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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Jordanien

Jordanien ist ein Land, das trotz seiner vergleichsweise kleinen Fläche zu den archäologisch reichsten der Erde zählt. Die Lage an der Kreuzung der alten Handelsrouten zwischen Arabien, Ägypten, Syrien und Mesopotamien machte das heutige Jordanien über Jahrtausende zum Durchgangs- und Siedlungsraum für Nabatäer, Griechen, Römer, Byzantiner und Araber. Jede dieser Kulturen hinterließ monumentale Bauten, die in der Wüstenluft des Nahen Ostens außergewöhnlich gut konserviert sind. Die Stätten des Landes vereinen landschaftliche Dramatik mit historischer Tiefe auf eine Weise, die kaum anderswo zu erleben ist.

1. Petra, Wadi Musa

Petra, die in Sandstein gehauene Hauptstadt des Nabatäerreichs, ist eine der außergewöhnlichsten archäologischen Stätten der Erde. Die Nabatäer gründeten hier im 4. Jahrhundert v. Chr. eine Handelsmetropole, die den gesamten Weihrauchhandel zwischen Arabien und dem Mittelmeer kontrollierte. Das Stadtgebiet umfasst über achthundert Felsengräber und -tempel, darunter das ikonische Schatzhaus (Al-Khazneh), die Klosterfassade (Ad-Deir) und das Amphitheater. Rund dreißig Quadratkilometer Stadtgebiet sind bisher nur zu etwa fünfzehn Prozent archäologisch erschlossen. UNESCO-Welterbe seit 1985.

2. Jerash (Gerasa), Nordjordanien

Jerash gilt als eine der am besten erhaltenen römischen Provinzstädte außerhalb Italiens. Die Stadt erlebte ihre Blütezeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert n. Chr. als Teil der Dekapolis-Städtekonföderation. Das ovale Forum, der Cardo Maximus mit seinen Säulenhallen, zwei Theater, drei Thermen, ein Nymphäum und der Zeustempel stehen heute noch nahezu vollständig und geben ein lebendiges Bild einer mittleren römischen Provinzstadt. Das jährliche Jerash-Festival macht die Ruinen zur Bühne. Der Zustand des Geländes und seine Zugänglichkeit machen Jerash nach Petra zur wichtigsten Sehenswürdigkeit des Landes.

3. Umm Qais (Gadara), Nordjordanien

Gadara, heute Umm Qais im nordwestlichen Zipfel Jordaniens, war eine bedeutende griechisch-römische Stadt der Dekapolis mit Blick auf den See Genezareth und die Golan-Höhen. Das Stadtgebiet zeigt eine ungewöhnliche Kombination aus schwarzem Basaltstein, der die Bauten von den sandfarbenen Ruinen anderer Stätten unterscheidet. Ein gut erhaltenes Theater, ein gepflasterter Cardo und Überreste zweier Mausoleen lassen die Größe der hellenistischen und römischen Stadt erahnen. Das osmanische Dorf, das über den antiken Ruinen gebaut wurde, ist ebenfalls erhalten und gibt der Stätte eine ungewöhnliche zeitliche Vielschichtigkeit.

4. Ajloun Castle, Nordjordanien

Das Schloss von Ajloun wurde zwischen 1184 und 1185 von Izzeddin Usama, einem Neffen Saladins, auf einem bewaldeten Bergrücken des Ajloun-Gebirges erbaut, um die Eisenbergwerke der Umgebung zu schützen und die Kreuzfahrerpräsenz im Jordantal zu kontrollieren. Die Festung wurde mehrfach erweitert, zuletzt unter mamlukischer Herrschaft im 13. Jahrhundert. Die erhaltene Anlage zeigt charakteristische ayyubidische und mamlukische Architektur mit Rundtürmen, einem Hof und tiefen Zisternen. Die bewaldete Umgebung ist ungewöhnlich für Jordanien und macht Ajloun zu einem angenehmen Ausflugsziel.

5. Qasr Amra, Wadi Butm

Qasr Amra ist ein Wüstenschloss aus der frühen umayyadischen Periode, errichtet um 723–743 n. Chr. unter Kalif Walid II. Das Gebäude diente als Jagdschloss, Bad und Empfangsort. Seine außerordentliche Bedeutung liegt in den nahezu vollständig erhaltenen Fresken, die Jagdszenen, Tierdarstellungen, nackte Figuren, eine Darstellung der Sternbilder und — bemerkenswerterweise — Porträts von sechs Weltherrschern (darunter der byzantinische Kaiser und der Sassanidenkönig) zeigen. Die Fresken gelten als Meisterwerk der frühislamischen Kunst. UNESCO-Welterbe seit 1985; der Eintritt ist gering, aber die Öffnungszeiten sind begrenzt.

