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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen Nigerias

Nigerias archäologisches Erbe gehört zu den reichsten und am wenigsten bekannten der Welt. Im Land leben die Nachfahren von Kulturen, die vor zweitausend Jahren feinstes Kupfergusshandwerk beherrschten, die im Mittelalter monumentale Erdwälle errichteten, die über Länge und Umfang selbst Chinas Große Mauer übertreffen, und die vor Jahrhunderten ein Hofkunstsystem schufen, dessen Bronzeplastiken heute in den Sammlungen der bedeutendsten Museen der Erde zu finden sind. Von den Nok-Terrakotten über die Benin-Bronzen bis zu den Erdwerken von Sungbo's Eredo spannt sich eine kontinuierliche Geschichte menschlicher Schöpfungskraft im zentralen Westafrika.

1. Sungbo's Eredo, Ogun State

Sungbo's Eredo ist eine der größten vorkolonialen Erdwerkbefestigungen der Welt – ein System aus Gräben und Wällen, das einen Umkreis von etwa 160 Kilometern umschließt und eine Fläche schützte, die größer ist als das mittelalterliche London. Die Anlage wird in die Zeit zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert n. Chr. datiert und nach einer Yoruba-Königin namens Bilikisu Sungbo benannt, die der Überlieferung zufolge die Befestigungen zur Verteidigung ihres Reiches errichten ließ. Die Wälle, manche bis zu sieben Meter hoch, laufen durch Regenwald und Farmland und sind in weiten Abschnitten noch immer erkennbar. Trotz ihrer Dimension ist die Stätte international kaum bekannt und archaeologisch nur unvollständig erforscht.

2. Igbo-Ukwu, Anambra State

In Igbo-Ukwu entdeckte der Archäologe Thurstan Shaw zwischen 1959 und 1964 Begräbnis- und Ritualdepots, die eine Hochkultur der frühen Igbo-Welt im 9. Jahrhundert n. Chr. belegen. Die Kupfer- und Bronzeobjekte aus diesen Depots – Vasen, Zeremonialregalia, Schmuck und Gefäße von außerordentlicher handwerklicher Raffinesse – wurden in einem Bleiguss-Kupferlegierungsverfahren hergestellt, das im subsaharischen Afrika seinesgleichen sucht. Das Kupfer stammte offenbar aus dem Trans-Sahara-Handel. Die Funde belegen ein hochentwickeltes Ritualsystem und politische Eliten, die ihren Status durch importierte Güter demonstrierten. Originals befinden sich im Nationalmuseum Lagos und im British Museum.

3. Benin City-Wälle (Iya), Edo State

Die Erdwälle und Gräben, die das historische Königreich Benin umgaben, wurden vom Guinness-Buch der Rekorde als das umfangreichste Erdwerksystem der Erde bezeichnet – mit einer Gesamtlänge der Wälle, die nach Schätzungen in die Zehntausende von Kilometern gehen soll. Die Befestigungen wurden über mehrere Jahrhunderte zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert n. Chr. ausgebaut und schützten die Hauptstadt und Hunderte von Satellitenstädten des Königreichs Benin. Heute sind Teile der Wälle im modernen Benin City erhalten, andere wurden durch städtisches Wachstum zerstört. Das Königreich Benin ist außerdem für seine weltberühmten Bronzeplastiken bekannt, die 1897 von britischen Truppen geraubt wurden und nun Gegenstand internationaler Restitutionsdebatten sind.

4. Sukur Cultural Landscape, Adamawa State

Die Sukur-Kulturlandschaft im Mandara-Gebirge an der nigerianisch-kamerunischen Grenze ist eines von nur zwei UNESCO-Welterben Nigerias. Die terrassierten Berghänge, Eisenschmelzstätten, Sakralpfade und der Palast des Hidi (des heiligen Königs) bilden eine einzigartige Kulturlandschaft, die mehrere Jahrhunderte unveränderter Gemeinschaftsorganisation widerspiegelt. Die Eisenverhüttung spielte hier mindestens seit dem 16. Jahrhundert eine zentrale Rolle; Sukur-Eisen wurde weit im regionalen Handel verbreitet. Der Hidi-Palast, auf einer Bergkuppe gelegen, ist von Mauern aus Trockensteinen umgeben. Die terrassierten Felder werden bis heute bewirtschaftet. UNESCO-Welterbe seit 1999.

5. Nok-Terrakotta-Fundgebiete, Kaduna und Plateau State

Die Nok-Kultur, benannt nach dem Ort Nok in Zentralnigeria, ist die älteste bekannte figurative Terrakottakultur Subsahara-Afrikas. Erste Funde wurden in den 1940er-Jahren bei Bergbauarbeiten entdeckt; seitdem kamen Hunderte von Figuren – meist menschliche Büsten mit charakteristischen dreieckigen Augen – ans Licht. Die Nok-Kultur wird grob zwischen 1500 v. Chr. und 200 n. Chr. datiert. Die Figuren zeigen aufwendige Frisuren, Schmuck und Kleidung und lassen auf eine komplexe soziale Hierarchie schließen. Leider wurden viele Fundstätten geplündert; Nok-Terrakotten sind auf dem Schwarzmarkt hoch begehrt. Das Nationalmuseum Jos besitzt eine der besten legalen Sammlungen.

