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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Frankreich

Frankreich ist ein archäologisches Palimpsest. Unter dem Land, das César in seinen Kommentaren als Gallien bezeichnete, liegen Schichten prähistorischer Kulturen, keltischer Oppida, griechischer Kolonialstädte und einer der dichtesten Konzentrationen römischer Provinzbaukunst nördlich der Alpen. Die Megalithkulturen der Bretagne hinterließen Monumentallandschaften, die jene in England an Umfang übertreffen. Provinzstädte wie Nîmes und Orange bewahren Bauwerke, die selbst in Rom keine Entsprechung mehr haben. Wer das antike Frankreich verstehen will, muss weit über Paris hinausschauen — in den Süden, in die Bretagne, ins Burgund.

1. Pont du Gard, Gard

Das Pont du Gard ist das am besten erhaltene römische Aquädukt-Brückenbauwerk der Welt und das höchste, das die Römer jemals errichteten — knapp 49 Meter über dem Fluss Gardon. Es entstand um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. als Teil eines rund 50 Kilometer langen Aquädukt-Systems, das die Quelle bei Uzès mit der Stadt Nîmes verband. Die drei Bogenreihen aus Kalksteinquadern wurden ohne Mörtel gefügt. Das Gefälle des Wasserlaufs beträgt auf der gesamten Strecke nur rund 17 Meter. UNESCO-Welterbe seit 1985. Das Museum am Ufer erklärt die Ingenieurleistung anschaulich; Schwimmen unterhalb der Brücke ist erlaubt.

2. Arena von Nîmes, Gard

Das Amphitheater von Nîmes, errichtet im späten 1. Jahrhundert n. Chr., zählt zu den besterhaltenen seiner Art weltweit. Es fasste ursprünglich rund 24.000 Zuschauer und diente bis weit ins Mittelalter vielfältigen Zwecken — von der Festung bis zur Wohnsiedlung. Heute finden im Oval wieder Stierkämpfe und Konzerte statt; die Akustik und Atmosphäre sind bemerkenswert. Die äußere Fassade mit ihren zwei Arkadenreihen und dem Attikagesch steht fast vollständig. Das nahe gelegene Maison Carrée, ein außergewöhnlich gut erhaltener römischer Tempel aus der Zeit des Augustus, ergänzt das Nîmes-Ensemble.

3. Théâtre Antique de Orange, Vaucluse

Das römische Theater von Orange bewahrt eine Besonderheit, die sonst nirgendwo in der antiken Welt überlebt hat: die vollständige Bühnenwand — die sogenannte scaenae frons — mit einer Höhe von fast 37 Metern. Ludwig XIV. nannte sie die 'schönste Wand meines Königreichs'. Das Theater entstand unter Augustus und fasste Schätzungen zufolge über 9.000 Zuschauer. Im Sommer finden hier die Chorégies d'Orange statt, eines der ältesten Opernfestivals Frankreichs. UNESCO-Welterbe (gemeinsam mit dem benachbarten Triumphbogen) seit 1981.

4. Glanum, Bouches-du-Rhône

Glanum bei Saint-Rémy-de-Provence war eine keltisch-ligurische Siedlung, die von den Griechen aus Massalia (Marseille) überprägt und schließlich in der Kaiserzeit vollständig romanisiert wurde. Ausgegraben wurden ein Forum, Tempel, Thermen, ein hellenistisches Heiligtum und Wohnhäuser. Unmittelbar an der Ausgrabungsstätte stehen zwei der besterhaltenen römischen Monumente Frankreichs: ein Mausoleum der Iulii-Familie aus dem frühen 1. Jahrhundert v. Chr. und ein Triumphbogen. Die Dreischichtigkeit der Besiedlung — keltisch, hellenistisch, römisch — macht Glanum zu einem archäologisch ungewöhnlich vielschichtigen Ort.

5. Carnac, Bretagne

Carnac beherbergt das umfangreichste Megalith-Ensemble der Welt: mehrere tausend aufrecht stehende Steine — Menhire — die in langen, parallelen Reihen über mehrere Kilometer gestreckt sind, ergänzt um Dolmen, Tumuli und Steinkreise. Die Anlagen entstanden in mehreren Phasen zwischen etwa 4500 und 2000 v. Chr. Die Erbauer gehören den Kulturen des westeuropäischen Neolithikums an; ihre genauen Motive bleiben Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Viele Steinreihen sind eingezäunt und können nur auf Führungstouren betreten werden. Das Musée de Préhistoire in Carnac bietet einen hervorragenden Überblick.