6. Umm ar-Rasas, Zentraljordanien

Umm ar-Rasas, das antike Kastron Mefaa, war zunächst ein römisches Militärlager, entwickelte sich dann in byzantinischer und frühumayyadischer Zeit zu einem Verwaltungszentrum. Besonders bekannt sind die herausragenden Mosaikböden der Kirche des Heiligen Stephanus aus dem späten 8. Jahrhundert n. Chr. — das Mosaik mit Darstellungen von Städten in Jordanien, Palästina und Ägypten gehört zu den größten und besterhaltenen byzantinischen Bodenmosaiken überhaupt. Ein geheimnisvoller Turm ohne Eingangstür auf Bodenniveau verblüfft Besucher bis heute. UNESCO-Welterbe seit 2004.

7. Madaba, Zentraljordanien

Madaba ist selbst heute noch eine lebendige Stadt, aber unter und in ihr verbergen sich außergewöhnliche Überreste der byzantinischen und frühumayyadischen Zeit. Das berühmteste Objekt ist die Mosaiklandkarte in der griechisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Georg — eine Bodenkarte Palästinas und des Nahen Ostens aus dem 6. Jahrhundert n. Chr., die älteste noch erhaltene Karte des Heiligen Landes. Das archäologische Park Madaba zeigt darüber hinaus weitere byzantinische Mosaikböden aus Privathäusern und Kirchen. Madaba liegt an der Königsstraße und ist gut in eine Rundtour durch Jordanien einzubinden.

8. Wadi Rum (Nabatäische Tempel), Südliches Jordanien

Im Wüstental von Wadi Rum fanden sich neben den bekannten Felszeichnungen der Thamudäer auch Überreste eines nabatäischen Tempels aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., der dem Gott Allat geweiht war. Die nabatäischen Inschriften und Felsritzungen, die das gesamte Wadi auskleiden, sind ein einzigartiges epigraphisches Archiv des Nahen Ostens. Wadi Rum ist in erster Linie für seine dramatische Wüstenlandschaft bekannt — eine der eindrucksvollsten der Erde — doch die archäologische Dimension verstärkt die Tiefe des Besuchs erheblich.

9. Iraq al-Amir, Wadi Seer

Im Wadi Seer westlich von Amman liegt Qasr al-Abd, ein hellenistischer Palast aus dem frühen 2. Jahrhundert v. Chr., der mit dem Tobiaden-Clan aus dem Buch Nehemia in Verbindung gebracht wird. Das Gebäude aus großen Kalksteinblöcken — manche der größten behauenen Steine der hellenistischen Welt — wurde durch ein Erdbeben zerstört und in den 1980er Jahren teilweise anastylotisch wiederaufgebaut. Das benachbarte Frauenhaus mit Relieffriesen und Adlerdarstellungen sowie nabatäische Grabhöhlen vervollständigen das Bild einer ausgedehnten Residenzlandschaft.

10. Aqaba (Ayla), Südliches Jordanien

Ayla, das antike Aqaba am Roten Meer, war eine der ersten islamischen Planstädte überhaupt, gegründet im späten 7. Jahrhundert n. Chr. kurz nach der islamischen Eroberung. Ausgrabungen haben ein orthogonales Straßennetz, eine zentrale Moschee — eine der ältesten der Welt — und Lagerhäuser freigelegt. Ältere Schichten dokumentieren die nabatäische und römische Präsenz in diesem strategisch wichtigen Hafen. Die Ausgrabungsstätten im Zentrum des modernen Aqaba sind frei zugänglich.

Praktische Hinweise

Die beste Reisezeit für Jordanien ist Oktober bis April, wenn die Temperaturen angenehm sind. Das Jordan Pass kombiniert das Einreisevisum mit Eintritten in über vierzig Sehenswürdigkeiten, darunter Petra, und lohnt sich für die meisten Besuchenden. Petra erfordert mindestens einen vollen Tag; für Jerash genügen drei bis vier Stunden. Ein Mietwagen oder ein organisierter Fahrer ist für Stätten abseits der Hauptstrecke empfehlenswert. Alle hier genannten Stätten sind auf der Karte mit genauen Koordinaten und weiteren Informationen eingetragen.