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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Myanmar

Myanmar birgt eine der reichsten und zugleich am wenigsten bekannten archäologischen Landschaften Südostasiens. Das Land am Unterlauf des Irrawaddy war über Jahrhunderte ein Schmelztiegel von Kulturen: Pyu-Stadtstaaten, die im 1. Jahrtausend n. Chr. erste Großstädte auf dem Territorium des heutigen Myanmar errichteten, wurden von Mon- und Burmanenkönigen abgelöst, die buddhistische Tempel und Paläste in schwindelerregendem Ausmaß hinterließen. Bagan allein zählt über tremend Tempel und Pagoden aus dem 11.–13. Jahrhundert auf einer Fläche, die keine andere religiöse Landschaft der Erde bietet. Hinzu kommen Pyu-Stätten von welthistorischer Bedeutung und die fast vergessene Hauptstadtarchitektur von Mrauk U und Inwa. Politische Instabilität hat den Zugang in den letzten Jahren erschwert, doch für alle, die reisen können, bietet Myanmar eine außergewöhnliche Begegnung mit der Vergangenheit.

1. Bagan, Mandalay-Division

Bagan, am mittleren Irrawaddy gelegen, war zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert n. Chr. die Hauptstadt des ersten burmesischen Reiches unter dem Pagan-Königreich. In dieser Zeit entstanden über viertausend Tempel, Pagoden und Klosteranlagen auf einer Ebene von etwa vierzig Quadratkilometern — das größte buddhistische Tempelbauvorhaben der Geschichte. Selbst nach dem Mongolenangriff von 1287 und diversen Erdbeben — zuletzt 2016 und 2018 — stehen noch über zweitausend Bauwerke, darunter Meisterwerke wie der Ananda-Tempel (1105 n. Chr.) mit seinen vier Buddha-Standbildern und der Dhammayangyi-Tempel (12. Jh.) mit seinem rätselhaft vermauerten Innenraum. UNESCO-Welterbe seit 2019.

2. Mrauk U, Rakhine-Staat

Mrauk U war vom 15. bis 18. Jahrhundert n. Chr. Hauptstadt des Arakan-Königreichs (Rakhine) und eine der bedeutendsten Handelsstädte Südostasiens, die direkte Verbindungen nach Bengalen, Indien, Arabien und Portugal unterhielt. Die Stadt besitzt über zweihundert erhaltene Tempel und Pagoden aus Stein — ungewöhnlich für burmesische Stätten, die sonst auf Ziegel setzten. Der Shittaung-Tempel (1535 n. Chr.) mit seinem Korridor aus über achthundert Buddha-Reliefs und der Kothaung-Tempel (1553 n. Chr.) sind die bedeutendsten Bauwerke. Mrauk U ist schwer zugänglich und in den letzten Jahren durch den Konflikt im Rakhine-Staat gefährdet.

3. Inwa (Ava), Mandalay-Division

Inwa, auf einer Halbinsel zwischen Irrawaddy und Myittha-Fluss gelegen, diente zwischen 1365 und 1841 n. Chr. mehrmals als Hauptstadt der burmesischen Königreiche, unterbrochen von anderen Hauptstädten. Die Stadt wurde mehrfach durch Erdbeben zerstört und wieder aufgebaut; ein schweres Erdbeben 1838 hinterließ den Zustand, den man heute sieht. Erhalten sind der schiefe Nanmyin-Wachturm, der durch ein Erdbeben in Schieflage geriet, die Maha Aungmye Bonzan-Klosteranlage aus Stein (1818 n. Chr.) und weiträumige Stadtmauerreste. Besucher erkunden die Anlage traditionell mit Pferdekutschen.

4. Sri Ksetra (Thayekhittaya), Bago-Division

Sri Ksetra, nahe dem modernen Pyay am Irrawaddy, war zwischen etwa dem 5. und 9. Jahrhundert n. Chr. die bedeutendste der Pyu-Städte und gehört zu den ersten urbanen Zentren auf dem Gebiet des heutigen Myanmar. Die Pyu, ein tibeto-burmanisches Volk, errichteten hier befestigte Städte mit eigener Schrift, eigenem Kalender und einer intensiv betriebenen buddhistischen Kultur. Von Sri Ksetra sind ovale Stadtmauern mit einer Gesamtausdehnung von über acht Kilometern erhalten, dazu mehrere Pagoden aus dem Frühbuddhistischen und eine einzigartige Grabkammeranlage. UNESCO-Welterbe seit 2014 als Teil der Pyu Ancient Cities.

