Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Israel
Israel ist ein Land, dessen Boden buchstäblich mit Geschichte durchtränkt ist. Auf engstem Raum überlagern sich Zivilisationen — Kanaanäer, Philister, Israeliten, Assyrer, Babylonier, Perser, Griechen, Römer, Byzantiner, Kreuzfahrer und Osmanen hinterließen alle Spuren, die Archäologen seit dem 19. Jahrhundert systematisch freilegen. Kaum ein anderes Land der Erde bietet eine solche Dichte bedeutender Stätten auf so kompakter Fläche. Die Ausgrabungsstätten Israels sind keine versteckten Geheimtipps, sondern Orte von weltgeschichtlichem Rang, die Pilger, Historiker und Abenteurer gleichermaßen anziehen.
1. Masada, Judäische Wüste
Auf einem freistehenden Felsplateau über dem Toten Meer ließ König Herodes der Große um 37–31 v. Chr. eine der spektakulärsten Palastfestungen der Antike errichten. Masada vereint zwei Paläste — darunter den dreigeschossigen Hängepalast an der Nordklippe — mit Bädern im römischen Stil, Zisternen, Waffenlagern und Kasematten-Mauern. Weltberühmt wurde die Stätte durch die Belagerung von 73 n. Chr., als römische Legionen unter Flavius Silva eine neun Kilometer lange Circumvallationsmauer errichteten und eine Rampe aufschütteten. Das UNESCO-Welterbe gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Israels; eine Seilbahn erleichtert den Aufstieg, alternativ führt der Schlangenweg zu Fuß hinauf.
2. Caesarea Maritima, Mittelmeerküste
Die von Herodes dem Großen zwischen 22 und 10 v. Chr. erbaute Hafenstadt war eine der größten technischen Leistungen der Antike. Der künstliche Tiefseehafen Sebastos, geschaffen durch den Einsatz von hydraulischem Puzzolanmörtel unter Wasser, ermöglichte die wirtschaftliche Vernetzung der Region mit dem gesamten Mittelmeerraum. Erhalten sind ein Amphitheater, das noch heute als Konzertbühne dient, ein Hippodrom, ein Pretorianspalast auf einer Halbinsel sowie beeindruckende Überreste des Aquädukts, der Frischwasser aus dem Karmelgebirge heranführte. Das Nationalpark-Gelände ist weitläufig und lässt sich gut in zwei bis drei Stunden erkunden.
3. Beit She'an, Jesreeltal
Beit She'an ist eine der am besten erhaltenen römischen Städte des Nahen Ostens und gleichzeitig eine der am längsten kontinuierlich bewohnten Orte der Welt — die Besiedlungsgeschichte reicht bis ins 5. Jahrtausend v. Chr. zurück. Die hellenistisch-römische Stadt Scythopolis, Hauptort der Dekapolis, blühte zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert n. Chr. auf. Erhalten sind eine gepflasterte Hauptstraße (Cardo), Säulenhallen, Thermen, ein Theater für etwa sieben- bis achttausend Zuschauer sowie ein Nymphäum. Ein schweres Erdbeben im Jahr 749 n. Chr. beendete das städtische Leben abrupt — die eingefrorene Zerstörungsschicht ist im Gelände deutlich ablesbar.
4. Megiddo (Armageddon), Jesreeltal
Der Hügel von Megiddo — hebräisch Har Megiddo, daraus griechisch Armageddon — überblickt den wichtigsten Landweg zwischen Ägypten und Mesopotamien. Auf dem Tell liegen die Überreste von mehr als zwanzig übereinander geschichteten Siedlungen aus rund fünftausend Jahren Stadtgeschichte. Besonders eindrucksvoll sind die salomonischen Tore aus dem 10. Jahrhundert v. Chr., ein tiefes unterirdisches Wassersystem aus der Zeit Ahabs (9. Jahrhundert v. Chr.) sowie kanaanäische Kultanlagen. Das UNESCO-Welterbe (gemeinsam mit Hazor und Beer-Sheva) ist für Besucher gut erschlossen; der unterirdische Tunnel ist begehbar.
5. Avdat (Oboda), Negev-Wüste
Avdat war ein zentraler Karawanserei-Ort an der Weihrauchstraße, gegründet von den Nabatäern im 3. Jahrhundert v. Chr. und nach dem nabatäischen König Obodas benannt. Die Nabatäer, jenes rätselhafte Handelsvolk aus Petra, beherrschten die Wassergewinnung in der Wüste meisterhaft — ihre ausgeklügelten Zisternen und Terrassenfelder versorgen auch heute noch die lokale Landwirtschaft mit Wasser. Byzantinische Kirchen aus dem 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. überlagern die nabatäischen Schichten. Die Stätte, Teil des UNESCO-Welterbes der Weihrauchstraße, liegt auf einem Plateau mit weitem Blick über die Negev-Wüste.
