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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in der Levante

Die Levante — jene Küstenregion am östlichen Mittelmeer, die heute Israel, die palästinensischen Gebiete, den Libanon, Syrien und Jordanien umfasst — ist eine der archäologisch dichtesten Landschaften der Erde. Hier entstanden die ersten Stadtstaaten, hier prägten Kanaanäer, Phönizier, Israeliten, Perser, Griechen, Römer und Byzantiner eine Region, die als Kreuzungspunkt dreier Kontinente nie aufgehört hat, Geschichte zu schreiben. Wer durch die Levante reist, bewegt sich auf Schichten jahrtausendealter Zivilisation.

1. Petra, Jordanien

Die Felsenstadt der Nabatäer, im 4. Jahrhundert v. Chr. gegründet und zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. auf ihrem Höhepunkt, ist das monumentalste Erbe der arabischen Wüste. Der Weg durch den Siq — eine schmale, gewundene Schlucht — führt zum Khazneh, dem sogenannten Schatzhaus, dessen fein gearbeitete Fassade direkt aus dem rosafarbenen Sandstein gehauen ist. Weitere Highlights sind das Kloster (Ad-Deir), das Große Tempelgelände, die römische Kolonnadenstraße und Tausende von Grabfassaden. Petra gehört zum UNESCO-Welterbe und ist das meistbesuchte archäologische Ziel Jordaniens. Anreise über Wadi Musa; Frühstarter haben die Stätte in den Morgenstunden für sich.

2. Palmyra, Syrien

Im Herzen der syrischen Wüste gelegen, war Palmyra im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. eine der reichsten Handelsstädte des Nahen Ostens — eine Oase auf der Karawanenroute zwischen dem Römischen Reich und Mesopotamien. Das Bel-Heiligtum, das Tetrapylon, das Colonnadenstraße-System und das monumentale Bogentor zählen zu den beeindruckendsten Überresten der Römerzeit im Orient. Die Königin Zenobia machte Palmyra kurzzeitig zur Hauptstadt eines eigenen Imperiums, bevor Kaiser Aurelian die Stadt 273 n. Chr. zerstörte. Weite Teile der Stätte wurden durch den IS-Terror nach 2015 schwer beschädigt; UNESCO und internationale Partner arbeiten an der Dokumentation und Wiederherstellung.

3. Baalbek, Libanon

Baalbek im Bekaa-Tal beherbergt die größten und am besten erhaltenen römischen Tempel des Nahen Ostens. Der Jupiter-Tempel, dessen sechs verbliebene Säulen mit über 20 Metern Höhe zu den mächtigsten der Antike gehören, wurde im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. über einem phönizischen Heiligtum errichtet. Der benachbarte, deutlich vollständiger erhaltene Bacchus-Tempel gilt als eines der kunsthandwerklich ausgefeiltesten Bauten Roms. Die Gigantensteine in der Unterkonstruktion — einzelne Quader von mehr als 1000 Tonnen — werfen bis heute Fragen zur antiken Bautechnik auf. Baalbek ist UNESCO-Welterbe; Abendveranstaltungen im Sommer nutzen den Tempel als einzigartige Kulisse.

4. Byblos (Jbeil), Libanon

Byblos zählt zu den ältesten dauerhaft bewohnten Städten der Welt. Phönizische Händler exportierten von hier aus Zedernholz nach Ägypten und Papyrus in alle Welt — das griechische Wort für Buch, biblion, leitet sich vom Namen dieser Stadt ab. Die archäologische Zone, im Hafenviertel der heutigen Stadt Jbeil gelegen, enthüllt Schichten aus der Jungsteinzeit, der frühen Bronzezeit, dem phönizischen Königreich, der hellenistischen Periode und der Kreuzfahrerzeit. Ein Kreuzfahrerschloss, phönizische Königsgräber und Überreste eines ägyptischen Tempels liegen dicht beieinander. Die Stätte ist UNESCO-Welterbe; der Eintritt ist moderat und der Besuch problemlos mit einem Aufenthalt in der malerischen Altstadt zu verbinden.

5. Jerash, Jordanien

Jerash — das antike Gerasa — ist das besterhaltene Beispiel einer römischen Provinzstadt im gesamten Nahen Osten. Im 1. Jahrhundert n. Chr. gegründet, erlebte Gerasa seine Blütezeit im 2. und 3. Jahrhundert als Teil der Dekapolis. Erhalten sind ein fast vollständiger ovaler Forum, zwei Theater, das Nymphaeum, der Tetrapylon, Tempel des Zeus und der Artemis sowie mehrere Kilometer der Hauptkolonnadenstraße, der Cardo. Pferde- und Wagenrennen werden in der rekonstruierten Hippodrom-Arena nachgestellt. Jerash liegt rund 50 Kilometer nördlich von Amman und ist problemlos als Tagesausflug erreichbar.

