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Stonehenge erklärt: Wie und warum der bekannteste Steinkreis der Welt gebaut wurde

Ein Denkmal mit langer Baugeschichte

Stonehenge auf der Salisbury Plain in Wiltshire ist nicht das Werk einer einzigen Generation. Was heute als charakteristisches Bild bekannt ist — die massiven Trilithone aus Sarsen-Sandstein, der äußere Steinkreis, die inneren Hufeisenformationen —, ist das Ergebnis einer Baugeschichte, die sich über mehr als andertausend Jahre erstreckte, von ungefähr 3000 bis 1500 v. Chr. Die Stätte war ein Ort, der über viele Generationen hinweg immer neu gestaltet wurde, nicht eine einmalige Erbauungsleistung.

Das macht Stonehenge zu einem der archäologisch komplexesten Monumente der britischen Vorgeschichte. Jede Forschungsgeneration hat neue Schichten seiner Geschichte freigelegt und ältere Interpretationen korrigiert. Was der Besucher heute sieht, ist das Ergebnis von Jahrhunderten teils sorgfältiger, teils zerstörerischer Ausgrabungen — und das Ergebnis von Restaurierungsmaßnahmen des frühen 20. Jahrhunderts, bei denen umgestürzte Steine aufgerichtet und mit Betonpfeilern gesichert wurden.

Phase I: Erdwerk und Pfostenlöcher

Die früheste Aktivität am Standort Stonehenge datiert in die Zeit um 3000 v. Chr. und ist für den heutigen Besucher unsichtbar. Eine kreisförmige Erdwallanlage — ein Graben mit innen- und außenseitigem Wall — wurde ausgehoben, mit einem Durchmesser von ungefähr achtzig bis neunzig Metern. Im Inneren des Erdwerks befinden sich die sogenannten Aubrey Holes, benannt nach dem Antiquar John Aubrey, der sie im 17. Jahrhundert dokumentierte: dreiundfünfzig kreisförmig angelegte Gruben, die möglicherweise ursprünglich hölzerne Pfosten aufnahmen.

Neuere Analysen von Knochen und Holzkohle aus den Aubrey Holes haben ergeben, dass die Gruben auch als Bestattungsort für kremierte menschliche Überreste dienten — über fünfzig Individuen wurden hier nachgewiesen. Die Stätte fungierte von Beginn an als Ort der Totengedenke oder der Ahnenverehrung, nicht als bloßer Versammlungsplatz.

Zu dieser Phase gehören auch hölzerne Pfostenanlagen außerhalb und innerhalb des Erdwerks, deren Spuren nur durch Ausgrabung sichtbar sind. Stonehenge war in seiner ersten Phase ein Monument aus Holz und Erde — die Steine kamen erst später.

Phase II: Die Blausteine

Um 2500 v. Chr. wurden die ersten Steine nach Stonehenge gebracht: die sogenannten Blausteine, blaugrau schimmernde Dolerit-Gesteine aus den Preseli Hills im walisischen Pembrokeshire, nahezu dreihundert Kilometer von Stonehenge entfernt. Wie sie transportiert wurden, ist eine der meistdiskutierten Fragen der britischen Vorgeschichte.

Zwei Haupthypothesen stehen sich gegenüber. Die ältere erklärt den Transport durch menschliche Kraft: Rollen aus Baumstämmen, Schlitten und Flöße ermöglichten den Landweg über die Hügel Südwales und den Wasserweg entlang der Küste und den Flüssen. Experimente haben gezeigt, dass dies prinzipiell möglich ist. Die jüngere Hypothese — 2021 von einer Forschergruppe um Mike Parker Pearson vertreten — legt nahe, dass ein Teil der Blausteine an einem anderen neolithischen Monument in Wales bereits aufgestellt war und erst dann abgebaut und nach Stonehenge überführt wurde. Dies würde bedeuten, dass Stonehenge nicht nur ein Monument war, sondern das 'Erbe' einer anderen heiligen Stätte aufnahm.

Die Blausteine wurden in Stonehenge zunächst in einer Doppelkreisanordnung aufgestellt — diese Anordnung wurde jedoch nie vollendet und später umgeordnet. Die heutige innere Ellipse und der innere Horseshoe aus Blausteinpfeilern sind das Ergebnis mehrerer Umbauphasen.

Phase III: Die Sarsen-Steine

Der spektakulärste Bau erfolgte um 2500 v. Chr., also etwa zeitgleich mit der ersten Blausteinphase oder kurz darauf: Fünfzig Tonnen schwere Sarsen-Sandsteinblöcke wurden aus den Marlborough Downs in der Grafschaft Wiltshire, etwa dreißig Kilometer nördlich von Stonehenge, herantransportiert. Die exakte Route und Methode des Transports ist noch immer nicht abschließend geklärt; Bodenpflugspuren und Geländeanalysen haben mögliche Trassen identifiziert, aber kein eindeutiger Beweis existiert.

