Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Aserbaidschan
Aserbaidschan, am Schnittpunkt des Kaukasus, der kaspisischen Ebene und der alten Handelsrouten zwischen Iran, Anatolien und der Steppe, hat ein archäologisches Erbe, das von prähistorischen Felszeichnungen bis zu zoroastrischen Feuertempeln und mittelalterlichen Palastanlagen reicht. Das Land war Kerngebiet des Kaukasischen Albaniens (nicht zu verwechseln mit dem Balkanstaat), eines bedeutenden antiken Königreiches, bevor es im frühen Mittelalter sassanidisch und dann islamisch wurde.
1. Gobustan-Felskunst, Gobustan
Gobustan, rund 60 Kilometer südwestlich von Baku, ist die bedeutendste Stätte prähistorischer Felskunst im Kaukasusraum. Auf einem bergigen Gelände mit Schlammvulkanen und Kalksteinfelsen befinden sich mehr als 6000 Gravierungen und Petroglyphen, datiert von etwa 12.000 v. Chr. bis in die frühmittelalterliche Zeit. Dargestellt sind Jagdszenen, Boote, Tiere, Tänzerfiguren und geometrische Zeichen. Eine Felsplatte trägt zudem eine lateinische Inschrift eines römischen Offiziers aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. – ein Zeugnis, wie weit die römischen Fernreisen und Erkundungen nach Osten reichten. Gobustan ist seit 2007 UNESCO-Welterbe; das moderne Besucher- und Informationszentrum an der Stätte ist hervorragend.
2. Palast der Schirwanschahs, Baku
Im Innern der Altstadtfestung Icheri Scheher in Baku liegt der Palastkomplex der Schirwanschahs, errichtet im 15. Jahrhundert n. Chr. zur Blütezeit der Schirwanschah-Dynastie. Die Anlage umfasst den Hauptpalast, eine Moschee, ein Mausoleum, ein Bad und das Grabmal des gelehrten Hofastrologen Seid Yahya Bakuvi. Der Komplex ist gut erhalten und seit 2000, zusammen mit der Altstadtmauer und dem Jungfrauenturm, UNESCO-Welterbe. Der Jungfrauenturm selbst datiert in seinen Wurzeln ins Mittelalter, möglicherweise älter.
3. Ateshgah (Feuertempel), Surakhani
Der Ateshgah bei Surakhani, östlich von Baku, war ein Kultzentrum für drei Religionen nacheinander: Zoroastrier, hinduistische Kaufleute aus Indien und Sikhs nutzten den natürlichen Feuerausbruch des Erdgases als heilige Flamme. Die heute sichtbare Anlage stammt überwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert n. Chr. und zeigt einen überdachten Innenhof mit Zellen für Pilger und Asketen, einem Zentralaltar über der ewigen Flamme und persisch- sowie hindi-sprachigen Inschriften. Das Erdgas ist heute nicht mehr natürlich; die Flammen werden künstlich gespeist, aber die Stätte bleibt atmosphärisch.
4. Icherisheher (Altstadtmauern), Baku
Die Stadtmauern von Icherisheher, der ummauerten Innenstadt Bakus, gehen in ihren Ursprüngen auf das frühe Mittelalter zurück, wurden aber in sassanidischer und später in Schirwanschah-Zeit ausgebaut. Das dichte Gassen- und Höfesystem innerhalb der Mauern bewahrt die mittelalterliche Stadttopographie; neben dem Palastkomplex ist auch die zwölfeckige Bukhari-Karawanserei aus dem 14./15. Jahrhundert erhalten.
5. Shamakhi (Schamachi), Shamakhi
Shamakhi war im frühen und hohen Mittelalter die Hauptstadt des Schirwanschahs-Reiches und eine bedeutende Handelsstadt auf der Seidenstraße. Ein schweres Erdbeben im Jahr 1667 und weitere Katastrophen haben das historische Stadtbild stark verändert; erhalten sind Teile einer mittelalterlichen Festung und Gräber aus islamischer Zeit. Das Juma-Moschee ist eines der ältesten islamischen Gotteshäuser Aserbaidschans, gegründet im 8. Jahrhundert n. Chr.
6. Gabala (Qabala), Gabala
Gabala war die Hauptstadt des Kaukasischen Albaniens, eines autochthonen Königreiches, das vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis ins 8. Jahrhundert n. Chr. bestand. Ausgrabungen haben Reste der antiken Stadtanlage freigelegt; Fundstücke aus Gabala befinden sich im Aserbaidschanischen Nationalmuseum in Baku. Die heutige Stadt Gabala liegt in einem fruchtbaren Tal am Südhang des Großen Kaukasus.
7. Mingachevir (Mingächaur), Mingachevir
Mingachevir am Kura-Fluss war ein bedeutendes Handels- und Kultzentrum des Kaukasischen Albaniens und der späten Antike. Ausgrabungen in der Mitte des 20. Jahrhunderts förderten Tempel, Bestattungsanlagen und Alltagsgegenstände zutage, die die kulturelle Vielfalt dieser Region – zoroastrisch, christlich, pagansind – belegen. Viele Funde befinden sich im Historischen Museum von Mingachevir.
8. Nakhchivan, Nakhchivan
Das Territorium von Nakhchivan, eine Exklave Aserbaidschans, hat Funde aus dem Neolithikum bis in die bronzezeitliche Kura-Araxes-Kultur (3. Jahrtausend v. Chr.) geliefert. Auf dem Hügel von Oghlanqala befinden sich Festungsreste, die in die eisenzeitliche Periode des Königreichs Manna gehören. Das mittelalterliche Grabmal des persischen Dichters und Mathematikers Yusuf ibn Kuseyir und das Momine Hatun Mausoleum aus dem 12. Jahrhundert gehören zu den Sehenswürdigkeiten des Nakhchivan.
9. Diri Baba-Grabmal, Gobustan
Das Diri Baba-Grabmal in Mardakan ist ein architektonisches Kuriosum: eine zweigeschossige Grabanlage aus dem 15. Jahrhundert n. Chr., die direkt in eine Felswand eingebaut ist, mit halbkugeliger Kuppel und reich ornamentierten Nischen. Es gilt als eines der originellsten Grabmonumente islamischer Architektur im Kaukasus.
10. Alinja-Burg, Nakhchivan
Alinja, auf einem steilen Bergkamm über dem Araz-Tal in Nakhchivan, war eine der uneinnehmbarsten Bergfestungen des Kaukasus und widerstand im 14. Jahrhundert jahrzehntelangen Belagerungen durch timuridische Heere. Die Festungsruinen – Mauern, Türme, Zisternen und Palastgebäude aus dem 10. bis 14. Jahrhundert – sind von unten sichtbar; der Aufstieg zu Fuß ist anspruchsvoll, aber lohnend.
Baku ist hervorragend über internationale Flüge erreichbar; Gobustan ist ein einfacher Tagesausflug von der Hauptstadt. Die meisten Stätten sind das ganze Jahr über zugänglich; der Frühling (April/Mai) und Herbst sind angenehm. Die Karte öffnen, um Aserbaidschans archäologisches Erbe von der Kaspis-Küste bis zum Kaukasus zu erkunden.