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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Ungarn

Das heutige Ungarn liegt inmitten des Karpatenbeckens und war in der Antike Teil der römischen Provinz Pannonien — einer der am stärksten urbanisierten Grenzprovinzen des Imperiums. Entlang der Donau errichteten die Römer eine Kette von Legionslagern und Zivilstädten, deren Ruinen heute unter modernen Großstädten wie Budapest oder Szombathely schlummern. Davor durchzogen keltische Stämme das Land, hinterließen Oppida und Kunstwerke von hohem Niveau; danach kamen Hunnen, Awaren, Ungarn. Die Schichten sind zahlreich, und Ungarn ist für die Archäologie Mitteleuropas von unschätzbarem Wert.

1. Aquincum, Budapest

Aquincum war die Hauptstadt der römischen Provinz Pannonia Inferior und liegt heute im Stadtgebiet von Budapest (Bezirk Óbuda). Die Stadt entwickelte sich aus einem Legionslager des 1. Jahrhunderts n. Chr. zu einer Zivilstadt, die im 2. und frühen 3. Jahrhundert möglicherweise 30.000–40.000 Einwohner zählte. Freigelegt und im Freilichtmuseum zugänglich sind Reste von Straßen, Thermen, einem Amphitheater (dem größten erhaltenen nördlich der Alpen), einem Mithraeum und einem Händlerviertel. Das angegliederte Aquincum-Museum präsentiert Mosaikböden, Skulpturen und eine einzigartig erhaltene Wasserorgel (hydraulis) aus dem 3. Jahrhundert. Nationaldenkmal.

2. Gorsium (Tác), Komitat Fejér

Gorsium bei Tác in der ungarischen Tiefebene ist das am vollständigsten ausgegrabene pannonische Provinzheiligtum und war im 2. und 3. Jahrhundert das religiöse Zentrum der Provinz Pannonia Inferior. Der ausgedehnte Tempelbezirk, ein großes Theater und ein Palastkomplex des Statthalters sind im Gelände markiert und im Freilichtmuseum zugänglich. Jährlich finden hier Freiluftveranstaltungen im Rahmen des 'Floralia'-Festivals statt, das antike Spielzeuge und Handwerke rekonstruiert. Für Archäologiereisende außerhalb Budapests ist Gorsium eine der lohnendsten Stätten Ungarns.

3. Sopron (Scarbantia), Westungarn

Sopron (das antike Scarbantia) liegt nahe der österreichischen Grenze und war ein wichtiger Knotenpunkt an der Bernsteinstraße. Im Stadtzentrum sind Reste des römischen Forums, darunter ein nahezu vollständig erhaltener Kapitolstempel-Podest, zwischen Barockhäusern sichtbar. Das Fabricius-Haus am Hauptplatz beherbergt lapidare Funde, darunter Skulpturen und Inschriften. Sopron besitzt auch eine der besterhaltenen mittelalterlichen Innenstädte Ungarns, sodass der Besuch mehrere Zeitschichten verbindet. Die keltische Vorgängersiedlung Scarabantia aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. ist durch Grabfunde im Lokalmuseum dokumentiert.

4. Savaria (Szombathely), Westungarn

Szombathely — das antike Savaria — war eine der ältesten und bedeutendsten Kolonialstädte Pannoniens, gegründet unter Kaiser Claudius um 45 n. Chr. als erste reguläre Kolonie der Provinz. Kaiser Konstantin der Große wurde hier möglicherweise (nach einigen Quellen) 272 n. Chr. als Sohn einer lokalen Mutter geboren. Das Iseum in Szombathely ist das besterhaltene Isis-Heiligtum nördlich der Alpen: In einem Freiluftmuseum sind die Fundamentreste und Skulpturen des Isis-Serapis-Tempels aus dem 2.–3. Jahrhundert n. Chr. präsentiert. Das Savaria Museum besitzt eine der bedeutendsten provinzialrömischen Sammlungen Ungarns.

5. Pécs (Sopianae), Südungarn

Pécs war im 4. Jahrhundert das Zentrum des frühen Christentums in Pannonien und bewahrt unter der mittelalterlichen Altstadt ein außergewöhnliches System von frühchristlichen Grabanlagen aus dem 4. Jahrhundert. Die Wandmalereien in den unterirdischen Grabkammern — Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, Aposteldarstellungen, symbolische Motive — sind von höchster Qualität und zu den bedeutendsten altchristlichen Bildwerken nördlich des Mittelmeers zu rechnen. Die Katakomben und Cella Trichora sind zugänglich; vier Mausoleen sind UNESCO-Welterbe seit 2000. Über der Erde ist die romanisch-gotische Bischofsbasilika ein weiterer Palimpsest dieser Schichten.

