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Hillforts und Oppida: Befestigte Höhensiedlungen der Eisenzeit

Erhöhte Lagen, gespannte Zeiten

Wenn man die sanften Hügel Englands, die Bergkuppen des südlichen Deutschlands oder die Hochflächen der tschechischen Böhmen durchstreift, begegnet man immer wieder denselben Spuren: terrassierten Böschungen, die zu regelmäßig für einen natürlichen Hang sind, flachen Kuppen mit umlaufenden Wallkränzen, Einebnungen auf ansonsten steilem Terrain. Das sind Hillforts — die charakteristischsten Monumente der europäischen Eisenzeit, errichtet zwischen etwa 800 und 50 v. Chr. von Gemeinschaften, die man heute grob als keltisch oder prä-keltisch bezeichnet, ohne dass diese Bezeichnungen ethnische Homogenität implizieren.

Das Phänomen ist geographisch weit verbreitet. Von der iberischen Halbinsel bis zum Schwarzen Meer, von Schottland bis zum Balkan, entstanden befestigte Hügelsiedlungen in einem Zeitraum, der über die gesamte Eisenzeit reichte. Ihre Größe variierte erheblich: von kleinen Refugien mit kaum einem halben Hektar Fläche bis zu großen politischen Zentren von mehreren Dutzend Hektar. Form und Funktion wandelten sich im Laufe der Jahrhunderte — und die Frage, wer in diesen Anlagen wohnte, wie dauerhaft und zu welchem Zweck, ist bis heute Gegenstand archäologischer Diskussion.

Bautechnik: Wälle und Tore

Die Wallanlagen eisenzeitlicher Hillforts waren keine improvisierten Erdaufschüttungen. Sie waren sorgfältig konstruierte Strukturen, die erhebliche Kenntnisse im Erdbau, im Umgang mit Holz und Stein und in der Lagerung schwerer Materialien erforderten. Grundsätzlich unterscheidet man mehrere Bautypen.

Der einfachste ist der Abschnittswall: ein einzelner Erdwall mit vorgelagertem Graben, der die Bergkuppe von der leicht zugänglichen Seite trennt. Komplexer sind vollständig umlaufende Wallsysteme mit einem oder mehreren konzentrischen Gräben und Wällen (Univallat, Bivallat, Multivallat). Die aufwendigsten Bauten nutzten Holzrahmenwerke im Wall, die durch Stein oder Erde gefüllt wurden — ein System, das Caesar im Gallischen Krieg als murus gallicus beschreibt. Der Murus gallicus bestand aus einem mit Eisen vernieteten Holzrost, der eine imposante, schwer einnehmbare Front bildete.

Die Tore waren strategisch der vulnerabelste Punkt und wurden entsprechend sorgfältig gestaltet: Einführungsgänge, die Angreifer zwangen, in kleinen Gruppen einzuziehen; Vorwerke, die ein direktes Anlaufen verhinderten; Wächterhütten an den Flanken. Das Eingangstor von Maiden Castle in Dorset (England) ist ein besonders gut erforschtes Beispiel: multiple Torpassagen, flankierende Wälle und offenbar eine Art Torhaus.

Hillforts auf den britischen Inseln

Die britischen Hillforts gehören zu den bestuntersuchten der Welt, und das aus gutem Grund: Britannien besitzt rund 3000 dokumentierte Anlagen, von denen ein erheblicher Teil bis heute als sichtbare Landmarken erhalten ist. Maiden Castle in Dorset ist das bekannteste: Mit rund 19 Hektar Innenfläche und einem Wallsystem, das sich in konzentrischen Bögen um den Hügel legt, war es eines der größten prähistorischen Befestigungswerke Nordwesteuropas. Es war seit dem Neolithikum besiedelt, wurde in der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit sukzessive ausgebaut und nach der römischen Conquästa (43 n. Chr.) aufgegeben.

Cadbury Castle in Somerset hat eine besondere mythologische Nachwirkung: Manche mittelalterliche Überlieferungen verbinden es mit dem legendären Camelot, dem Hof des Artus. Archäologisch ist es ein imposantes eisenzeitliches Hillfort mit Nachnutzung in der Spätantike. Traprain Law in Schottland wiederum lieferte durch einen spektakulären Silberschatzfund Hinweise auf Handelsbeziehungen mit dem Römerreich.