Die Sarsensteine wurden vor Ort mit Bronze-ähnlichen Werkzeugen aus poliertem Stein und möglicherweise Kupferwerkzeug bearbeitet — die Oberflächen zeigen Pickhieb-Spuren. Ihre Anordnung ist ausgesprochen präzise: Die fünf Trilithone im inneren Hufeisen und der äußere Sarsenkreis, von dem ursprünglich dreißig aufrechte Steine mit dreißig Sturzksteinen bestanden, bilden ein geometrisch kohärentes Ensemble. Die Sturzkeine des äußeren Kreises wurden mit Zapfen-und-Loch-Verbindungen auf den aufrechten Steinen befestigt — eine Technik, die aus dem Holzbau übernommen wurde und in der Steinarchitektur weltweit nahezu einmalig ist.

Die astronomische Ausrichtung

Stonehenge ist auf den Sonnenaufgang der Sommersonnenwende ausgerichtet: Die Hauptachse des Monuments zeigt auf den Nordosten, wo die Sonne am längsten Tag des Jahres aufgeht. Die Heel Stone — ein einzelner, leicht geneigter Stein außerhalb des Hauptmonuments — markiert diese Richtung ungefähr. Ebenso fällt das Licht der Wintersonnenwende durch die Achse des Monuments in die entgegengesetzte Richtung.

Diese Ausrichtung war kein Zufall. Bereits in Phase I wurde die Erdwallanlage mit einem Eingang versehen, der auf den Sonnenwende-Aufgang ausgerichtet ist. Über alle Bauphasen hinweg blieb diese Ausrichtung erhalten und wurde verstärkt. Ob Stonehenge als Kalender diente, ob es bestimmten Ritualzeiten den Rahmen bot oder ob es eine kosmologische Aussage über die Beziehung zwischen Lebenden und Toten machte — all das ist Interpretation, aber die astronomische Ausrichtung selbst ist eine Tatsache.

Neuere Forschungen des Stonehenge Riverside Project haben ergeben, dass die Sommersonnenwende möglicherweise nicht die einzige Ausrichtung war: Die Wintersonnenwende, der kürzeste Tag des Jahres, könnte im neolithischen Ritualleben noch bedeutsamer gewesen sein, weil sie das Ende des Sterbens und den Beginn des Lichterwerdens markierte.

Wer baute Stonehenge?

DNA-Analysen an menschlichen Überresten aus der Umgebung von Stonehenge — aus den Aubrey Holes, aus nahe gelegenen Langbarrow-Gräbern und aus der später errichteten Amesbury Archer-Grabanlage — haben die genetische Herkunft der Erbauer klarer gezeichnet. Die neolithische Bevölkerung, die Stonehenge in seinen frühen Phasen errichtete, stammte genetisch von Bauerngesellschaften der Ägäischen Region ab, die sich zwischen 5500 und 4000 v. Chr. entlang der Atlantikküste nach Nordwesteuropa ausgebreitet hatten. Sie verdrängten weitgehend die ältere mesolithische Bevölkerung.

Ab ungefähr 2400 v. Chr. wanderten neue Bevölkerungsgruppen mit Steppe-Genen auf die britischen Inseln ein — die Glockenbecher-Leute, benannt nach ihrer charakteristischen Keramikform. Innerhalb weniger Generationen verdrängten sie die alte neolithische Bevölkerung genetisch fast vollständig. Es waren möglicherweise diese neuen Ankömmlinge, die die letzte und monumentalste Umbauphase von Stonehenge vollzogen — eine Überschneidung von genetischen und archäologischen Befunden, die noch nicht vollständig verstanden ist.

Stonehenge im Kontext

Stonehenge stand nicht allein. Das Stonehenge World Heritage Site, seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbe, umfasst die gesamte umgebende Kulturlandschaft: Avebury, das den größten Steinkreis der Welt und mehrere zugehörige Monumente enthält; die Avenue, eine zwei Kilometer lange beidseitig von Erdwällen eingefasste Prozessionsstraße, die Stonehenge mit dem Fluss Avon verband; das Durrington Walls Henge, ein riesiges Erdwerk wenige Kilometer entfernt, in dem die Erbauer von Stonehenge möglicherweise ihr Lager hatten; und zahlreiche Langhügel-Gräber und Rundhügel.

Das Durrington Walls Settlement, das Parker Pearsons Team ausgegraben hat, enthält die Überreste von Häusern und massive Mengen von Tierknochen — Rind und Schwein vor allem —, was auf große Festgelage hindeutet. Die These des Stonehenge Riverside Project lautet: Stonehenge war ein Ort der Toten und der Ahnen, Durrington Walls der Ort der Lebenden. Prozessionen verbanden beide entlang der Avenue und des Flusses.

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Was bleibt offen

Trotz intensiver Forschung bleiben viele Fragen offen. Welche Rituale wurden vollzogen? Welche Sprache sprachen die Erbauer? Welche Kosmologie steckte hinter der Anlage? Diese Fragen wird die Archäologie nicht beantworten können, weil wir keine schriftlichen Quellen haben und das Monument selbst stumm ist gegenüber dem inneren Erleben seiner Erbauer. Stonehenge fasziniert auch deshalb, weil es ein Monument des Wissens und der Unwissenheit zugleich ist.