Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Indonesien
Indonesien ist eine der großen Schatzkammern der asiatischen Antike. Auf den Inseln des heutigen Archipels blühten über anderthalb Jahrtausende hinduistische und buddhistische Königreiche, die mit Südindien, Sri Lanka, China und Indien in intensivem Austausch standen und Bauwerke von weltrangiger Bedeutung schufen. Java allein besitzt zwei der am besten erhaltenen religiösen Monumentalanlagen Asiens. Sumatra war das Zentrum des Srivijaya-Reiches, eines der einflussreichsten maritimen Reiche der Welt. Und auf Bali haben sich lebendige Traditionen hinduistischer Architektur und Ritual bis heute erhalten.
1. Borobudur, Zentraljava
Borobudur ist das größte buddhistische Monument der Welt — eine neunstufige Tempelanlage auf einem natürlichen Hügel, die im frühen 9. Jahrhundert n. Chr. unter der Sailendra-Dynastie errichtet wurde. Die gesamte Anlage funktioniert als begehbares Mandala: Wer die äußeren Galerien umschreitet und aufsteigt, vollzieht symbolisch den Weg zur Erleuchtung. Über 2.600 Reliefpaneele erzählen buddhistische Texte und das kosmische Weltbild in Stein; 72 durchbrochene Stupas auf den obersten Terrassen beherbergen Buddhastatuen. Borobudur war Jahrhunderte lang im vulkanischen Buschwerk verborgen, ehe britische und niederländische Kolonialverwaltungen es im 19. Jahrhundert freilegten. UNESCO-Welterbe seit 1991.
2. Prambanan, Zentraljava
Prambanan, wenige Kilometer östlich von Yogyakarta gelegen, ist der prächtigste hinduistische Tempelkomplex Indonesiens und Südostasiens. Errichtet im späten 9. Jahrhundert n. Chr. unter den Mataram-Königen, ist die Anlage dem Trimurti — Brahma, Vishnu und Shiva — geweiht. Der Haupttempel (Candi Shiva) erhebt sich 47 Meter hoch; seine inneren Reliefgalerien mit Szenen aus dem Ramayana gehören zu den besten steingehauenen Erzählungen Asiens. Das 2006er Erdbeben beschädigte mehrere Strukturen erheblich; Restaurierungsarbeiten dauern an. UNESCO-Welterbe seit 1991.
3. Trowulan, Ostjava
Trowulan war die Hauptstadt des Majapahit-Reiches, des mächtigsten hinduistisch-buddhistischen Reiches der Geschichte Indonesiens, das im 14. und frühen 15. Jahrhundert einen Großteil des Archipels und Teile der malaiischen Halbinsel kontrollierte. Heute liegt das Gebiet in der Tiefebene Ostjavas, und unter den Reisfeldern und Dörfern ruht die antike Stadt. Ausgrabungen haben Ziegelbauwerke, Kanalsysteme, Badeanlagen und Tempelstrukturen freigelegt; das Museum Trowulan besitzt eine der besten Sammlungen von Majapahit-Kunstwerken. Strukturen wie Candi Tikus und Candi Brahu sind zugänglich.
4. Ratu Boko, Zentraljava
Ratu Boko liegt auf einem Hochplateau südöstlich von Prambanan und war vermutlich eine königliche Residenzanlage — keine reine Tempelanlage — aus dem späten 8. und frühen 9. Jahrhundert n. Chr. Das Ensemble umfasst Tore, Höfe, eine Cremationsanlage, Candi Pembakaran, und Überreste von Palastgebäuden. Die genaue Nutzung und dynastische Zugehörigkeit sind noch diskutiert; wahrscheinlich wechselte der Ort zwischen buddhistischen Sailendra- und hinduistischen Sanjaya-Herrschern. Die Aussicht auf Prambanan und den Merapi vom Plateau bei Sonnenuntergang ist einer der schönsten Momente in ganz Java.
5. Muaro Jambi, Sumatra
Muaro Jambi im Herzen Sumatras war das religiöse und politische Zentrum des Srivijaya-Reiches und eines seiner Nachfolgestaaten, Melayu. Der Tempelbezirk erstreckt sich über rund 12 Kilometer entlang des Batanghari-Flusses und umfasst mehr als 80 identifizierte Baustrukturen — Candi, Mauern, Kanäle — von denen bislang nur ein Bruchteil freigelegt wurde. Muaro Jambi war ein wichtiger Anziehungspunkt für buddhistische Pilger und Gelehrte zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert n. Chr. und steht auf der indonesischen Tentativliste für die UNESCO-Welterbeliste.