Hill of Tara in Irland ist das symbolische Herzstück der irischen Vorgeschichte: Zwar kein Hillfort im engeren Sinne, aber ein Hügelkomplex aus Ringwällen, Hügelgräbern und Erdwerken, der in der irischen Überlieferung als Sitz der Hochkönige gilt.

Oppida: Städte der späten Eisenzeit

Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. entstand in Mitteleuropa eine neue Siedlungsform, die Julius Caesar mit dem lateinischen Begriff oppida (Singular: oppidum) bezeichnete: große, befestigte Zentralorte mit urbaner Infrastruktur. Oppida waren keine einfachen Refugien mehr, sondern wirtschaftliche, politische und religiöse Zentren mit Handwerk, Münzprägung, Fernhandel und vielleicht ständiger Bevölkerung.

Manching in Bayern, am Zusammenfluss von Donau und Paar gelegen, ist eines der am besten erforschten Oppida Mitteleuropas. Seine Mauer umschloss ursprünglich rund 380 Hektar — ein Umfang, der manchen mittelgroßen antiken Städten entspricht. Archäologisch belegt sind Metallwerkstätten, Glasperlenproduktion, Münzherstellung und Fernhandel mit Amphoren aus dem Mittelmeerraum. Die Mauer war nach dem Murus-gallicus-Prinzip gebaut und etwa sieben Kilometer lang.

Bibracte auf dem Mont Beuvray (Frankreich), die Hauptstadt der Haeduer, ist durch Caesars Schilderungen bekannt: Hier veranstaltete er Versammlungen, hier wurde nach seinem Tod ein gallischer Rat einberufen. Ausgrabungen seit dem 19. Jahrhundert haben das Stadtbild rekonstruiert: Straßenraster, Häuserblöcke, Handwerkerviertel, repräsentative Bauten. Auf der Karte erkunden lassen sich Bibracte, Manching und weitere Oppida in ihrer geografischen Verteilung nachvollziehen.

Heidengraben auf der Schwäbischen Alb ist mit über 1600 Hektar eingefriedeter Fläche das flächenmäßig größte bekannte keltische Oppidum — wobei die tatsächlich dauerbesiedelte Fläche innerhalb dieser Grenzen wesentlich kleiner war.

Die sozialen und wirtschaftlichen Funktionen

Die Frage, was Hillforts und Oppida genau waren, ist nicht mit einem Satz zu beantworten. Die Bandbreite reichte von saisonalen Versammlungsplätzen über dauerhafte Adelssitze bis zu städtischen Zentren mit handwerklicher Produktion und Marktfunktion. Manche Hillforts wurden nur für kurze Zeiträume genutzt und dann aufgegeben; andere erlebten Besiedlungsphasen über Jahrhunderte.

Das Vorhandensein von Fundmaterial aus dem Fernhandel — griechische und italische Amphoren für Wein, Bronzegefäße, Glasperlen, Bernstein — zeigt, dass manche Anlagen in weitreichende Austauschnetze eingebunden waren. Gleichzeitig belegt die Verteilung handwerklicher Produktionsstätten, dass in Oppida nicht nur konsumiert, sondern auch produziert und gehandelt wurde. Münzfunde aus Manching, Bibracte und anderen Oppida bezeugen eine monetarisierte Wirtschaft — ein Zeichen für komplexe gesellschaftliche Organisationsformen.

Nachlebens und Erhalt

Viele Hillforts wurden nach der römischen Eroberung verlassen oder bewusst als Verwaltungseinheiten aufgelöst, da Rom neue Siedlungsformen in flachen Lagen bevorzugte. In einigen Fällen blieben Hügelkuppen als Kultorte oder Fluchtburgen in Gebrauch. Manche wurden im Mittelalter für normannische Burgen wiedergenutzt, was die eisenzeitlichen Wallsysteme darunter oft gut konserviert hat.

Die Grünflächen und Naturschutzgebiete, in denen viele britische Hillforts heute liegen, verdanken sich nicht zuletzt dem Umstand, dass eisenzeitliche Erdbauwerke den Boden bedeckt und so jahrhundertelange Ackerbebauung verhindert haben. Wer heute über die Wälle von Maiden Castle geht oder auf dem Mont Beuvray spaziert, betritt den am besten erhaltenen Teil einer eisenzeitlichen Welt, die sonst kaum Spuren im Landschaftsbild hinterlassen hat.