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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in der Schweiz

Die Schweiz liegt an der Kreuzung der wichtigsten Alpenpässe und war daher von der Frühgeschichte an ein begehrter Kontrollpunkt. Helvetier und Rauriker, keltische Stämme, die Julius Caesar in seinen Gallia-Berichten erwähnt, stießen hier auf die vorrückenden Legionen Roms. Im 1. Jahrhundert v. Chr. verwandelte sich das Land in eine dichte Provinzlandschaft mit Kolonialstädten, Straßen, Thermen und Tempeln. Darunter liegen neolithische Pfahlbausiedlungen an den Ufern der Seen — UNESCO-Welterbe seit 2011 — und hallstattzeitliche Gräberfelder in den Alpenvorlandkantonen. Die Forschungs- und Präsentationsinfrastruktur in der Schweiz ist auf höchstem europäischem Niveau.

1. Augusta Raurica, Augst

Augusta Raurica bei Augst im Kanton Basel-Landschaft ist die besterhaltene und am vollständigsten ausgegrabene römische Stadtanlage auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Gegründet um 44 v. Chr. als Kolonie für veteranen Legionäre, wuchs sie bis ins 2. Jahrhundert auf rund 20.000 Einwohner an und beherbergte ein großes Amphitheater, ein Curia-Gebäude, Thermen, Tempel und Wohnquartiere. Das Freilichtmuseum zeigt rekonstruierte Gebäude, ein lebendes Römerhaus und ein Museum mit dem berühmten Kaiseraugster Silberschatz — einer der reichsten Silberdepots der Antike, vergraben um 350 n. Chr. Der Eintritt ist frei.

2. Avenches (Aventicum)

Aventicum war die Hauptstadt der Civitas Helvetiorum und mit rund 20.000 Einwohnern eine der bedeutendsten Städte der Provinz Germania Superior. Imposante Überreste der Stadtmauer mit ihrem repräsentativen Cigonier-Turm (einem antiken Torerker), ein gut erhaltenes Amphitheater und Tempelanlagen vermitteln noch heute die Größe der Stadt. Das archäologische Museum Avenches gehört zu den besten Römermuseen der Schweiz und zeigt unter anderem eine Goldmaske von berühmtem Rang. Die antiken Ruinen sind in und um das heutige Städtchen Avenches verteilt und zu Fuß erschlossen.

3. Vindonissa, Brugg

Das Legionslager Vindonissa bei Brugg (Kanton Aargau) war von etwa 10 n. Chr. bis ins frühe 2. Jahrhundert das einzige stehende Legionslager auf Schweizer Boden und beherbergte nacheinander die Legio XIII Gemina, Legio XXI Rapax und Legio XI Claudia. Von der Anlage sind heute kaum oberirdische Reste erhalten — das Mittelalterkloster Königsfelden steht teilweise auf dem Lagergelände —, doch das Vindonissa-Museum in Brugg zeigt eine hervorragende Sammlung von Alltagsgegenständen, Militariarien und einen Holztabellenbriefbestand, der Einblicke in das Lagerleben gewährt.

4. Nyon (Colonia Iulia Equestris)

Das heutige Nyon am Genfersee ist auf dem Gelände der Colonia Iulia Equestris aufgebaut, einer der ältesten römischen Kolonien nördlich der Alpen, gegründet wohl unter Caesar um 44 v. Chr. für Kavallerieveteranen. Von der Kolonie sichtbar erhalten sind fünf Granitsäulen eines monumentalen Tempelbezirks, die heute mitten in der Altstadt stehen und das markanteste antike Wahrzeichen Nyons bilden. Das Musée romain de Nyon, in den Gewölben des Schlosshügels eingerichtet, präsentiert Mosaike, Bronzeplastiken und epigraphische Zeugnisse der Stadtgeschichte.

5. Martigny (Octodurus)

Martigny im Wallis liegt an der strategisch wichtigen Route über den Großen St. Bernhard und war in der Römerzeit als Octodurus bekannt — ein Ereignis, das Caesar in seinen Gallischen Krieg-Berichten (54 v. Chr.) festhält, als eine seiner Kohorten hier von Galliern überfallen wurde. Das Amphitheater von Martigny, das 6000 Zuschauer fasste, ist eines der am besten erhaltenen in der Schweiz und dient noch heute als Veranstaltungsort. Das Forum Claudii Vallensium genannte Stadtensemble wird durch das Musée gallo-romain de Martigny erschlossen, das Mosaike und Bronzefunde zeigt.