6. Alésia, Côte-d'Or

Im Jahr 52 v. Chr. kapitulierte Vercingetorix in Alésia vor Julius Caesar — die letzte große Niederlage des gallischen Widerstands. Das Schlachtfeld liegt auf dem Plateau von Alise-Sainte-Reine in Burgund; Ausgrabungen haben die doppelte Befestigungslinie der Römer teilweise freigelegt. Das MuséoParc Alésia ist eine der gelungensten archäologischen Präsentationen Frankreichs: Rekonstruktionen der Verteidigungswerke, Originalfunde und ein geschwungenes Besucherzentrum des Schweizer Architekten Bernard Tschumi. Für die Geschichte Galliens und des Römischen Reichs ist dieser Ort von kaum zu überschätzender Bedeutung.

7. Vaison-la-Romaine, Vaucluse

Vaison-la-Romaine war die Hauptstadt des keltischen Stammes der Vocontii und wurde unter Rom zur wohlhabenden Provinzstadt ausgebaut. Zwei große Ausgrabungsfelder — Puymin und La Villasse — zeigen Wohnhäuser, Läden, Thermen, ein Nymphäum und ein Theater, das noch heute bespielt wird. Besonders bemerkenswert sind die erhaltenen Mosaikböden und die Skulpturensammlung im örtlichen Museum. Die mittelalterliche Altstadt auf dem Felsen über dem Fluss Ouvèze ergänzt das Bild; man kann also auf engem Raum antike, mittelalterliche und lebendige provençalische Stadtgeschichte erleben.

8. Lugdunum / Lyon, Auvergne-Rhône-Alpes

Lyon — in der Antike Lugdunum — war die Hauptstadt der Provinz Gallia Lugdunensis und einer der wichtigsten Verwaltungssitze des Imperiums. Auf dem Fourvière-Hügel über der modernen Stadt sind zwei gut erhaltene römische Theater ausgegraben worden: das große Theater aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. mit Rang für etwa 10.000 Zuschauer sowie das kleinere Odeon nebenan. Im Sommer findet hier das Festival Nuits de Fourvière statt. Das Musée Gallo-Romain am Hang ist für seine Dauerausstellung mit Mosaiken und der Tabula Claudiana berühmt.

9. Filitosa, Korsika

Auf der französischen Insel Korsika liegt Filitosa, ein prähistorisches Freiluftmuseum mit statue-menhirs — stehenden Steinen, die menschliche Züge tragen, teils mit Schwertern und Rüstungen graviert. Die Anlage entstand zwischen rund 3300 und 1000 v. Chr. und zeigt verschiedene Nutzungsphasen, darunter eine torréenne Befestigung. Die Skulpturen stehen teilweise unter Olivenbäumen, was dem Ort eine eigenartige Atmosphäre verleiht. Filitosa ist eines der eindrücklichsten Megalithmonumente des Mittelmeerraums und wenig überlaufen.

10. Bibracte, Saône-et-Loire

Bibracte war das mächtigste Oppidum — die befestigte Großsiedlung — der Haeduer, dem einflussreichsten keltischen Stamm Galliens. Auf dem Gipfel des Mont Beuvray liegen die Reste einer Stadt, die in ihrer Blütezeit im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. über 10.000 Einwohner zählte. Hier verfasste Caesar Teile seiner Commentarii de Bello Gallico, nachdem er Vercingetorix geschlagen hatte. Ausgrabungen seit den 1860er Jahren — zuerst unter Napoleon III. — haben Handwerkerviertel, Tore, Heiligtümer und Adelssitze freigelegt. Das Musée de la Civilisation Celtique am Fuße des Berges ist modern und gut konzipiert.

Praktische Hinweise

Die meisten Stätten im Süden Frankreichs sind von April bis Oktober geöffnet; Carnac und die bretonischen Megalithen sind ganzjährig zugänglich, die eingezäunten Steinreihen allerdings nur auf Führung. Nîmes, Orange und Vaison-la-Romaine lassen sich gut mit einem Mietwagen kombinieren. Lyon ist per TGV bequem erreichbar. Eintrittspreise variieren stark; für Nîmes gibt es eine Kombi-Karte. Die Karte öffnen und alle Fundorte auf einen Blick entdecken.