6. Brigetio (Komárom/Szőny), Nordungarn

Brigetio an der Donau bei Komárom war ein wichtiges Legionslager der Legio I Adiutrix und daneben eine blühende Zivilstadt. Im 2. und 3. Jahrhundert war die Stadt ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum; Glaswerkstätten und Töpfereien haben Funde von überregionaler Qualität hinterlassen. Das Kulturmuseum Komárom zeigt bedeutende Skulpturen und Inschriften aus dem Legionslager; mehrere Mosaiken sind erhalten. Das Stadtgebiet liegt teilweise unter dem modernen Komárom; systematische Ausgrabungen sind im Gange.

7. Keltische Oppida: Velem-Szentvid und Süttő

Ungarn besitzt mehrere wichtige keltische Höhensiedlungen. Velem-Szentvid im Transdanubischen Mittelgebirge war ein bedeutendes Zentrum der keltischen Metallverarbeitung im 4. bis 1. Jahrhundert v. Chr., bekannt für hochwertige Bronzefibeln und Glasperlen. Süttő an der Donau war ein weiteres keltisches Oppidum mit gut erhaltenen Wallanlagen. Beide Stätten sind für Spezialreisende lohnend; die archäologischen Funde befinden sich in den regionalen Museen sowie im Nationalmuseum Budapest.

8. Pannonhalma-Abtei und frühchristliche Vorgänger, Westungarn

Die Benediktinerabtei Pannonhalma (UNESCO-Welterbe seit 1996) wurde 996 gegründet und ist die älteste erhaltene Klosteranlage Ungarns. Die Abtei steht auf einem Hügel, auf dem auch vorchristliche Kultpraktiken und eine spätantike Befestigung nachgewiesen wurden. Im Untergeschoss der Basilika sind frühmittelalterliche Fundamente sichtbar. Die Abtei selbst ist kein archäologisches Ruinenfeld, sondern ein lebendiger Klosterkomplex mit Archiv, Weingut und Museum, der aber für Verständnis der Kontinuität zwischen Römerzeit, Völkerwanderungszeit und ungarischem Mittelalter unverzichtbar ist.

9. Esztergom (Strigonium), Nordungarn

Esztergom an der Donauknie war die erste Hauptstadt des mittelalterlichen ungarischen Königreichs und der Bischofssitz, der das Christentum in Ungarn organisierte. Unter der Burganlage liegen gut dokumentierte spätrömische Schichten: Ein palatiales Gebäude aus dem 4. Jahrhundert, möglicherweise ein kaiserlicher Stützpunkt, wurde bei Ausgrabungen freigelegt. Die Reste des Palastes von König Stephan dem Heiligen (um 1000 n. Chr.) und seiner romanischen Palastkapelle sind im Burgmuseum präsentiert. Esztergom ist damit ein außergewöhnlicher Ort, der spätrömische, großmährische und frühe ungarische Schichten miteinander verbindet.

10. Veszprém und die awarischen Ringwälle

Im transdanubischen Ungarn sind mehrere großräumige Ringwälle (auf Ungarisch: körsáncok) erhalten, die der Awarenzeit (568–ca. 800 n. Chr.) zugeschrieben werden. Diese Erdbefestigungen, die kreisförmige oder viereckige Flächen von bis zu mehreren Quadratkilometern umschließen, sind in der Flur noch erkennbar und werden durch moderne Luftbildarchäologie neu kartiert. Im Gebiet von Veszprém und Zalakomár sind besonders gut erhaltene Beispiele dokumentiert. Das Balatoni Múzeum in Keszthely zeigt awarische Grabfunde, die Einblick in die materielle Kultur dieser zentralasiatischen Reitervölker geben.

Praktische Hinweise

Budapest ist der ideale Ausgangspunkt für eine archäologische Ungarnreise. Aquincum ist direkt mit der HÉV-Stadtbahn von der Innenstadt aus erreichbar. Pécs, Szombathely und Sopron liegen alle innerhalb von zwei bis drei Stunden per Zug von Budapest. Gorsium erfordert einen Mietwagen. Das Ungarische Nationalmuseum in Budapest bietet die beste prähistorische und provinzialrömische Sammlung des Landes und ist ein unverzichtbarer erster Anlaufpunkt. Karte öffnen um alle kartierten archäologischen Stätten Ungarns zu erkunden.