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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen der Mongolei

Die Mongolei bewahrt in ihren endlosen Steppen und Flusstälern Spuren von Zivilisationen, die weit über das mongolische Kaiserreich des 13. Jahrhunderts hinausreichen. Schon in der Bronzezeit schufen nomadische Völker hier Hirschensteinstelen und gewaltige Grabhügel; die Türken und Uiguren errichteten Residenzstädte am Orkhon; die Mongolen selbst bauten die Hauptstadt einer Herrschaft, die sich von China bis Polen erstreckte. Was heute in der Steppe übrigbleibt, ist meist fragmentarisch und umso faszinierender: Erdwälle, gemeißelte Inschriften, das Fundament eines verschwundenen Weltreichs.

1. Karakorum (Kharkhorin), Övörkhangai-Aimag

Karakorum war von 1235 bis 1260 die Hauptstadt des Mongolischen Weltreichs unter Ögedei Khan und seinem Nachfolger Möngke Khan. Die Stadt beherbergte Botschafter aus Europa, China und Persien, besaß Tempel verschiedener Religionen und einen berühmten Silberbaum-Brunnen. Nach der Verlegung der Hauptstadt nach Khanbaliq (Peking) durch Kublai Khan verfiel Karakorum rasch. Von der Stadt selbst sind kaum oberirdische Strukturen erhalten; was bleibt, sind Erdwälle, der Granittempel Erdene Zuu unmittelbar daneben sowie zahlreiche archäologische Funde im örtlichen Museum. UNESCO-Welterbe als Teil des Orkhon-Tals. Das Museum in Kharkhorin zeigt beeindruckende Ausgrabungsfunde.

2. Orkhon-Tal, Övörkhangai-Aimag

Das Orkhon-Tal wurde von der UNESCO 2004 als Kulturlandschaft in die Welterbeliste aufgenommen und gilt als das kulturelle Herzstück der mongolischen Geschichte. Über mehr als zweitausend Jahre dienten die Ufer des Orkhon als Zentrum nomadischer Reiche: hier stand Karakorum, hier herrschten die Türken und Uiguren. Zu den sichtbaren Überresten zählen die Erdwälle von Karakorum, die Ruinen des uigurischen Palastes Tuvkhun und zahlreiche Kurgan-Grabhügel. Die Landschaft selbst – mit dem Orkhon-Wasserfall, Klosters und weidenden Herden – vermittelt den Eindruck einer lebendigen Kontinuität nomadischer Kultur von der Antike bis heute.

3. Khar Balgas (Ordu-Baliq), Övörkhangai-Aimag

Khar Balgas, auf Uigurisch Ordu-Baliq oder 'Palaststadt', war im 8. und 9. Jahrhundert die Hauptstadt des Uigurischen Kaganats. Die Anlage umfasste eine riesige Festung, einen Palastkomplex, Tempel und eine Unterstadt, die nach zeitgenössischen Quellen erheblichen Umfang hatte. Die Erdwälle sind heute noch eindrucksvoll erhalten und reichen bis zu zwölf Meter Höhe; im Inneren sind Grundrisse von Gebäuden erkennbar. Das Kaganat pflegte Handelsbeziehungen mit dem Abbasidischen Kalifat und Tang-China und war für kurze Zeit das mächtigste Reich Zentralasiens. Der Standort liegt unweit von Karakorum und lässt sich gut kombinieren.

4. Erdene Zuu-Kloster, Kharkhorin

Erdene Zuu wurde 1586 direkt auf den Grundmauern von Karakorum errichtet und ist damit das älteste erhaltene buddhistische Kloster der Mongolei. Die charakteristischen weißen Außenmauern mit 108 Stupas flankieren das Gelände auf drei Seiten; die Zahl 108 ist im tibetischen Buddhismus heilig. Im Inneren stehen drei Tempel aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die Kulminationspunkte mongolischer Sakralarchitektur darstellen. Während der stalinistischen Säuberungen der 1930er-Jahre wurden die meisten Tempel zerstört und Mönche erschossen; das Kloster überlebte als Museum. Heute ist Erdene Zuu wieder aktives Kloster und UNESCO-Welterbe. Geöffnet für Besucher täglich.

5. Bilge-Khagan-Denkmal, Khöshöö Tsaidam

Die Gedenkstätten von Khöshöö Tsaidam für Bilge Khagan und seinen Bruder Kül Tigin, beide aus dem 8. Jahrhundert n. Chr., zählen zu den bedeutendsten Zeugnissen der alttürkischen Kultur. Die Inschriften auf den Gedenksteinen sind in alttürkischer Runenssschrift verfasst und schildern ausführlich die Geschichte des zweiten Türkischen Kaganats. Bilge Khagan regierte von 716 bis 734 und errichtete das Reich nach einer Phase chinesischer Herrschaft neu. Die Stelen wurden von chinesischen Handwerkern im Auftrag der türkischen Herrscher angefertigt – ein einzigartiges Zeugnis kulturellen Austauschs. Die Stätte liegt im Orkhon-Tal und ist Teil des UNESCO-Welterbes.