6. Capernaum, Ufer des Sees Genezareth
Das antike Kafarnaum am Nordufer des Sees Genezareth war in der Spätantike eine bedeutende jüdische Fischerstadt und spielt im Neuen Testament eine herausragende Rolle als Wirkungsstätte Jesu. Die Ausgrabungen haben eine gut erhaltene Synagoge aus dem 4.–5. Jahrhundert n. Chr. freigelegt, die sehr wahrscheinlich über einer früheren Synagoge aus dem 1. Jahrhundert erbaut wurde. Daneben sind die Überreste eines Oktagonalbaus des 5. Jahrhunderts sichtbar, der traditionell über dem Haus des Petrus errichtet wurde. Die Franziskaner verwalten einen Teil des Geländes; der Besuch erfordert Rücksicht auf den religiösen Charakter des Ortes.
7. Hazor, Obergaliläa
Hazor war in der Bronzezeit die größte kanaanäische Stadt Kanaans — nach biblischer Überlieferung das 'Haupt aller dieser Königreiche'. Die Stätte umfasst einen oberen Tell mit Schichten aus der Mittleren Bronzezeit bis in die israelitische Epoche sowie eine weitaus größere untere Stadt aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Ein beeindruckendes unterirdisches Wasserversorgungssystem aus der Zeit Ahabs, vergleichbar jenem in Megiddo, zählt zu den technischen Höhepunkten. Hazor ist gemeinsam mit Megiddo und Beer-Sheva als UNESCO-Welterbe anerkannt. Ausgrabungen der Hebräischen Universität Jerusalem haben die Stätte seit den 1950er Jahren systematisch erschlossen.
8. Tel Beer-Sheva, Negev
Tel Beer-Sheva, das biblische Beersheba, war eine bedeutende Grenzfestung des Königreichs Juda im 10.–8. Jahrhundert v. Chr. Die Stadtgrabungen haben ein mustergültiges Beispiel eisenzeitlicher Stadtplanung freigelegt: ein konzentrisch angelegtes Straßensystem, ein Tor mit Torplatz sowie ein tiefes Wassersystem. Besonders bemerkenswert ist ein großer steinerner Altar, der vermutlich im 8. Jahrhundert v. Chr. zerstört wurde — möglicherweise im Rahmen der Kultreformen König Hiskias. Als Teil des UNESCO-Welterbes 'Biblische Hügel' ist Tel Beer-Sheva ein Musterbeispiel dafür, wie archäologische Befunde mit schriftlichen Quellen korrespondieren.
9. Akko (Ptolemaïs / Acre), Mittelmeerküste
Unter der osmanischen Altstadt von Akko, selbst ein UNESCO-Welterbe, verbergen sich die weitläufigen Gewölbe der Kreuzfahrerstadt des 12. und 13. Jahrhunderts. Die freigelesten Ritterresidenzen, der Rittersaal, die Zitadelle und die unterirdischen Tunnel geben einen einzigartigen Einblick in das städtische Leben der Kreuzfahrerzeit. Ältere Schichten — hellenistisch, phönizisch — wurden ebenfalls dokumentiert. Die unterirdischen Anlagen sind weitgehend zugänglich; der Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die noch bewohnte osmanische Altstadt verbinden.
10. Beth Guvrin – Maresha, Schefela
Beth Guvrin–Maresha ist eine der faszinierenden Unterweltstädte Israels: unter sanftem Hügelland verbirgt sich ein Labyrinth aus hunderten in Kreidestein gehauenen Höhlen, entstanden zwischen dem 8. Jahrhundert v. Chr. und der byzantinischen Zeit. Die phönizischen und idumäischen Bewohner nutzten die Höhlen als Ölpressen, Taubenschläge, Zisternen, Bäder und Grabkammern. Die römische Stadt Eleutheropolis entwickelte sich später über dem Gelände. Das UNESCO-Welterbe verfügt über ausgedehnte, gut beleuchtete Höhlensysteme, in denen auch Familien mit Kindern problemlos mehrere Stunden verbringen können.
Praktische Hinweise
Israel ist ganzjährig bereisbar, doch die angenehmste Reisezeit liegt zwischen März und Mai sowie Oktober und November, wenn die Temperaturen moderat sind. Masada und Beit She'an sind über die gut ausgebauten Nationalstraßen bequem mit dem Mietwagen erreichbar; ein Fahrzeug ist für die Planung einer Route durch mehrere Stätten dringend empfohlen. Eintrittskarten für Nationalparks können als Kombiticket günstig erworben werden. Das Israel Antiquities Authority-Portal bietet tagesaktuelle Öffnungszeiten. Um alle verzeichneten Stätten auf einer interaktiven Karte zu entdecken und zu vergleichen, öffnen Sie die Karte — dort sind Hunderte israelischer Ausgrabungsstätten mit Lage, Epoche und Zugangsinformationen verzeichnet.