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Die Kelten und ihre Bergfestungen

Wer waren die Kelten?

'Die Kelten' ist ein Begriff, der in der Populärkultur als Sammelbezeichnung für ein ethnisch homogenes Volk der europäischen Vorgeschichte gebraucht wird, das heute noch in Irland, Schottland und Wales weitergelebt haben soll. Die Wirklichkeit ist erheblich komplizierter. Antike griechische und römische Autoren wie Hekataios von Milet und Julius Caesar verwendeten Bezeichnungen wie Keltoi und Galli für eine breite Palette von Gruppen, die große Teile Europas nördlich und westlich der Mittelmeerwelt bewohnten. Was diese Gruppen verband, war wohl in erster Linie eine Sprachfamilie — die keltischen Sprachen — sowie bestimmte materielle Kulturen und soziale Strukturen.

Zwei archäologische Kulturen sind besonders eng mit den Kelten der Eisenzeit verknüpft. Die Hallstatt-Kultur, benannt nach dem Fundort Hallstatt im österreichischen Salzkammergut, blühte vom 8. bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. und ist bekannt durch reiche Fürstengräber und frühe Eisentechnologie. Die La-Tène-Kultur, benannt nach einer Fundstelle am Neuenburgersee in der Schweiz, folgte ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. und zeichnet sich durch einen charakteristischen Kunststil aus — fließende Rankenmuster, Zoomorphismus, aufwendige Metallarbeiten — sowie durch die ersten befestigten Großsiedlungen, die als Oppida bezeichnet werden.

Hillfort-Architektur: Technik des Schutzes

Das Hillfort — auf Deutsch unvollständig als 'Bergfestung' oder 'Wallburg' wiedergegeben — ist das prägende Merkmal der eisenzeitlichen Siedlungslandschaft in weiten Teilen Europas. Von den Britischen Inseln über das gallische Frankreich bis nach Mitteleuropa und auf die Iberische Halbinsel errichteten die Bewohner der Eisenzeit befestigte Höhensiedlungen, deren charakteristische Merkmale bis heute in der Landschaft erkennbar sind: massive Erdwälle, oft mehrfach gestaffelt, mit vorgelagerten Gräben.

Die Bautechnik dieser Anlagen variierte erheblich. Im gallischen und britischen Raum war die murus gallicus-Konstruktion verbreitet, die Caesar in seinen Kommentaren über den Gallischen Krieg beschreibt: ein Verbundwerk aus Holzbalken, Erde und Steinpflästerung, das den Rammen feindlicher Belagerungsmaschinen effektiver widerstand als reine Erdwälle. Die Eingangsportale wurden durch geschwungene, verzogene Zugänge gesichert, die Angreifer in langsamere, von allen Seiten exponierte Bewegungen zwangen.

Maiden Castle: Das Paradebeispiel britischer Hillforts

Maiden Castle in der englischen Grafschaft Dorset gehört zu den eindrucksvollsten prähistorischen Stätten Großbritanniens. Die Festung, deren Ursprünge ins Neolithikum zurückreichen, wurde in der Eisenzeit, zwischen dem 4. und 1. Jahrhundert v. Chr., zu einem komplexen System von bis zu vier parallelen Wällen und Gräben ausgebaut, das eine Fläche von rund 19 Hektar umschloss. Die Wälle erreichten ursprünglich Höhen von über 20 Metern über dem Grabengrund.

Ausgrabungen in den 1930er Jahren unter Mortimer Wheeler brachten am östlichen Eingang ein Massengrab mit Skeletten ans Licht, die Pfeilspitzen enthielten — interpretiert als Überreste eines Angriffs römischer Truppen unter Vespasian um 43 n. Chr. Diese Interpretation ist seitdem verfeinert worden: Das Bild einer einzelnen dramatischen Belagerungsschlacht ist zu vereinfachend, und die Mehrheit der Skelette zeigt keine eindeutigen Kampfverletzungen. Dennoch belegt der archäologische Befund eine gewaltsame Phase im Übergang zur römischen Herrschaft.

Heute ist Maiden Castle im Besitz von English Heritage und frei zugänglich. Die Wallsysteme sind beeindruckend erhalten und vermitteln auch ohne Ausgrabung ein starkes Bild eisenzeitlicher Befestigungskunst.