5. Halin, Sagaing-Division

Halin, im trockenen Zentrum Myanmars gelegen, ist eine der drei großen Pyu-Städte des UNESCO-Welterbes und wurde zwischen dem 1. und 9. Jahrhundert n. Chr. bewohnt. Ausgrabungen legten Überreste von Stadtmauern, Wasserkanälen, Wohngebäuden und Buddhistische Votive frei. Halin zeigt deutlicher als die anderen Pyu-Stätten die frühe urbane Planung und das Wasserverwaltungssystem dieser ersten Städtebauer Myanmars. Die Stätte ist für den Tourismus kaum erschlossen und erfordert Eigeninitiative.

6. Beikthano, Magway-Division

Beikthano (auch Vishnu-Stadt genannt) ist die älteste der bekannten Pyu-Stadtstaaten, bewohnt von etwa dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. Die Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts legten ein kreisförmiges Stadtlayout mit Ziegelgebäuden, Bestattungsurnen und frühen buddhistischen Reliquienbehältern frei. Beikthano gilt als Schlüsselstätte für das Verständnis der frühen Urbanisierung Südostasiens. Wie Halin ist auch Beikthano Teil des Pyu Ancient Cities UNESCO-Welterbes seit 2014.

7. Mingun, Mandalay-Division

Mingun liegt am Westufer des Irrawaddy, etwa elf Kilometer nördlich von Mandalay, und beherbergt das Fragment einer der größten jemals begonnenen Ziegelstrukturen der Welt. König Bodawpaya begann 1790 mit dem Bau einer gewaltigen Stupa, die, wäre sie fertiggestellt worden, über neunzig Meter hoch geworden wäre. Nach Bodawpayas Tod 1819 wurden die Arbeiten eingestellt; das verbliebene Fundament, rund fünfzig Meter hoch, wurde durch das Erdbeben von 1838 in drei Hauptteile gespalten. Die Mingun-Glocke (1808), nach dem Erdbeben umgestürzt und wieder aufgerichtet, ist mit über neunzig Tonnen Gewicht eine der größten hängenden Bronzeglocken der Welt.

8. Sagaing, Mandalay-Division

Sagaing, auf einem Hügel am westlichen Irrawaddy-Ufer gegenüber Inwa, diente zwischen 1315 und 1364 n. Chr. kurzzeitig als Hauptstadt eines burmesischen Kleinkönigtums. Die Hügel von Sagaing sind heute von über fünfhundert Pagoden und Klöstern bedeckt, von denen viele Jahrhunderte alt sind. Die bekannteste historische Stätte ist die Kaunghmudaw-Pagode (1636 n. Chr.) mit ihrer hemisphärischen Form, die vom Mahachedi in Sri Lanka inspiriert wurde. Sagaing ist heute ein bedeutendes buddhistisches Zentrum und beherbergt Tausende von Mönchen.

9. Shwebo, Sagaing-Division

Shwebo, gegründet 1760 von König Alaungpaya, war kurzzeitig Hauptstadt des letzten burmesischen Königreichs vor der endgültigen Verlegung nach Mandalay. Die erhaltenen Stadtmaueranlagen und der königliche Palastbezirk, heute weitgehend von Vegetation überwachsen, zeigen die letzte Phase der vorenglischen Stadtplanung Myanmars. Shwebo ist ein lohnender Abstecher für Besucher, die über das Kerngebiet von Bagan und Mandalay hinausgehen wollen.

10. Thaton, Mon-Staat

Thaton, Hauptstadt des Mon-Königreichs von Suvarnabhumi, war nach buddhhistischer Überlieferung bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. ein Zentrum des Theravada-Buddhismus. Das Mon-Königreich blühte zwischen dem 6. und 11. Jahrhundert n. Chr. und wurde 1057 von König Anawrahta von Pagan unterworfen — ein Ereignis, das die Übertragung des Theravada-Buddhismus und der pali-buddhistischen Schriften nach Pagan markierte und damit die religiöse Grundlage für Bagans Tempelbauprogramm legte. Von der antiken Stadt Thaton sind oberirdisch nur wenige Reste sichtbar, aber das Gebiet gilt als wichtiges künftiges Ausgrabungsgebiet.

Praktische Hinweise

Myanmar war vor dem Militärputsch von 2021 ein zunehmend beliebtes Reiseziel für Archäologieinteressierte; die aktuelle Sicherheitslage variiert regional stark und erfordert eine gründliche Lageprüfung vor Reiseantritt. Bagan ist vom internationalen Flughafen Nyaung-U direkt erreichbar. Mrauk U liegt in der Rakhine-Region, für die besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten. Inwa und Sagaing sind Tagesausflüge von Mandalay. Das Internationale Buddhist University Museum in Yangon bewahrt bedeutende Pyu-Artefakte. Für eine kartografische Übersicht aller auf OpenStreetMap verzeichneten Stätten Myanmars steht die Karte zur Verfügung.