6. Pfahlbauten Zürichsee und Bodensee

Die prähistorischen Pfahlbauten an den Schweizer Seen sind seit 2011 gemeinsam mit anderen europäischen Stätten UNESCO-Welterbe. Am Zürichsee, am Bodensee, am Bielersee und weiteren Gewässern existierten zwischen rund 4300 und 800 v. Chr. Dörfer, die auf Holzpfählen über dem Wasser oder am Ufer errichtet waren. Der Wasserstand konservierte organisches Material außergewöhnlich gut: Holzpflüge, Textilien, Lebensmittelreste und Holzbauteile mit dendrochronologisch exakten Datierungen. Das Laténium in Neuenburg und das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen (Deutschland) sind die besten Anlaufstellen für dieses Kapitel europäischer Vorgeschichte.

7. Kempraten (Centum Prata), Rapperswil

Das Hinterland von Rapperswil am Obersee birgt das antike Centum Prata (Kempraten), ein Vicus entlang der Römerstraße. Grabungen förderten Gebäudekomplexe, Töpferöfen, Metallwerkstätten und eine frühchristliche Kirche zutage. Auf dem Seedamm Rapperswil-Jona sind Informationstafeln und ein Archäologiepfad eingerichtet, der die Lage des einstigen Hafenplatzes und der Siedlung am Wasser veranschaulicht. Das Stadtmuseum Rapperswil zeigt ausgewählte Funde. Der Spazierweg entlang des Sees bietet zudem einen schönen Blick auf die Alpen.

8. La Tène, Neuenburgersee

Der Name der zweiten großen europäischen Eisenzeit stammt von einem Fundplatz am Neuenburgersee in der Schweiz: La Tène, wo 1857 bei niedrigem Wasserstand Hunderte von Metallgegenständen, Holzpfählen und menschlichen Knochen entdeckt wurden. Die Interpretation schwankt zwischen einer zerstörten Brücke mit rituell versenkten Votivgaben und einem Grenzmarkt-Handelsplatz; neuere Analysen favorisieren einen kultischen Kontext. Die Funde verteilen sich auf das Schweizerische Nationalmuseum Zürich und das Laténium; der Fundplatz selbst ist heute nicht spektakulär, aber für Eisenzeit-Interessierte ein Pilgerort.

9. Helvetier-Oppidum Bibracte / Basel-Gasfabrik

Während Bibracte selbst auf französischem Boden liegt, ist das keltische Oppidum Basel-Gasfabrik auf dem Münsterhügel und in der Basler Altstadt einer der bedeutendsten Fundzusammenhänge des spätkeltischen Oppidums in der Schweiz. Grabungen im 20. Jahrhundert förderten eine dicht bebaute Handwerker- und Händlersiedlung des 2./1. Jahrhunderts v. Chr. mit Importkeramik aus Italien und gallorömischem Raum. Das Historische Museum Basel widmet diesem Kapitel Basler Geschichte angemessenen Raum; der Münsterhügel ist auf einer Führung erkundbar.

10. Schaffhausen – Munot und keltische Vorgänger

Der Munot, die Renaissancefestung Schaffhausens, steht auf einem Hügel, dessen Vorgeschichte bis in die Bronzezeit reicht. Grabungen haben eine hallstattzeitliche Siedlung des 7.–5. Jahrhunderts v. Chr. nachgewiesen; das Gebiet um Schaffhausen war dichte keltische Siedlungslandschaft. Das Naturhistorische Museum Schaffhausen und das Museum zu Allerheiligen präsentieren den Bogen von der Ur- und Frühgeschichte bis zur römischen Provinzialzeit in der Region, inklusive Funde aus dem Donauabschnitt des Rheins zwischen Hochrhein und Bodensee.

Die Schweiz ist für Archäologiereisende hervorragend erschlossen: Die öffentlichen Verkehrsmittel erreichen nahezu alle Stätten, und die archäologischen Museen sind von Weltklasse. Augusta Raurica und Avenches lohnen je einen ganzen Tag; die Pfahlbaumuseen eignen sich gut als Programm für Familien. Das Wetter ist von April bis Oktober am angenehmsten. Karte öffnen, um alle antiken Stätten der Schweiz auf einen Blick zu sehen.