes I. auf einem künstlichen Plateau am Fuß des Kuh-e Rahmat. Die erhaltenen Ruinen sind von beeindruckender Dimension: die Apadana-Tribüne mit ihren Relieffriesen der tributbringenden Völker, die Tor-Halle des Xerxes mit Stier-Kolosse, das Hundertsäulengebäude, die Palastanlagen und die Felsgräber der Könige im nahen Naqs-e Rostam. Alexander der Große ließ Persepolis 330 v. Chr. niederbrennen. UNESCO-Welterbe seit 1979.
2. Pasargadae, Fars
Pasargadae war die erste Residenzhauptstadt des Achämenidenreiches, gegründet von Kyros dem Großen um 550 v. Chr. nach seinem Sieg über die Meder. Das bedeutendste Denkmal ist das Grabmal des Kyros — ein sechsstufiger Sockel aus weißem Kalkstein, auf dem eine schlichte Kammerkammer ruht — von einzigartiger Würde und Stille in der weiten Ebene. Daneben liegen Reste des Palastes und eines Gartens, der als Vorläufer der islamischen Paradiesgärten gilt; das persische Wort 'Paradies' (pairidaeza) bedeutet ursprünglich 'umfriedigter Garten' und entstand hier. UNESCO-Welterbe seit 2004.
3. Bishapur, Fars
Bishapur wurde in der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. von Schapur I. — dem sassanidischen König, der den römischen Kaiser Valerian in der Schlacht von Edessa gefangen nahm — als Triumphstadt gegründet. Die Stätte zeigt eine außergewöhnliche Mischung aus iranischer und römischer Baukunst: ein Stadtplan nach römischem Raster, ein ungewöhnlich großes Mosaikprogramm im Badkomplex und vor allem die Felsreliefs von Naqs-e Rajab und Bishapur, die Schapurs Triumphszenen über drei römische Kaiser in gewaltiger Größe zeigen. Das Stadtgelände ist weitgehend unausgegraben.
4. Susa (Shush), Khuzestan
Susa ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt, mit Besiedlungsschichten, die ins 5. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen. Susa war die Hauptstadt des elamitischen Reiches, dann eine Residenzstadt der Achämeniden und schließlich eine bedeutende Partherstadt. Der Codex Hammurabi — die berühmteste Rechtssammlung der Antike — wurde hier als Beutestück aus Babylon gefunden. Die Ausgrabungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts durch französische Expeditionen haben gewaltige Mengen an Material geborgen. Die Stätte ist heute als Nationalpark ausgewiesen; ein französisches Schloss aus der Kolonialzeit thront noch über den Ausgrabungsfeldern. UNESCO-Welterbe seit 2015.
5. Chogha Zanbil, Khuzestan
Chogha Zanbil ist ein elamitischer Zikkurat-Tempelkomplex, errichtet von König Untash-Napirisha um 1250 v. Chr. und einer der besterhaltenen Zikkorats der Welt. Der fünfstöckige Stufentempel — ursprünglich rund 52 Meter hoch, heute etwa zur Hälfte erhalten — war dem Gott Inshushinak geweiht. Die Anlage umfasst mehrere konzentrische Mauern, Königsgräber und kleine Tempel. Die Abgelegenheit in der khuzestanischen Ebene und die orangerote Farbe der ungebrannten Lehmziegel geben Chogha Zanbil eine außerweltliche Atmosphäre. UNESCO-Welterbe seit 1979 — das erste iranische Welterbe überhaupt.
6. Bam Citadel (Arg-e Bam), Kerman
Die Zitadelle von Bam war die größte lehmziegelbauliche Anlage der Welt und bildete den Kern einer mittelalterlich-frühneuzeitlichen Stadt in der Wüste Kermans. Die Ursprünge reichen in die Partherzeit (ca. 3. Jh. v. Chr.) zurück; der Großteil der sichtbaren Strukturen stammt aus der sassanidischen bis safawidischen Periode. Beim verheerenden Erdbeben vom Dezember 2003 wurde die Zitadelle fast vollständig zerstört und über 26.000 Menschen kamen in der Region ums Leben. Die UNESCO nahm den Ort noch im Katastrophenjahr in die Welterbeliste auf (2004); seither wird intensiv rekonstruiert.
7. Naqs-e Rostam, Fars
Naqs-e Rostam liegt nur wenige Kilometer nördlich von Persepolis und ist eine der eindrucksvollsten Stätten des gesamten Nahen Ostens: eine Felswand, in die die Kreuzgräber von mindestens vier achämenidischen Königen — Darius I., Xerxes I., Artaxerxes I. und Darius II. — hoch über dem Boden geschnitten sind, flankiert von sassanidischen Triumphreliefs aus dem 3. Jh. n. Chr. Schapur I. ließ hier seine Siege über die Römer verewigen. Ein sassanidischer Feuertempel (Ka'ba-ye Zartosht) steht im Tal davor.
8. Yazd — Altstadt und Zoroastrische Monumentalbauten
Yazd in Zentraliranien gilt als eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt und als Zentrum der zoroastrischen Kultur. Die 'Türme des Schweigens' (Dakhmeh) auf den Hügeln östlich der Stadt waren die Totenbestattungsanlagen der Zoroastrier bis ins 20. Jahrhundert. Das Feuertempel Atashkadeh bewahrt ein Feuer, das seit über 1.500 Jahren brennen soll. Die Altstadt mit ihrer Lehmziegelarchitektur, den unterirdischen Wasserkanälen (Qanate) und den Windtürmen (Badgirs) ist UNESCO-Welterbe seit 2017.
9. Jiroft — Kulturbecken, Kerman
Im Halil-Rud-Tal der Provinz Kerman wurden seit 2001 Tausende von Artefakten einer bislang unbekannten Bronzezeitkultur geborgen — vorwiegend durch illegale Plünderungen, aber auch durch offizielle Ausgrabungen. Die Jiroft-Kultur (ca. 3000–2200 v. Chr.) produzierte außergewöhnliche chloritische Steingefäße mit komplexen Reliefmotiven, die über weite Teile des Nahen Ostens verbreitet wurden. Die Ausgrabungen am Konar Sandal-Hügel haben Überreste einer Stadtanlage freigelegt, die möglicherweise die sagenhafte Stadt Aratta ist.
10. Ecbatana / Hamadan, Hamadan
Ecbatana war die Sommerresidenz der Achämenidenkönige und davor die Hauptstadt des medischen Reiches. Der historische Kern liegt unter der modernen Stadt Hamadan verborgen; systematische Ausgrabungen wurden durch die urbane Überbauung erschwert. Aber Stein- und Bronzefunde, Keramik und Inschriften belegen die außergewöhnliche Geschichte. Das nahe gelegene Felsgrab des Darius III. und die Reliefs am Berg Ganj Nameh — achämenidische Inschriften in drei Sprachen — sind zugänglich und beeindruckend.
Praktische Hinweise
Der Iran ist für europäische Besucher mit einem gültigen Visum (erhältlich bei iranischen Botschaften oder 'Visa on Arrival' an ausgewählten Flughäfen) zugänglich; die aktuelle Reiselagebewertung der jeweiligen nationalen Behörden sollte vor Reisebeginn konsultiert werden. Die beste Reisezeit ist Frühjahr (März bis Mai) und Herbst (September bis November). Persepolis, Pasargadae und Naqs-e Rostam liegen nahe Shiraz und lassen sich gut kombinieren. Die Karte öffnen für alle iranischen Fundstätten.