6. Candi Gedong Songo, Zentraljava
Gedong Songo ('neun Gebäude') ist ein Komplex von neun hinduistischen Tempeln, verteilt auf einem Berghang des Ungaran-Vulkans auf rund 1.200 Meter Höhe. Die Tempel stammen aus dem 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. und wurden dem Shiva geweiht. Was Gedong Songo besonders macht, ist die Einbettung in eine vulkanische Hochlandlandschaft mit Heißwasserquellen und Schwefelfeldern; Pferde können für die Trekkingroute zwischen den Tempeln gemietet werden. Die Anlage ist touristisch zugänglich, aber wenig bekannt außerhalb Javas.
7. Candi Sukuh, Zentraljava
Candi Sukuh auf dem Westhang des Lawu-Vulkans nahe Solo ist einer der ungewöhnlichsten Tempelkomplexe Javas. Errichtet im frühen 15. Jahrhundert n. Chr., zur Endzeit des Majapahit-Reiches, zeigt er eine archaisch-rohe Ästhetik, die mit den klassischen javanischen Tempelbauten wenig gemein hat: truncated pyramid-Formen, phallische Symbolik und erotische Reliefs. Die Interpretation ist noch nicht abschließend; möglicherweise handelt es sich um ein tantrisches Heiligtum. Candi Sukuh ist schwer zugänglich, aber für Indonesien-Spezialisten ein Pflichttermin.
8. Gunung Kawi, Bali
Im Tal des Pakrisan-Flusses auf Bali liegt Gunung Kawi — ein Ensemble von zehn großen Schrein-Nischen, direkt in den Fels der Flussterrassen gemeißelt, umgeben von alten Reisterrassen und Kokospalmen. Die Anlage aus dem 11. Jahrhundert n. Chr. ist dem Gedächtnis königlicher Vorfahren geweiht. Steep Treppen führen hinab in die Schlucht; das Gesamtbild ist außerordentlich. Bali besitzt zahlreiche solcher eindrücklichen Ruinen-Landschaften; Gunung Kawi gehört zu den beeindruckendsten.
9. Candi Bima, Dieng-Hochplateau, Zentraljava
Das Dieng-Plateau — ein Kraterfeld auf rund 2.000 Meter Höhe in Zentraljava — beherbergt die ältesten erhaltenen hinduistischen Tempel Javas, entstanden im 8. Jahrhundert n. Chr. unter den frühen Mataram-Herrschern. Von einst Hunderten von Candi (Tempeln) sind heute noch mehrere erhalten, darunter die Arjuna-Gruppe und der besondere Candi Bima mit seinem nordindisch inspirierten shikhara-Turm. Das Plateau ist bekannt für seine aktiven Krater, Schwefelquellen und Nebelschwaden; der Besuch bei Sonnenaufgang vor dem Anstieg der Temperaturen ist der klassische Reisemodus.
10. Prambanan-Umland: Candi Kalasan und Candi Sari
Unmittelbar im Umfeld von Prambanan liegen mehrere frühere buddhistische Tempel des 8. Jahrhunderts n. Chr., die dem Großkomplex zeitlich vorangehen. Candi Kalasan — geweiht der Tara, einer bodhisattva-Gottheit — besitzt noch Reste von Vajralepa-Putzmörtel mit feinen Reliefs auf der Außenwand; Candi Sari nebenan war ein buddhistisches Klosterkomplex. Beide Bauten belegen, wie eng hinduistische und buddhistische Traditionen auf Java in dieser Periode koexistierten und rivalisierten. Sie liegen nur wenige Minuten Fahrt von Prambanan entfernt.
Praktische Hinweise
Yogyakarta ist der beste Ausgangspunkt für Borobudur, Prambanan, Ratu Boko und die umliegenden Candi. Borobudur beim Sonnenaufgang ist ein besonderes Erlebnis; Tickets für die Sonnenaufgangsplattform sind online buchbar. Trowulan ist per Bahn von Surabaya aus erreichbar. Die Dieng-Hochebene verlangt eine Über nachtung vor Ort für den frühen Aufstieg. Alle Stätten auf der Karte entdecken.