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Die Moche und Nazca

Küstenzivilisationen in der Wüste

Die peruanische Küste gehört zu den trockensten Gegenden der Erde. Die Atacama-Wüste, die sich von Nordchile bis nach Südperu erstreckt, gilt als aridste Wüste der Welt; weite Strecken der Küste erhalten so gut wie keinen Regen. Dass hier nicht nur Siedlungen, sondern hochorganisierte Zivilisationen mit monumentaler Architektur, komplexer Ikonographie und ausgedehnten Handelsnetzwerken entstanden, ist eines der faszinierenden Paradoxe der Weltarchäologie. Möglich wurde es durch die Flüsse, die vom Andenhochland herabkommen und schmale, fruchtbare Oasentäler durch die Wüste schneiden. Die Moche im Norden und die Nazca im Süden nutzten diese Ressource auf unterschiedliche, aber gleichermaßen bemerkenswerte Weise.

Die Moche: Herren der Nordküste

Die Moche-Zivilisation (auch Mochica genannt) blühte zwischen etwa 100 und 800 n. Chr. im nördlichen Küstenstreifen Perus, im Bereich der heutigen Regionen La Libertad und Lambayeque. Sie waren keine einheitlicher Staat, sondern eher eine Kultur, die mehrere politische Einheiten mit gemeinsamer Ikonographie, Keramiktradition und Architekturtypologie verband. Ihr Kerngebiet lag im Moche-Tal, das der Zivilisation ihren Namen gab.

Das architektonische Wahrzeichen der Moche-Kultur sind die Huacas — große Plattformpyramiden aus Lehmziegeln, die als Tempel- und Herrschaftssitze dienten. Die beiden imposantesten befinden sich im Moche-Tal: die Huaca del Sol und die Huaca de la Luna, beide in der Nähe der modernen Stadt Trujillo. Die Huaca del Sol ist das größte Lehmziegelgebäude Südamerikas, wenngleich ein erheblicher Teil ihres Volumens im 17. Jahrhundert durch Bergbaubetrieb eines spanischen Conquistador-Nachfahren zerstört wurde — er leitete den Fluss Moche um, um den Bau zu erodieren und im Inneren nach Gold zu suchen.

Die Huaca de la Luna, auf der gegenüberliegenden Seite eines breiten Platzes gelegen, ist für Besucher zugänglich und bietet einen der eindrucksvollsten archäologischen Befunde Perus. Ihre Außenwände waren mit polychromen Reliefs bedeckt, die übernatürliche Wesen, Gefangenenopfer und mythologische Szenen zeigen. Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte haben mehrere übereinandergebaute Strukturen freigelegt, die zeigen, dass der Bau immer wieder überformt wurde.

Sipán: Das unberaubte Königsgrab

Die bekannteste Entdeckung der Moche-Archäologie ist das Königsgrab von Sipán, gefunden 1987 in der Lambayeque-Region von dem peruanischen Archäologen Walter Alva. Es war das erste unberaubte Grab eines mochica-Herrschaftselite, das je wissenschaftlich ausgegraben wurde. Der 'Herr von Sipán', wie die Bestattung bekannt ist, war mit Goldschmuck, Silberobjekten, Keramik und Opferbeigaben in einem Ausmaß ausgestattet, das die Pracht zeitgenössischer ägyptischer Herrschergräber in nichts nachsteht.

Die Objekte sind heute im Königsgrab-Museum (Museo Tumbas Reales de Sipán) in Lambayeque ausgestellt, einem modernen Bau, der selbst die Form einer Pyramide hat. Das Museum gilt als eines der besten archäologischen Museen Südamerikas und stellt die Funde in ihrem kulturellen Kontext dar.

Moche-Keramik als Geschichtsquelle

Die Moche-Keramik ist in ihrer Qualität und ihrem Darstellungsreichtum außergewöhnlich. Porträtvasen, die individuelle Gesichter mit erkennbarer psychologischer Differenziertheit zeigen, stehen neben Gefäßen, die Szenen aus dem Alltagsleben, der Religion, der Jagd und des Krieges darstellen. Erotische Szenen und Darstellungen von Körperverfassung und Krankheiten erscheinen in einer Offenheit, die in der präkolumbianischen Kunst ungewöhnlich ist.

