Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Albanien
Albanien ist eines der archäologisch reichsten und touristisch noch wenig überlaufenen Länder Südeuropas. Illyrer, Griechen, Makedonen, Römer und Byzantiner haben alle Spuren in diesem kleinen Balkanland hinterlassen, von perfekt erhaltenen griechischen Stadtmauern bis zu römischen Amphitheatern. Die Stätten sind hervorragend zugänglich und beeindruckend in ihrer Qualität – wer antike Ruinen ohne Massentourismus erleben möchte, ist in Albanien gut aufgehoben.
1. Butrint, Saranda
Butrint ist das Kronjuwel der albanischen Archäologie und seit 1992 UNESCO-Welterbe. Auf einer Halbinsel am Butrint-See, nahe der griechischen Grenze, überlagern sich Schichten von über zweieinhalb Jahrtausenden: ein griechisches Heiligtum des Asklepios aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., ein hellenistisches Theater, das zu den am besten erhaltenen seiner Art auf dem Balkan zählt, eine römische Thermenanlage, ein frühchristliches Baptisterium mit bemerkenswertem Mosaikboden aus dem 5./6. Jahrhundert n. Chr. und venezianische Festungstürme. Das Nationalpark-Gelände erlaubt ausgedehnte Spaziergänge durch die Schichten; der beste Ausgangspunkt ist Saranda an der Riviera.
2. Apollonia, Fier
Apollonia, gegründet von Korinthern und Kerkyräern um 588 v. Chr. auf einem Hügel über der Adria-Tiefebene, war eine der bedeutendsten Städte der östlichen Adriaküste. Caesar schätzte sie; Octavian, der spätere Augustus, verbrachte hier einen Teil seiner Jugend. Erhalten sind ein gut restauriertes Bouleuterion (Ratshaus), ein Odeon, Teile der griechisch-römischen Stadtmauern, mehrere Portiken und ein Museum auf dem Gelände des mittelalterlichen Klosters. Der Ort ist ganzjährig zugänglich und liegt nahe der Nationalstraße zwischen Fier und Vlora.
3. Byllis, Fier
Byllis, auf einem Felsplateau über dem Aoos-Tal (Vjosa), war eine illyrrische Stadt, die ab dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. hellenistisch überformt wurde. Die Stadtmauer aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. ist in Teilen noch auf beachtlicher Höhe stehend und misst insgesamt rund 2,2 Kilometer. Ein Theater, ein Prytaneion (Verwaltungsgebäude), Straßenpflaster und frühchristliche Basiliken geben einen Eindruck von der Stadtanlage. Byllis ist weniger bekannt als Butrint oder Apollonia, hat aber eine außergewöhnliche Lage und ist von archäologischem Wert.
4. Antigonea, Gjirokastra
Antigonea wurde um 270 v. Chr. von dem Epirianer König Pyrrhos für seine Frau Antigone gegründet und lag auf einem windigen Bergplateau im heutigen Südalbanien. Die Stadtmauern aus Kalksteinquadern, Straßengitter, Hausgrundrisse und ein zentraler Platz sind ausgegraben und teilweise konserviert. Ein Peristylhaus mit Mosaikböden zählt zu den elegantesten Wohnhausbefunden der hellenistischen Welt in der Region. Die Stätte liegt nahe Gjirokastra, einer osmanischen Altstadt mit eigenem UNESCO-Status.
5. Amantia, Vlorë
Amantia, ein weiteres illyrrisches Zentrum auf einem Bergrücken über der Adriaküste, besitzt eine der eindrucksvollsten erhaltenen Stadtmauern Albaniens – stellenweise noch mehrere Meter hoch, aus gut behauenen Kalksteinblöcken des frühen Hellenismus. Ein Stadion aus dem 4./3. Jahrhundert v. Chr. ist besonders interessant: Es handelt sich um eine der ältesten und besterhaltenen Sportanlagen der Antike in dieser Region. Die Aussicht über die Vjosa-Ebene und die Adria ist bemerkenswert; die Stätte liegt nahe der Stadt Vlorë.
6. Phoinike, Gjirokastra
Phoinike, auf einem Hügel bei Finiq im Südwesten Albaniens, war die bedeutendste Stadt der antiken Region Chaonia und zugleich ein wichtiges Zentrum von Epirus. Ihre Blüte lag im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr.; ein groß angelegtes Forschungsprojekt albanischer und italienischer Archäologen hat seit den 1990er Jahren Stadtmauern, Wohnviertel, Tempel und ein Prytaneion freigelegt. Die Inschriftenfunde sind zahlreich und belegen die politische und kulturelle Bedeutung des Ortes.
7. Dimal, Berat
Dimal, bei der heutigen Stadt Berat, war ein illyrrisches Zentrum, das im 2. Jahrhundert v. Chr. mehrfach in Auseinandersetzungen zwischen Rom und Makedonien erwähnt wird. Die Ausgrabungen haben Teile der hellenistischen Stadtmauer und ein Wohnviertel freigelegt. Berat selbst – eine osmanische Altstadt mit UNESCO-Welterbestatus – liegt in der Nähe.
8. Albanopolis, Kruja
Albanopolis, von antiken Autoren erwähnte Stadt der Labeaten und möglicherweise Vorläufer oder Namensgeber der Albaner, wird von manchen Forschern auf dem Hügel nahe Zgerdhesh bei Kruja lokalisiert. Ausgrabungen haben illyrisch-hellenistische Schichten und Stadtmauerreste ergeben. Kruja selbst ist für sein mittelalterliches Kastell und das Skanderbeg-Museum bekannt.
9. Shkodra (Scodra), Shkodra
Die Altburg von Rozafa oberhalb von Shkodra ist in ihrer heutigen Form mittelalterlich und osmanisch, steht aber auf dem Fundament der illyrischen und römischen Stadt Scodra, einst Hauptstadt des Labeatenreichs. Ausgrabungen innerhalb der Burg haben ältere Schichten freigelegt. Die Lage am Zusammenfluss von Drin und Buna ist strategisch brillant und erklärt, warum der Ort über zwei Jahrtausende kontinuierlich besiedelt war.
10. Oricum, Vlorë
Oricum, am nördlichen Eingang der Bucht von Vlora, war ein kleiner Hafen, den Caesar im Bürgerkrieg gegen Pompeius 48 v. Chr. als Stützpunkt nutzte. Überreste einer hellenistischen Stadtmauer und eines antiken Theaters wurden ausgegraben; der Ort ist weniger zugänglich und erschlossen als andere Stätten, aber historisch interessant.
Die meisten albanischen Stätten sind von Tirana, Gjirokastra oder Saranda aus tageweise gut erreichbar. Die beste Reisezeit ist Frühjahr und Herbst; die Ruinen sind in der Regel von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zugänglich. Die Karte öffnen, um die Verteilung der Stätten über Albanien zu erkunden.