6. Jerusalem

Keine andere Stadt der Levante vereint so viele archäologische Schichten auf engstem Raum. Die Überreste des Zweiten Tempels — insbesondere die Westmauer (Klagemauer) und das Areal des Tempelbergs — verweisen auf die herodianische Baukunst des 1. Jahrhunderts v. Chr. und den Beginn der römischen Kaiserzeit. Die Davidsstadt, am Hang südlich des Tempelbergs, legt neolithische, bronzezeitliche und eisenzeitliche Siedlungsschichten frei. Im archäologischen Park neben der Westmauer sind byzantinische Einkaufsstraßen, umayyadische Palastbauten und frühislamische Strukturen zu besichtigen. Jerusalem ist UNESCO-Welterbe; die Altstadt verlangt wegen ihrer spirituellen Bedeutung respektvolle Zurückhaltung.

7. Megiddo, Israel

Der Hügel von Megiddo — im Alten Testament als Armageddon bekannt — ist einer der bedeutendsten Tells des Nahen Ostens. Über zwanzig städtische Schichten dokumentieren eine fast ununterbrochene Siedlungsgeschichte von rund 7000 Jahren. Zu den sichtbaren Überresten gehören ein kanaanäischer Tempel aus der frühen Bronzezeit, salomonische Stallungen aus dem 10. Jahrhundert v. Chr. und ein eindrucksvolles unterirdisches Wassersystem, das im 9. Jahrhundert v. Chr. in den Fels getrieben wurde. Teil des UNESCO-Welterbes der biblischen Hügel (Megiddo, Hazor, Beer Sheva); der Nationalpark ist gut erschlossen.

8. Ugarit (Ras Shamra), Syrien

Ugarit, an der syrischen Küste nahe dem modernen Latakia gelegen, war im 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. eine der führenden Handelsstädte der Bronzezeit. Hier entdeckten französische Archäologen ab 1929 Tausende von Keilschrifttafeln in der ugaritischen Sprache — das älteste bekannte alphabetische Schriftsystem der Welt. Sichtbar sind Reste des Königspalastes, zweier Tempel und des Stadttores. Der Zustand der Stätte ist durch Jahrzehnte des Konflikts in Syrien eingeschränkt; Besuche sollten nach aktuellen Sicherheitslagen geplant werden. Die bedeutendsten Funde befinden sich im Nationalmuseum Damaskus.

9. Caesarea Maritima, Israel

Caesarea Maritima, von König Herodes dem Großen zwischen etwa 22 und 10 v. Chr. erbaut, war der größte Hafen des antiken Judäa und später Sitz der römischen Prokuratoren. Unter Wasser liegen die Reste des künstlichen Tiefseehafens Sebastos, eines der technischen Wunderwerke der Antike. An Land sind ein Amphitheater, ein Hippodrom, ein Tetrapylon, Reste des Herodes-Palastes auf dem Meeresvorsprung und byzantinische Kirchen gut sichtbar. Das Unterwasserprojekt des Israel Antiquities Authority dokumentiert die versunkenen Hafenstrukturen. Der Nationalpark liegt an der Küste zwischen Tel Aviv und Haifa.

10. Ebla (Tell Mardikh), Syrien

Ebla war im 3. Jahrtausend v. Chr. eines der mächtigsten Stadtreiche des Alten Orients. Italienische Archäologen legten ab 1964 die Überreste frei, darunter den Königspalast mit seinem berühmten Archiv von rund 17.000 Keilschrifttafeln aus dem 24. Jahrhundert v. Chr. — einem der wichtigsten epigraphischen Funde des 20. Jahrhunderts. Die Tafeln belegen Handelsbeziehungen mit Sumer und frühe semitische Sprachstufen. Der hügelige Tell ist heute zwar begehbar, die politische Lage Syriens schränkt jedoch Besuche erheblich ein.


Der Zugang zu den Stätten der Levante ist unterschiedlich: Jordanische Orte wie Petra und Jerash sind gut erschlossen und ganzjährig geöffnet. Israelische Nationalparks sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Mietwagen erreichbar. Stätten im Libanon wie Baalbek und Byblos sind trotz politischer Spannungen für Touristen zugänglich, wobei aktuelle Lageberichte zu beachten sind. Syrische Stätten wie Palmyra, Ugarit und Ebla sind wegen der anhaltenden Sicherheitslage nur unter besonderen Bedingungen besuchbar — informieren Sie sich vor jeder Reise beim Auswärtigen Amt. Die beste Reisezeit für die gesamte Region liegt im Frühjahr (März bis Mai) und Herbst (September bis November), wenn die Temperaturen moderat sind. Die interaktive Karte öffnen, um alle Stätten der Levante zu erkunden.