Oppida: Städte der späten Eisenzeit

Die Oppida der La-Tène-Zeit, entstanden zwischen dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr., sind eine qualitativ andere Kategorie von Siedlung als die früheren Hillforts. Manching in Bayern, Bibracte in Burgund, Alesia in der Côte-d'Or und Heidengraben auf der Schwäbischen Alb sind keine Rückzugsbefestigungen für eine agrarische Bevölkerung, sondern funktionale Städte mit handwerklicher Spezialisierung, Münzprägung, Fernhandel und Bevölkerungen, die Zehntausende erreichen konnten.

Manching, heute im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, war eine der größten Oppida nördlich der Alpen. Seine Befestigungsmauer umschloss eine Fläche von etwa 380 Hektar. Ausgrabungen haben Werkstätten für Eisen, Bronze, Glas und Textilien nachgewiesen; eiserne Rohbarren dienten als überregionale Zahlungsmittel. Der Münzhort von Manching, 1999 gefunden, enthielt über 400 Goldmünzen und ist einer der größten eisenzeitlichen Münzfunde Mitteleuropas.

Bibracte auf dem Mont Beuvray in Burgund war die Hauptstadt der Haeduer, eines gallischen Stammes, der im Gallischen Krieg zwischen Bündnis mit Caesar und nationaler Loyalität schwankte. Caesar hielt sich nach der Kapitulation Vercingetorix' in Bibracte auf, um seine Kommentarien zu schreiben. Die Stätte ist heute ein aktives Ausgrabungsprojekt mit angeschlossenem Museum.

Die Kelten und das Schriftliche

Ein wesentliches Problem bei der Erforschung keltischer Geschichte ist das weitgehende Fehlen indigener schriftlicher Quellen. Die Kelten kannten die Schrift — griechische und lateinische Schriftzeichen wurden für keltische Sprachen genutzt, und späte insulare Quellen bezeugen eine lebendige Oral- und Schrifttradition. Aber die druïdische Praxis, Wissen nicht niederzuschreiben, sondern mündlich zu überliefern, bedeutete dass fast alles, was über keltische Religion, Weltanschauung und Geschichte erhalten ist, durch griechische und römische Filter überliefert wurde — Filter, die mehr über die Vorurteile der antiken Schriftsteller als über die Kelten selbst verraten können.

Was die Archäologie zeigt, ergänzt und korrigiert die Schriftquellen erheblich. Die keltischen Gesellschaften waren keine primitiven Barbaren, als die Caesar sie bisweilen darstellt, sondern hochorganisierte, handwerklich herausragende Gemeinwesen mit ausgedehnten Handelsnetzwerken. Importwaren aus dem mediterranen Raum — Wein in Amphoren, etruskische Bronzegefäße, griechische Keramik — finden sich in Fürstengräbern von Hallstatt bis Hochdorf.

Das Hallstatt-Grab von Hochdorf

Das Fürstengrab von Hochdorf nahe Eberdingen in Baden-Württemberg, entdeckt 1978 und ausgegraben bis 1979, gehört zu den bedeutendsten archäologischen Funden der bundesdeutschen Geschichte. Datiert in die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr., enthielt es die reich ausgestattete Bestattung eines älteren Mannes auf einer bronzenen Liegecouch, die von acht Frauenfiguren auf Rädern getragen wurde. Die Grabbeigaben umfassten einen vierrädrigen Festwagen, ein großes Bronzegefäß (situla), das griechischen Import repräsentiert, sowie Goldschmuck und Trinkhörner.

Das Grab veranschaulicht die Hierarchie und den Fernhandel der Hallstatt-Zeit auf eine Weise, die keine Schriftquelle leisten könnte. Das gesamte Ensemble ist im Keltischen Museum Hochdorf-Enz ausgestellt und darunter auch eine Rekonstruktion des Fürstengrabhügels selbst. Die Karte öffnen erlaubt es, Hillforts und Oppida quer durch Europa aufzuspüren und die räumliche Logik dieser eisenzeitlichen Siedlungslandschaft zu verstehen.