6. Kano City Walls, Kano State

Die historischen Stadtmauern von Kano, teils noch aus dem frühen Mittelalter stammend und in späteren Jahrhunderten mehrfach ausgebaut, umschlossen einst eine der größten Städte Westafrikas. Das Emirat Kano war ein bedeutendes Zentrum des trans-saharischen Handels seit dem 15. Jahrhundert, und die erhaltenen Mauerstücke – aus getrocknetem Lehmziegel (Tubali) gebaut – geben einen Eindruck der Monumentalität dieser Handelsmetropole. Innerhalb der Altstadt (Fagge) sind zudem das historische Palastgelände (Gidan Makama) und alte Moscheen erhalten. Die Altstadt ist kein formales archäologisches Reservat, sondern ein lebendiger Stadtteil; Besuche sollten mit einem lokalen Führer unternommen werden.

7. Ile-Ife, Osun State

Ile-Ife gilt im Yoruba-Glauben als der Ursprungsort der Welt und der Yoruba-Völker – und auch archäologisch ist es eine außerordentliche Stätte. Die Bronzeköpfe und Terrakottafiguren, die hier zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert n. Chr. hergestellt wurden (bekannt als Ife-Kunstwerke oder Ife Bronzes), zeigen eine Natürlichkeit und psychologische Tiefe, die erste europäische Betrachter des 19. Jahrhunderts nicht für afrikanische Herkunft halten wollten. Die Königsbildnisse, möglicherweise Porträts von Oni-Königen, wurden mit der Wachsausschmelztechnik gegossen. Das Ile-Ife Museum on the Site of Ife Antiquities und das Ife Museum beherbergen die wichtigsten Originalfunde. Viele Objekte sind noch in situ auf dem Gelände von Ita Yemoo zu sehen.

8. Zaria (Zazzau)-Stadtmauern, Kaduna State

Die historische Stadt Zaria war Hauptstadt des Zazzau-Reiches, eines der Hausa-Stadtstaaten, die seit dem frühen zweiten Jahrtausend n. Chr. Zentralnigeria dominierten. Die Stadtmauern aus verdichtetem Lehm umgaben die Altstadt und bezeugen die defensive Architektur dieser Stadtstaaten. Zazzau war ein Knotenpunkt des Sklavenhandels sowie des Handels mit Kola-Nüssen, Stoffen und Eisen. In der Altstadt von Zaria sind das Emir-Palast-Komplex und die Große Moschee von Zaria (19. Jahrhundert) historische Ankerpunkte; die Stadtmauern selbst sind fragmentarisch erhalten. Die Stätte bietet einen Einblick in die islamisch geprägte Stadtkultur der Hausa-Fula-Gesellschaft.

9. Birnin Gazargamo, Yobe State

Birnin Gazargamo war von etwa 1470 bis 1814 die Hauptstadt des Kanem-Bornu-Reiches, eines der langlebigsten Reiche Afrikas, das in verschiedenen Formen von etwa 700 n. Chr. bis ins 19. Jahrhundert bestand. Die Ruinen der Stadt zeigen Grundrisse eines ausgedehnten Palastkomplexes und eines städtischen Zentrums aus Lehmziegeln. Das Reich Kanem-Bornu kontrollierte die trans-saharischen Handelsrouten zwischen Zentralafrika und Nordafrika und war ein bedeutendes islamisches Gelehrtenzentrum. Die Anlage liegt in der halbtrockenen Zone Nordostnigerias, fernab von Touristenrouten, aber von erheblichem historischem Interesse.

10. Oyo Ile (Katunga), Oyo State

Oyo Ile, auch 'Altes Oyo' genannt, war die Hauptstadt des Yoruba-Reiches Oyo, das im 17. und 18. Jahrhundert eines der mächtigsten Reiche Westafrikas war und einen Handelsraum von Benin bis zur Atlantikküste kontrollierte. Die Ruinen der Stadt im Gebiet von Oyo North zeigen ausgedehnte Erdwerke, Mauerreste und Keramikreste aus der Blütezeit des Reiches. Oyo Ile wurde um 1835 von Fulani-Angriffen zerstört und aufgegeben; das moderne Oyo wurde südlicher neu gegründet. Archäologische Surveys haben die Ausdehnung der alten Stadt auf mehrere Quadratkilometer geschätzt. Die Stätte ist für nigerianische Geschichte und den transatlantischen Sklavenhandel von großer Bedeutung.

Praktische Hinweise

Nigeria ist für internationale Besucher archäologisch noch weitgehend unerschlossen; die Infrastruktur für Kulturtourismus entwickelt sich langsam. Lagos und Abuja sind die wichtigsten Einreisestädte. Das Nationalmuseum Lagos und das Nationalmuseum Jos sind gute erste Anlaufstellen für einen Überblick über die archäologischen Kulturen des Landes. Für Besuche an entlegeneren Stätten empfehlen sich lokale Reiseveranstalter mit Kenntnissen der regionalen Sicherheitslage. Alle Stätten auf der Karte erkunden.