6. Hirschensteine (Deer Stones), landesweit verbreitet

Die mongolischen Hirschensteine sind aufrecht stehende Steinplatten aus der Bronzezeit, grob datiert zwischen 1300 und 700 v. Chr., die mit stilisierten fliegenden Hirschen und anderen Symbolen gemeißelt sind. Mehr als 900 Exemplare wurden in der Mongolei dokumentiert, konzentriert im Norden und Westen des Landes. Die Steine stehen meist in der Nähe von Kurgan-Grabhügeln und markieren wahrscheinlich Grabgedenkstätten nomadischer Eliten. Die Deutung der Hirschmotive ist umstritten: Sie könnten Schamanen im Flug, Sonnengötter oder Ahnengeister darstellen. Das beeindruckendste Ensemble findet sich bei Ushkiin Uver, nahe Mörön in der Provinz Khövsgöl.

7. Chinggis-Khagan-Denkmal und Avraga, Khentii-Aimag

In der Provinz Khentii, dem Geburtsgebiet von Dschingis Khan, liegt die archäologische Stätte Avraga, die als die erste Hauptstadt des Mongolischen Reichs identifiziert wurde – noch vor Karakorum, aus der Zeit um 1200 n. Chr. Ausgrabungen japanischer und mongolischer Teams haben Strukturen eines Palastkomplexes, Handwerksareale und Hinweise auf rituelle Aktivitäten freigelegt. Das Gebiet gilt außerdem als möglicher Standort des legendären Grabes von Dschingis Khan, das bis heute nicht gefunden wurde. Die Region ist ein Pilgerort für mongolische Nationalisten und Geschichtsenthusiasten gleichermaßen.

8. Khögnö Khaan, Bulgan-Aimag

Das Kloster Khögnö Khaan liegt malerisch an den Felshängen des Khögnö-Khan-Gebirges und gehört zu den besterhaltenen Klosterruinen der Mongolei. Im 17. Jahrhundert gegründet, wurde es im 18. Jahrhundert zu einem bedeutenden Zentrum des mongolischen Buddhismus mit mehreren Tempeln und Hunderten von Mönchen. Wie Erdene Zuu litt es unter den sowjetischen Säuberungen der 1930er-Jahre. Die Ruinen des großen Tempels, teilweise restauriert, sind eindrucksvoll; in einer Felsenhöhle darüber befindet sich ein kleines aktives Tempel. Der Zugang erfolgt über eine Sandwüstenlandschaft, die zum Nomadenerlebnis beiträgt.

9. Tavan Tolgoi-Grabhügel, Bayanhongor-Aimag

Die Tavan-Tolgoi-Grabhügelgruppe im Süden der Mongolei repräsentiert die Bestattungskultur der xiongnu-zeitlichen Steppenvölker, grob datiert zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. Die Xiongnu stellten das erste bedeutende Steppenreich der Mongolei dar und waren die Rivalen des Han-Dynastischen China, das seinetwegen große Abschnitte der Großen Mauer errichtete. Ausgrabungen haben Bronzewaffen, chinesische Seide und Luxusgüter zutage gefördert, die von intensiven Handelskontakten zeugen. Die Grabhügel selbst sind kreisförmige Erdhaufen, teils mit Steinkreisen umgeben; ihre schiere Zahl vermittelt einen Eindruck der demographischen Dichte dieser alten Steppenbevölkerung.

10. Ulaankhus-Felszeichnungen, Bayan-Ölgii-Aimag

Im äußersten Westen der Mongolei, im Altai-Gebirge nahe der Grenze zu Kasachstan, finden sich bei Ulaankhus Felszeichnungen, die mehrere Jahrtausende umspannen – von paläolithischen Tierdarstellungen bis zu bronzezeitlichen Szenen von Jagd und Tanz. Ähnliche Petroglyphen-Komplexe existieren in der gesamten mongolischen Altairegion; der Tsagaan Salaa-Komplex ist besonders reich dokumentiert. Die Bilder zeigen Schneeleoparden, Argali-Wildschafe, Bären und Reitersoldaten in einer chronologischen Abfolge, die das Bild einer sich wandelnden Steppenwelt ergibt. Viele dieser Felszeichnungsgebiete werden für die UNESCO-Nominierung vorbereitet.

Praktische Hinweise

Die beste Reisezeit für die mongolischen Archäologiestätten ist von Juni bis September, wenn die Steppen zugänglich und die Temperaturen angenehm sind. Das Orkhon-Tal mit Karakorum und Khar Balgas ist über eine asphaltierte Straße von Ulaanbaatar erreichbar; entlegenere Stätten erfordern Geländefahrzeuge und lokale Reiseführer. Für die westlichen Provinzen empfehlen sich organisierte Touren. Alle Stätten auf der Karte erkunden.