Diese ikonographische Fülle hat Archäologen ermöglicht, moche-Rituale zu rekonstruieren, ohne eine Schriftsprache entziffern zu müssen. Eine Serienszene, die sich auf vielen Gefäßen wiederholt, zeigt einen in luxuriösen Gewändern gekleideten Herrscher, der aus einer Schale Blut trinkt — wahrscheinlich das Blut gefangener Krieger nach einer Zeremonie. Dieses Ritual, lange nur aus der Keramik bekannt, wurde durch Ausgrabungen an der Huaca de la Luna bestätigt, wo die Skelette junger Männer mit Merkmalen ritueller Tötung gefunden wurden.

Die Nazca-Linien: Ein Rätsel in der Wüste

Südlich der Moche-Kerngebiete, im Nazca-Tal der Region Ica, hinterließ eine andere Kultur ein Denkmal der besonderen Art: die Nazca-Linien. Zwischen etwa 100 v. Chr. und 800 n. Chr. schufen die Nazca durch das Freikratzen des dunklen Oberflächengesteins auf dem hellen Untergrund ein System aus geraden Linien, geometrischen Figuren und Tierdarstellungen, das sich über eine Fläche von etwa 450 Quadratkilometern erstreckt.

Die Figuren — ein Kolibri, ein Affe, eine Spinne, eine Orca, ein Kondor, Hände und Blumen — sind nur aus der Luft vollständig erkennbar; vom Boden aus sieht man lediglich die Kanten von Linien im Gestein. Sie wurden 1939 durch Überflüge des amerikanischen Historikers Paul Kosok entdeckt und danach vor allem durch die Arbeit der deutschen Mathematikerin Maria Reiche bekannt gemacht, die jahrzehntelang in der Wüste lebte und die Linien kartierte und schützte.

Was die Linien bedeuten

Die Frage nach der Funktion der Nazca-Linien hat phantasievolle und weniger phantasievolle Antworten hervorgebracht. Die Außerirdischen-Theorie, popularisiert durch Erich von Däniken in den späten 1960er Jahren, hat keine wissenschaftliche Grundlage. Die Wassertheorie — die Linien zeigten unterirdische Wasserquellen an — hat ebenfalls keine überzeugende Evidenz.

Die plausibelste Erklärung sieht in den Linien ein rituelles Landschaftssystem. Die Nazca-Kultur kannte keine bewässerten Flusstäler wie die Moche, sondern war auf unterirdische Wasservorräte und saisonale Flüsse angewiesen. Keramik und Textilien zeigen einen starken Kult um Wasser und Fruchtbarkeit. Die Linien und Figuren könnten prozessionale Wege für zeremonielle Aktivitäten gewesen sein, möglicherweise verbunden mit Regenritualen oder Ahnenverehrung. Pilgerfahrten zu bestimmten Punkten im Liniensystem sind gut vorstellbar.

Die Nazca-Linien sind seit 1994 UNESCO-Welterbe. Ein Aussichtsturm an der Panamericana ermöglicht Blicke auf einige Figuren; der beste Gesamteindruck ergibt sich aus Rundflügen ab der Stadt Nazca oder Ica, die mehrere Anbieter täglich durchführen.

Das Cahuachi-Zeremonialzentrum

Cahuachi, etwa 28 Kilometer westlich von Nazca gelegen, war das wichtigste Zeremonialzentrum der Nazca-Kultur. Es umfasst über 40 Lehmziegel-Hügel und -Plattformen auf einer Fläche von etwa sechs Quadratkilometern, aber war entgegen früheren Interpretationen kein städtisches Zentrum, sondern ein Wallfahrtsort, der saisonal besucht wurde. Die Ausgrabungen des Archäologen Helaine Silverman haben gezeigt, dass Cahuachi wenige permanente Bewohner hatte, aber periodisch tausende von Pilgern aufnahm.

Die Karte öffnen und den Küstenstreifen Nordperus und Südperus zu erkunden bedeutet, auf die Spuren zweier Zivilisationen zu stoßen, die unter extremen Bedingungen Bemerkenswertes schufen — und die, wie so viele Hochkulturen der Alten Welt, zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert n. Chr. durch Klimaveränderungen, möglicherweise El-Niño-Ereignisse verstärkter Intensität, destabilisiert wurden und in andere kulturelle Formationen übergingen.